Opfer hat plötzlich auftretende Erinnerungslücken 

Spektakuläre Wendung vor Gericht: Junger Gautinger wird freigesprochen

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Ein junger Gautinger musste sich unlängst wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung vor dem Starnberger Jugendschöffengericht verantworten. Da das Opfer sich an die Tat nicht mehr erinnern konnte, wurde der Angeklagte aus Mangel an beweisen freigesprochen.

Gauting/Starnberg - Ihre sommerliche Zufallsbekanntschaft auf einer Parkbank fand dieser Tage ein Nachspiel vor dem Starnberger Jugendschöffengericht. Auf der Anklagebank musste sich ein 23-jähriger Gautinger jetzt wegen sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Im Juli 2019 soll er einem Mädchen (17) auf einer Gautinger Bank allzu eindeutige Avancen gemacht haben.

Bei der Polizei hatte die 17-Jährige den Gautinger schwer belastet. Demnach habe er sich des nachmittags zwischen sie und ihre Freundin auf die Bank gesetzt und nachgefragt, „ob er rummachen dürfe“. Anschließend soll der in der Gastronomie tätige Mann dem Mädchen den Arm um die Schulter gelegt und unter ihren BH gefasst haben. Laut Anklagevorwurf erlitt die Schülerin dadurch ein Hämatom und Schmerzen. Den Griff zwischen ihre Beine habe die Schülerin laut Anklage gerade noch verhindern können. Im Zeugenstand ruderte die im Mädchenheim wohnhafte 17-Jährige ihre Anschuldigungen nahezu komplett zurück und erklärte, sie könne sich an die sexuellen Annäherungsversuche des Angeklagten nicht mehr erinnern. Allerdings entsann sich die Gautingerin noch gut daran, wie sie mit dem 23-Jährigen ins Gespräch kamen. „Er saß in der Mitte. Ich wollte meinen damaligen Freund verarschen und habe gefragt, ob der Angeklagte mir seine Hand geben kann.“ 


"Erinnere mich nicht genau"

Der Handyschnappschuss vom „Händchenhalten“ ging postwendend per WhatsApp an den damaligen Freund der Gautingerin. „Der Angeklagte hat dann den Arm um mich gelegt. An den Rest erinnere ich mich nicht genau“, versicherte die 17-Jährige wiederholt im Zeugenstand. Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe und schilderte, wie er lediglich auf der Bank zwischen den Mädchen saß, seine Hand zum Schnappschuss anbot und Telefonnummern austauschte: „Ich konnte aus dem Chat lesen, dass jetzt Schluss ist mit ihrem Freund.“ Auch die Gautingerin bestätigte im Zeugenstand, dass sie mit dem Foto erreichen wollte, dass ihr damaliger Freund sie in Ruhe lässt. 

Staatsanwältin zeigt sich überrascht

Die Staatsanwältin blieb angesichts der überraschenden Kehrtwendung ratlos zurück: „Wie kann das sein, dass das aus Ihrer Erinnerung gelöscht ist. Und wie kann es sein, dass ihre Freundin nichts mitbekommen hat.“ Die damals ebenfalls im Mädchenheim untergebrachte 16-Jährige blieb dem Prozess fern und erklärte schriftlich, sie habe vom Übergriff nichts bemerkt. Fakt ist, dass die 17-Jährige den Vorfall noch am selben Tag im Mädchenheim meldete und die Polizei den jungen Mann tags drauf mit einem getürkten Date vor das Mädchenheim lockte. 


Freispruch für Gautinger

„Man wollte ihm eine Falle stellen. Die Mädchen sind vom Ausgang zurückgekommen und haben gesagt, jemand habe sie bedrängt und ihnen angeboten, für sexuelle Handlungen fertiggebaute Joints zu geben“, so die Betreuerin. Zu einer Verurteilung gereichte die Beweislage nach der entschärften Aussage der Zeugin nicht. „Ohne konkrete Erinnerung der Anzeigeerstatterin kann keine Verurteilung gestützt werden“, sagte Jugendrichter Ralf Jehle und sprach den Gautinger frei.

Von Nilda Höhlein

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