Sportlern fällt Stein vom Herzen

Harzverbot abgewendet

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Viele Sportler kamen zur gestrigen Gemeindesitzung nach Herrsching. Sie interessierte das Harzverbot in der Sporthalle.

Herrsching – Einstimmig lehnte Herrschings Gemeinderat das Harzverbot für die Handballer des TSV Herrsching in der Nikolaushalle ab – und den zahlreichen Sportlern, die den Tagesordnungspunkt in der jüngsten Gemeinderatsitzung gespannt verfolgten, fiel fast hörbar ein Stein vom Herzen. Zuvor hatten Schulleiter Florian Thurmair, Konrektorin und Nachfolgerin Katharina Casper und Kerstin Bednarek (Fachbetreuerin Sport) der Christian Morgenstern Schule ihrem Ärger über die wiederholt harzverklebte und verdreckte Turnhalle Luft gemacht.

Im Dezember 2016 sperrte der Schulleiter die Halle zum ersten Mal aus Sicherheits-, aber auch aus hygienischen Gründen für den Schulsport. Auslöser war der total verdreckte Hallenboden (wir berichteten). „Ich trage für 800 Kinder und Jugendliche die Verantwortung“, begründete Thurmair den Schritt. In der damaligen Sitzung beschloss das Gremium eine Grundreinigung (knapp 10.000 Euro) und, dass ein neues Reinigungsunternehmen den Boden drei Mal wöchentlich säuberte (monatlich rund 760 Euro). Dann kehrte Ruhe ein – bis vor ein paar Wochen, als die Halle erneut für den Schulsport gesperrt wurde. Diesmal, weil sich die Deckel im Boden über der Pfostenhalterung lösten und die von den Handballern provisorisch mit Klebeband befestigten Deckel zum Stolperstein für die Hallennutzer wurden. Auch Armaturen, Nebenräume und Sportgeräte seien verklebt, führte die Fachbetreuerin aus. „Ekelhaft“ war nur eine Bezeichnung dafür. „So sieht alles in unserer Halle aus“, legte die Pädagogin nach und veranschaulichte das Ganze mit Fotos und mitgebrachten Bällen aus dem Arsenal der Schulsportgeräte. „Unser Dreck, der kümmert mich einen Dreck“, diesen Eindruck bekomme man in der Schule, empörte sich Bednarek. 

Entschuldigung bei der Schule

Als Fachkraft in Sachen Reinigung war Marcel Weinberger der Feldafinger Reinigungsfirma „kw Dienstleistungsservice GmbH“ vor Ort, deren Arbeit Thurmair im Vorfeld ausdrücklich gelobt hatte. „Die Klebereste kann man nur mit Lösungsmitteln reinigen“, betonte der Fachmann. Und jene hätten den in dieser Hinsicht nicht geeigneten Kleber der Deckel angegriffen. Der seither benutzte Kleber ist jetzt lösungsmittelresistent, womit dieses Problem nicht mehr auftreten sollte. Abteilungsleiter und Gemeinderat Uli Sigl (SPD) entschuldigte sich bei der Schule – und verwehrte sich dagegen, „dass wir rücksichtslos mit der Nikolaushalle umgehen“. Im Gegenteil, 2010 hätten die Handballer die Tribüne abgeschliffen und wieder auf Vordermann gebracht. Der Schulleiter reagierte prompt – und bevor der Dialog der Parteien persönlich wurde, lenkte Bürgermeister Christian Schiller die Diskussion wieder in sachliche Bahnen. 

Kosten von 350 Euro werden übernommen

Sachlich war dann das Versprechen Sigls: „Wir sind bereit, etwas dagegen zu unternehmen.“ Damit signalisierte er, dass die Abteilung des TSV zusätzlich anfallende Reinigungskosten zum Säubern von Armaturen und Nebenräumen von monatlich rund 350 Euro übernehme. Und die Handballer würden die Turn- und Sportgeräte putzen, versicherte Christina Reich (CSU). 

Die Vorschläge zurrte das Gremium in einem einstimmigen Beschluss fest. Statt einem Harzverbot regte Gertraud Köhl (Grüne) eine Probezeit von einem Vierteljahr an, die ebenfalls in den Beschluss mit einfloss. Und die Menge, die anschließend den Saal verließt, war sichtlich erleichtert.

Von Michele Kirner

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