"Sollte uns zu denken geben"

Die Zahl der jugendlichen Straftäter unter 14 Jahren hat zugenommen. Wie der Leiter der Ermittlungsgruppe bei der Polizeiinspektion Starnberg, Boris Netschajew im Rahmen einer Pressekonferenz zur Kriminalitätsstatistik 2008 vor Tutzinger Gymnasiasten erklärte, seien im vergangenen Jahr 13 Kinder mehr als noch 2007 als Tatverdächtige vernommen worden. „Das bedeutet einen Zuwachs von 36,7 Prozent“, sagte Netschajew besorgt über die Steigerung der Kinderkriminalität. „Das sollte uns zu denken geben.“

Insgesamt wurden im Dienstgebiet der Starnberger Polizeidirektion Starnberg, zu dem neben den Gemeinden Tutzing, Feldafing, Pöcking und Berg sowie Starnberg Stadt auch der Starnberger See inklusive die Uferzonen gehören, 2.127 Straftaten verübt (entspricht Rückgang zu 2007 um 135 Fällen). Mit 63 Prozent (1.342 Delikte) ist das Stadtgebiet Starnberg am häufigsten betroffen, gefolgt von Tutzing mit 14 Prozent (302 Fälle), Berg mit elf Prozent (229 Fälle), Pöcking mit sieben Prozent (157 Fälle) sowie Feldafing mit fünf Prozent (108 Taten). Dabei nahmen die Rohheitsdelikte (Gesamtanteil 16,3 Prozent) um fünf Prozent ab. Im vergangenen Jahr wurden acht Mal Raubtaten verübt, 29 Mal Gefährliche Körperverletzungen und 159 Mal vorsätzliche Körperverletzungen. Sachbeschädigungen (Gesamtanteil 14 Prozent) kamen 297 Mal vor, davon 126 Mal an Kraftfahrzeugen. Die Eigentumsdelikte mit einem Gesamtanteil von 31,2 Prozent teilen sich auf in: Einfacher Diebstahl (469 Taten – Ladendiebstahl (50 Taten) – Schwerer Diebstahl (195 Taten) – Wohnungseinbruchsdiebstahl 840 Taten) sowie Pkw-Aufbruch (28 Taten). Bei den Vermögensdelikten schlugen Betrug (313 Taten) mit 14,7 Prozent Anteil an den Gesamtstraftaten zu Buche. „Auch die Internetkriminalität nimmt immer mehr zu“, warnte Netschajew die Schüler, nicht leichtsinnig alle persönlichen Daten ins Netz zu stellen. Die Rauschgiftdelikte nahmen mit 79 Taten einen Gesamtanteil von 3,7 Prozent ein. Die meisten Straftaten werden von Erwachsenen verübt (811 Personen) gefolgt von Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 Jahren (86 Personen) sowie Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren (124 Personen) und Kindern unter 14 Jahren (47 Personen). Als großes Problem bezeichnete der Ermittlungsgruppenleiter Alkohol im Bereich der Jugendkriminalität: „Fast jeder fünfte Tatverdächtige ist bei der Ausführung der Tat alkoholisiert“, so Netschajew. Der jüngste Straftäter war fünf Jahre alt (Sachbeschädigung), der jüngste Jugendliche 14 Jahre alt (Handel mit Cannabis). Angesprochen wurde auch das Problem von Trittbrettfahrern nach einem Amoklauf wie dem von Winnenden. „Das ist kein Spaß und wird innerhalb kürzester Zeit mit aller Härte bestraft“, so die beiden. Außerdem habe dies auch Auswirkungen auf den Führerscheinerwerb und ziehe Eintragungen ins Führungs- oder Erziehungsregister nach sich. Nach Winnenden sei auch Starnberg gleich mit zwei angedrohten Amokläufen betroffen gewesen, erzählte Polizeichef Norbert Reller. In dem einen Fall wurde bei einem 17-Jährigen sofort ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt, weil Waffenbesitz nicht ausgeschlossen werden konnte. Bei dem anderen wurde ein 14-Jähriger, der seine Lehrerin töten wollte, aufgrund massiver psychischer Probleme eingewiesen.

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