Sprung auf die große Leinwand mit Down Syndrom

Tutzinger Schauspielerin Luisa Wöllisch spricht bei Filmpremiere

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Angelica Fell, von der Freien Bühne München, Luisa Wöllisch und ihre Mutter Eva.

Tutzing – Humorvoll, erfrischend, einfach gut. Das ist der Film „Die Goldfische“ mit Jella Haase, Tom Schilling, Axel Stein und vielen weiteren. Am Samstagabend war in Tutzing die Premiere des erfolgreichen Kinofilms mit Stargast Luisa Wöllisch, die ebenfalls eine Hauptrolle im Film spielt. Die Tutzingerin verkörpert „Franzi“, ein toughes Mädchen mit dem Down-Syndrom. Sie selber ist die einzige Darstellerin, die wirklich eine Behinderung hat. Umso mehr wird sie für ihren großen Erfolg gefeiert.

Oliver (Tom Schilling) kommt nach einem schweren Autounfall in eine Reha-Klinik, wo er „die Goldfische“, eine Gruppe von behinderten Menschen und deren Betreuer, kennen lernt. Er selber war vor seinem Unfall ein erfolgreicher Geschäftsmann und findet sich nur schwer mit seinem neuen Schicksal ab. Mit der Gruppe, bestehend aus den zwei Autisten Rainmann (Axel Stein) und Michi (Jan Henrik Stahlberg), Franzi (Luisa Wöllisch), der blinden Zynikerin Magda (Birgit Minichmayr) und den Betreuern Laura (Jella Haase) und Eddy (Kida Khodr Ramadan), plant Oliver eine aufregende Reise nach Zürich, zur „Kameltherapie“. Dort hat er sein Schwarzgeld gebunkert, welches er unbemerkt nach Deutschland schmuggeln muss. Ob dieser Plan wohl gut geht? 

Nicht Luisas erste Filmrolle

In der heiteren Komödie zeigt die lebenslustige Luisa ihre Schauspielkünste. Nach einer kleinen Rolle im Eberhofer-Krimi „Grießnockerlaffäre“ und mehreren Theaterrollen schafft sie jetzt auch den Durchbruch auf die große Leinwand - und das als Hauptdarstellerin. Zur Premiere in ihrer Heimatstadt kam die Schauspielerin natürlich persönlich. Nach einem kurzen Interview durch Michael Teubig und Begrüßungen der 1. Bürgermeisterin Marlene Greinwald und Angelica Fell, von der Freien Bühne München, startete der Film zum ersten Mal im Kurtheater. Das ist für die kleine Berühmtheit nach Fernsehauftritten wie bei Stern-TV nun kein Problem mehr. Wir werden wohl auch in Zukunft noch viel von der Tutzingerin hören und sehen. 

Alma Jazbec mit Luisa Wöllisch im Interview im Kurtheater in Tutzing.

"Wir haben beide das Down-Syndrom" 

Seit der Premiere von „Die Goldfische“ von Alireza Golafshan steht das Leben von der Tutzingerin Luisa Wöllisch wohl ein wenig auf dem Kopf. Die 22-jährige ausgebildete Schauspielerin mit dem Down Syndrom spielt eine Hauptrolle und ist seitdem in fast jeder Morgensendung im deutschen Fernsehen zu sehen. Mit ihrer lebendigen Art begeisterte sie nicht nur die Zuschauer, sondern auch beim Casting. Wie sie sich auf die Rolle der Franzi vorbereitet hat, erzählte sie uns bei der Filmpremiere im Tutzinger Kurtheater. 

Luisa, erst einmal vielen Dank, dass du dir noch vor der Premiere für uns Zeit nimmst. Wie bist du denn zur Schauspielerei gekommen? 

Luisa: „Seit 2014 bin ich bei der Freien Bühne in München und da bin ich zur Schauspielerei gekommen. Es macht mir einfach sehr viel Spaß in verschiedene Rollen zu schlüpfen.“ 

Wie sind denn die Produzenten auf dich aufmerksam geworden? 

