Sondersitzung Seeabindung

Lutz Janssen stellt Konzept für Kompakttunnel vor

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Am Montag fand die Sondersitzung zum Thema Seeanbindung statt.

Starnberg – Unter der Überschrift „Freier Seezugang ohne Gleisbarriere“ hat der Starnberger Diplomingenieur Lutz Janssen dem Stadtrat sein Konzept eines Kompakttunnels für die Bahngleise am See vorgestellt. Die mehr als einstündige Präsentation im Rahmen einer Sondersitzung fand ein überwiegend positives Echo, konnte hinsichtlich der Finanzierung auf Grund zahlreicher Genehmigungsvorbehalte aber noch nicht mit konkreten Zahlen aufwarten – nur so viel steht für Janssen fest: Über den mit der Gleisverlegung in den Untergrund erzielbaren oberirdischen Flächengewinn nebst Bebauung soll sich die Sache rechnen.

Janssens bis ins Detail gehendes Konzept war nach dem sogenannten „Walther-Tunnel“, der sowohl B2 als auch Bahngleise unter dem See hindurch führen will, bereits die zweite Idee, die sich der Stadtrat zum Thema „Seeanbindung“ in öffentlicher Sitzung vorstellen ließ. Die Fraktion der Grünen hatte vor Janssens Auftritt per Dringlichkeitsantrag von Bürgermeisterin Eva John auch noch einen Sachstandsbericht zu den Ergebnissen des Arbeitskreises Seeanbindung verlangt, die zwischen 2012 und 2014 erreicht worden sind. Laut Stadträtin Martina Neubauer seien diese Arbeitsresultate bislang nicht von der Stadt kommuniziert worden – eine Ansicht, der John gleich zu Beginn der Ratssitzung entgegentrat. Als die Bürgermeisterin die Ergebnisse des Arbeitskreises dahingehend zusammenfasste, dass eine (von John auf 115 Mio. Euro geschätzte) Seeanbindung als „nicht finanzierbar“ bewertet wurde, regte sich Widerspruch: „Ich betrachte den Tagesordnungspunkt als nicht erfüllt und werde dies der Rechtsaufsicht mitteilen“, kündigte Neubauer an – ihrer Meinung nach war die Rathaus-Chefin nicht auf die eingeforderten Details der Arbeitskreissitzungen eingegangen und hatte wieder nur ihre persönliche Bewertung der Ergebnisse abgegeben: „Sie wären als Grundlage für die Schlichtungsgespräche mit der Bahn extrem wichtig, um gut gewappnet zu sein“, so Neubauer, die das Projekt „Seeanbindung“ im Gegensatz zu John für „sehr gut darstellbar“ hält.

Diese Kredite kann die Stadt nicht aufnehmen

Rückenwind bekam Neubauers Haltung dann auch von Janssens umfassender Konzeptvorstellung: Stadtrat Otto Gassner (UWG) hielt John derweil zweierlei Maß vor, was hohe Ausgaben der Stadt angeht: „Umso mehr verwundert es, Frau Bürgermeisterin, dass Sie zum Teil Projekte finanzieren, die erheblich teurer sind als die (für nicht finanzierbar erklärte) Seeanbindung“, sagte Gassner in Anspielung auf die Kostenexplosion beim Seebad. Aus Johns Sicht grob zu veranschlagen wären etwa 74 Mio. Euro für die Gleisverlegung nebst Neugestaltung des Bahnhofs See, weitere 20 Mio. Euro für die Neubebauung der frei werdenden Flächen plus 6,2 Mio. Euro für den Umbau des Bahnhofs Nord zum Regionalzughalt plus eine zweistellige Milllionensummme für „Nebengeräusche“ wie Grunderwerb usw.: „Es bliebe immer eine Deckungslücke von 50 bis 83 Mio. Euro zu Lasten der Stadt, und Kredite in dieser Höhe kann sie nicht aufnehmen“, so die Bürgermeisterin.

