Stadtrat hält weiter an Tunnel fest

Chaotische Verkehrsverhältnisse sind in Starnberg nichts ungewöhnliches - sollte der B2-Tunnel gebaut werden, könnte dies die Situation noch verschärfen. Foto: Jaksch

Der Starnberger Stadtrat hält am Tunnel fest und will keine Alternativen zu dem Projekt untersuchen – eine Umfahrung sieht er nur als eine spätere zusätzliche Lösung. Hier werden bereits elf Trassen als Ergänzung zum Entlastungstunnel geprüft. Mit 24:3 Stimmen lehnte der Stadtrat damit in der Sitzung am Montag einen entsprechenden Antrag von Willi Illguth ab.

Dieser hatte mit Zustimmung der Mehrheit der anwesenden Besucher bei der Bürgerversammlung gefordert, die Machbarkeit und Wirksamkeit einer B2-Umfahrung als Alternative zum B2-Tunnel prüfen zu lassen. Auch seine Forderung, die B2-Umfahrung bei der Stadtentwicklungsplanung zu berücksichtigen, scheiterte - ebenso wie sein Vorstoß, beide Projekte im Hinblick auf ihre Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung zu vergleichen. Die Stadträte folgten vielmehr mehrheitlich der von der Stadtspitze umformulierten Beschlussempfehlung. Demnach werden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für eine weitere Umfahrung im Norden und Osten der Stadt aufgenommen sowie die in dieser Studie vorgeschlagenen Trassen auf ihre Machbarkeit und Verkehrswirkung zügig untersucht. Bei der zweistündigen Diskussion vor knapp 100 Zuschauern wurde wieder einmal deutlich, welch tiefe Risse durch den Stadtrat in der Verkehrsfrage gehen. Die einen setzen weiterhin auf Tunnel und Westtangente und halten sich die Option offen, bei Bedarf später noch eine Umfahrungs-Variante zu realisieren - die anderen wollen nur die Umfahrung und empfinden es als unsinnig, den auf 150 Millionen Euro Baukosten gestiegenen B2-Entlastungstunnel zu realisieren - angesichts seiner Nachteile und Belastungen für die Bevölkerung. Sie glauben ohnehin nicht, dass der Tunnel jemals gebaut wird und wollen deshalb mit der Umfahrung einen „Plan B“ in der Tasche haben. „Der Preis für den Tunnel ist hoch, nicht nur in punkto Investitionskosten“, fand Eva John (CSU). So würden bei den 60 entlang der Tunneltrasse stehenden Gebäude dauerhaft Schallschutzfenster und mechanische Entlüftungen notwendig – zwei Gebäude müssten abgerissen werden sowie zwei weitere Anwohner mit einer dauerhaften Überschreitung der Lärmgrenzwerte leben. Entsetzt zeigte sich John aber auch über die angespannte Atmos- phäre in Starnberg. „Die B2 durchschneidet nicht nur die Stadt, sondern spaltet die Bürgerschaft“, so John. Die Haltung, für welche Verkehrslösung man sei, entscheide nun über Freundschaften, politische Kontakte oder ob man ein guter Politiker und Bürger sei. Klaus Rieskamp (WPS) plädierte die „Bürger ernst zu nehmen und nicht weiter zu polarisieren“: „Machen Sie die Untersuchung der B2-Umfahrung und dann ist die Bürgerschaft zufrieden“, appellierte der WPS-Stadtrat. Auch forderte er, über Illguths Antrag im Originalwortlaut abstimmen zu lassen, scheiterte damit aber. WPS-Stadtrat Benno Gantner fragte sich, warum ein Vergleich beider Projekte in punkto Verkehrsströme nicht gewollt werde: „Gibt es vielleicht da jemand, der Angst davor hat, dass Zahlen herauskommen, die nicht für den Tunnel sprechen.“ Er plädierte für „eine ehrliche Analyse“, um richtig entscheiden zu können. Adolf Herrmann (Bürgerliste) wetterte: „Es nützt Ihnen ein Dreck, wenn Sie Baureife für den Tunnel haben und kein Geld!“ Dagegen hatte Barbara Frey(CSU) eigentlich keine Lust mehr, „noch mehr Feigenblätter“ (sprich Geld) für „Gutachten zum Gutachten“ zu verprassen. Bei der Vielzahl der entsprechenden Papiere könne man ja langsam ein „Museum“ aufmachen, kritisierte sie. Sie zweifelte generell, ob eine Umfahrung überhaupt angenommen werde und wehrte sich dagegen, Naturdenkmäler wie das Mühltal „für den Verkehr preis zu geben“. Auch Verkehrsreferent Jürgen Busse (UWG) sah quasi keinerlei Realisierungs- chancen für die Umfahrung – angesichts der vielen Schutzgebiete, die durchschnitten werden müssten. Trotzdem war auch er dafür während der Wartephase bis zum Bau des B2-Tunnels verschiedene Trassen zu prüfen und in einem zweiten Schritt in die Machbarkeit mit auf zu nehmen. Laut Stadtbauamtsleiter Stephan Weinl macht es die derzeitige Sach- und Rechtslage unmöglich, eine B2-Umfahrung als Alternative zum Tunnel zu untersuchen. Hintergrund: Das Gericht habe keinen Mangel an dem Tunnelprojekt festgestellt. Außerdem sei der Tunnel laut Gerichtsurteil auch die bessere Entlastung vom Durchgangsverkehr und den geringeren Eingriff in die Natur. „Für eine Umfahrung steht der Bund und der Freistaat, die Baulastträger für den Tunnel sind, auch nicht zur Verfügung“, so Weinl. Zudem müssten im Stadtentwicklungsplan die Projekte mit der größten Realisierungschancen dargestellt werden. Das seien nun einmal der planfestgestellte Tunnel und die Westtangente. Trotzdem wolle man zusätzlich den Sachstand für eine B2-Umfahrung darstellen und weitere Trassenalternativen prüfen, um größtmögliche Verkehrsentlastungseffekte zu erzielen.

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