Luisa: „Sie haben bei der Leiterin der Freien Bühne München, Angelica Fell, angefragt und wir haben ein Casting-Video gedreht, dann wurde ich auch zum Casting geladen." 

Was war das für ein Gefühl, als der Anruf kam, dass du Franzi spielen darfst? 

Luisa: „Es war der Wahnsinn! Es waren ja noch 20 andere Mädchen im Rennen. Meine ganze Familie und ich - wir konnten es kaum glauben. Die Freude war wirklich groß.“ 

Wie hast du dich denn auf die Rolle der Franzi vorbereitet?

Luisa: „Ich hatte natürlich das Drehbuch gelesen und es hat mir sehr gut gefallen. Meine Textpassagen habe ich auf dem Handy aufgenommen und so auswendig gelernt.“ 

Ist die Franzi dir denn ähnlich? 

Luisa: „Also, wir haben beide das Down Syndrom und sie setzt das durch, was sie sich in den Kopf setzt, da sind wir uns ähnlich. Aber ansonsten nicht wirklich."

Bist du mit deiner Leistung zufrieden? 

Luisa: „Ja, das bin ich definitiv. Es war eine tolle Rolle, die ich spielen durfte.“ 

Wie war denn die Zusammenarbeit mit den anderen Schauspielern? 

Luisa: „Die Zusammenarbeit war super. Die Kollegen waren alle sehr nett und total offen mir gegenüber. Die Arbeit mit Tom Schilling war super.“ 

Was war denn eine der größten Herausforderungen für dich am Set vom Film „Die Goldfische“?

Luisa: „Nun, die Szenen werden beim Film ja durcheinander gedreht, und da war es mit dem Texte lernen eine kleine Herausforderung für mich. Das ist im Theater ein bisschen anders. Und im Film trage ich ja einen rosafarbenen Fellmantel. Wir haben im Hochsommer gedreht und ab und zu war es wirklich heiß.“ 

Hast du eine Lieblingsszene im Film? 

Luisa: „Ja, aber die verrate ich nicht.“ 

Kannst du denn noch zum Einkaufen gehen zum Beispiel, ohne dass dich jemand anspricht? 

Luisa: „Noch geht‘s muss ich sagen. Nach der Sendung „Volle Kanne“ hatten mich immer mehr Leute erkannt. Aber das stört mich nicht, ganz im Gegenteil, mich freut das sehr, wenn ich angesprochen werden.“ 

Hast du Pläne für die Zukunft? 

Luisa: „Nein, ich habe keine Pläne, ich lebe jeden Tag, wie er kommt.“

Und auf der Bühne, was steht demnächst bei dir an? 

Luisa: „Als nächstes spiele ich die Lulu in der Frank Wedekind Tragödie auf der Freien Bühne München.“

Vielen Dank für das Interview, liebe Luisa.

Bei der Premiere in Tutzing: Eva und Luisa Wöllisch, Michael Teubig und Angelica Fell von der Freien Bühne München.

Luisa Wöllisch wurde 1996 in München geboren, besuchte die Montessorischule in Biberkor, wo sie erste Bühnen-Erfahrungen in Musicals und Theateraufführungen sammelte. 2014 begann sie eine Berufsqualifizierende Maßnahme an der Freien Bühne München. Seit dem ist sie fester Teil des Ensembles. 2016 spielte sie in ihrem ersten Kinofilm „Die Grießnockerlaffäre“ mit. Nach ihrem Abschluss 2018, wird sie abseits ihrer Tätigkeit als Schauspielerin momentan auch als Assistenz des DozentInnen-Teams für die Freie Bühne München angelernt. Angelica Fell, Gründerin der Freien Bühne München, ist von Luisas Leistung begeistert und meinte: „Sie ist ein tolles Vorbild für viele und durch sie kommt das Thema Inklusion nun auch in der Kunst so langsam an.“

Von Lisa Livancic/Alma Jazbec

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