Eine Lösung wollen alle

Diplomingenieur Lutz Janssen, einst bei BMW in der Fahrzeug-Forschung tätig, gab sich deutlich optimistischer: Rund drei Jahre „reine Planungszeit“ und weitere drei bis vier Jahre „Bauzeit“ veranschlagte er für Realisierung seines Kompakttunnel-Konzepts. Seine Idee eines unterirdischen, in einem Tunneltrog eingehausten Seebahnhofs hänge natürlich davon ab, ob das Eisenbahnbundesamt „mitspiele“ und bereit sei, die erforderlichen internen Genehmigungen („UIG“s) als Voraussetzung der technischen Machbarkeit beizusteuern: „Meine Anfrage nach einem Arbeitsgespräch hat die Bahn vorerst abgelehnt, unter Hinweis auf die anstehenden Schlichtungsgespräche mit der Stadt“, so Janssen. Da die überregionale Bedeutung des Bahnhofs See aber unstreitig sei, müssten auch Landkreis, Freistaat, Bund und die Bahn selbst stark daran interessiert sein, eine solche Lösung zu realisieren - und gemeinsam finanziell zu stemmen. Was die Refinanzierung durch Flächengewinn am See, Bebauung mit bezahlbarem Wohnraum und Schaffung neuer Gewerbeflächen angeht, skizzierte Janssen ein Szenario, das auch die von John bezifferten 115 Mio. Euro Gestehungskosten „darstellen“ würde. Der Tunneltrog mit den bis zu vier versenkten Gleisen wäre 550 Meter lang und soll sich von etwa Höhe Kaiser-Wilhelm-Straße bis zum Undosa erstrecken. Janssen hatte sich bereits Gedanken über eine Minimierung der Lärmimmissionen, die Sicherheit am unterirdischen Gleiszugang, die künftigen Gleisradien und zu überwindenden Steigungen gemacht – sogar wegen notwendigen Grunderwerbs hatte der Diplomingenieur Erkundigungen angestellt: „Die von der Bahn dann nicht mehr benötigten Flächen am See wären doch für die Stadt ein Geschenk!“ Janssen warnte zugleich vor einer „oberirdischen“ Lösung des Themas Seeanbindung: „Würde für 100 Jahre alles zementieren und wäre ein großer Nachteil für Starnberg.“ Es gelte jetzt den seit über 130 Jahren bestehenden „Strukturfehler“ zu beheben, dass die Stadt durch die Bahngleise vom See abgeschnitten ist, warb Janssen eindringlich für sein Konzept.

Neue städtebauliche Kante

Die Stadträte lobten die Idee des Starnbergers unisono und quer durch die Fraktionen, wenngleich sich auch erste Skepsis breit machte, „ob die Bahn genügend Fantasie aufbringt“ (Gassner) für einen solchen „großen Wurf“. Käme der Kompakttunnel tatsächlich, so Gassner, würde die Stadt mit der Bebauung hinzugewonnener Flächen am See auch noch „eine ganz neue städtebauliche Kante“ bekommen. Stefan Frey (CSU) meinte zu Janssen gewandt, es sei „aller Ehren Wert, dass man Ihre Ausarbeitung auch mit der Bahn besprechen sollte“. 

Offene Fragen

Bleibt abzuwarten, wer namens der Stadt in die Gespräche mit der Deutschen Bahn gehen wird – und wer dann im Namen der Stadt welches Konzept favorisiert – auch die Zeit drängt bereits: „Die Bahn stellt sich einen Zeitraum von maximal einem Jahr für die Gespräche vor“, hatte Angelika Kammerl (Parteifreie) auf eigene Faust in Erfahrung gebracht. Beim ersten Vorbereitungstreffen zur Schlichtung mit der Bahn hatte Bürgermeisterin Eva John Ende Januar die dort ebenfalls erschienene Stadträtin nicht dabei haben wollen und ihr laut Kammerl die Tür gewiesen – andernfalls werde sie den Termin platzen lassen.

Von mps

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