Sport als Medikament

Diagnose Krebs: Die Antworten der Medizin darauf lauten bisher Chemotherapie, Bestrahlung, Operation. Doch immer mehr Patienten wollen selbst aktiv werden und etwas für ihre Genesung tun. Groß angelegte Studien haben nun den Beweis geliefert: Sport wirkt nicht nur vorbeugend, sondern verbessert auch nachweisbar die Prognose der Erkrankung. Der internationale Kongress „Sport und Krebs 2008“ am Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin an der Technischen Universität München vom 20. bis 22. November fasste die aktuelle Forschungslage zusammen und suchte nach Antworten, wie möglichst viele Patienten von den Erkenntnissen profitieren können.

„Sport sollte neben Chemotherapie, Bestrahlung und Operation einen festen Stellenwert in der Krebsbehandlung erhalten – wie ein Medikament“, fordert Professor Martin Halle. „Jeder fünfte Krebspatient stirbt nicht am Krebs, sondern an Folgen von Nebenerkrankungen wie Fettsucht, Diabetes oder Herz- und Gefäßproblemen. Hinzu kommt der erhebliche Verlust von Lebensqualität und die enorme psychische Belastung.“ Genau hier setzen die positiven Wirkungen des Sports ein: „Der Patient kann aktiv etwas für die Genesung tun, er bekommt wieder ein positiveres Körpergefühl, regt seinen Kreislauf an und verbessert so die eigene Prognose – ein Paradigmenwechsel in der Krebstherapie.“ Der Kongress, der von der Deutschen Krebshilfe maßgeblich unterstützt wurde hatte folgende Schwerpunkte: Welche wissenschaftlichen Studienergebnisse gibt es? Wie können diese umgesetzt werden? Welche Sportarten sind überhaupt sinnvoll? Für welche Patienten eignet sich welches Sportprogramm? Die international bekannten Referenten – darunter auch Dr. Herbert Eisenlohr aus Starnberg – waren sich am Ende der Tagung einig: Nach derzeitigem Wissenstand kann durch gezieltes sportliches Training beispielsweise bei Brust- oder Darmkrebs eine wesentliche Verbesserung im Krankheitsverlauf erreicht werden. Große Studien dazu aus USA, Canada und Australien wurden in München vorgestellt und diskutiert. Ein wesentlicher neuer Aspekt ist auch, dass konventionelle Behandlungsformen von Tumoren wie die Chemotherapie besser vertragen werden. Wichtig ist, dass ein Trainingsprogramm individuell ausgearbeitet wird und an die jeweilige Situation der Patienten angepasst ist. Auch eine genaue Festlegung des körperlichen Leistungsstands vor dem Training ist für eine optimale Anpassung der Sportbehandlung notwendig. Trainingsmöglichkeiten für Krebspatienten geplant „Aus unserer Sicht sollten Patienten, die an Krebs erkrankt sind, grundsätzlich die Möglichkeit haben, spezielle Trainings- und Bewegungsangebote zu nutzen. Voraussetzung dafür ist zunächst einmal, dass die Patienten und – nicht zu vergessen – auch ihre behandelnden Ärzte die positiven Auswirkungen von Sport für sie kennen. Dann sollten natürlich auch entsprechend qualifizierte Therapeuten zur Verfügung stehen, die wissen, bei welcher Erkrankung welche Übungen in welchem Umfang sinnvoll sind. Ideal wäre, wenn den Patienten gleichzeitig weitere Angebote gemacht würden, die den Lebensstil betreffen. Das könnte zum Beispiel in integrierten Zentren erfolgen, in denen klinische Onkologen und niedergelassene Ärzte mit Experten für die Bereiche Ernährung, Stressreduktion und Bewegung zusammenarbeiten,“ so Professor Halle. Für die Region München haben die Initiatoren des Symposiums bereits konkrete Pläne: So soll angebunden an das Klinikum rechts der Isar ein eigenes Therapie- und Trainingszentrum speziell für Patienten mit Krebserkrankungen entstehen. Federführend wird hier die Sportmedizin des Klinikums unter Leitung von Martin Halle sein. Zusätzlich möchte Halle auch einen Schwerpunkt auf Krebs-Vorbeugung legen: Er plant daher am Klinikum ein Präventionszentrum. Eine erste Kooperation ist ebenfalls bereits im Entstehen: Für den Bereich südlich von München soll in Starnberg wegen der dort sehr guten Infrastruktur ein spezielles Trainingsprogramm für Tumorpatienten angeboten werden. Kooperation mit Starnberg „Wir werden die guten Voraussetzungen hier in Starnberg nutzen, um möglichst bald ein Angebot für die Patienten zu machen“, so Eisenlohr, der mit Professor Halle die Planung für Starnberg vor Ort leitet. „Eine Umsetzung ist nur möglich, wenn wir möglichst breite Unterstützung in der Region haben“, sagte Eisenlohr. „Angesprochen sind beispielsweise Vereine und Übungsleiter, die aktiv mitarbeiten wollen. Besonders wichtig sind natürlich die Ärzte, die ihre Patienten auf das Angebot hinweisen und intensiv begleiten. Ich gehe davon aus, dass unser Konzept bis zum Jahreswechsel steht. Dann werden wir zunächst die Ärzte und voraussichtlich im März die Patienten über die Details informieren. Alle die an der Entwicklung mitarbeiten wollen, sind herzlich eingeladen sich zu beteiligen“, so Eisenlohr. „Ich finde es sehr gut, dass die Gesundheitsakademie Starnberg bereit ist, das Projekt zu koordinieren. So haben Patienten immer einen festen Ansprechpartner und wir können dort alle wichtigen Informationen bündeln. Interessierte Patienten können sich bereits jetzt dort melden und werden dann frühzeitig über die Veranstaltungen/Kurse informiert. Wenn alles optimal läuft, könnten wir noch in diesem Jahr mit den ersten individuellen Beratungen beginnen.“

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