Starkes Signal pro Radfahren setzen

Das gemeinsame Projekt „Würmtal - Das Radltal“ ist einen Schritt weiter. Über den aktuellen Sachstand des regionalen Radverkehrskonzeptes informierte jüngst Christian Fahnberg vom Ingenieurbüro Ingevost. Im Auftrag der vier Gemeinden Gräfelfing, Krailling, Neuried und Planegg berichtete Fahnberg im Sitzungsaal des Planegger Rathauses über Auftragsinhalte, anstehende Aktionen und die nächsten Schritte. Die vier Bürgermeister der Würmtalgemeinden waren ebenfalls anwesend. Radeln ist gesünder, besser und macht vor allem Spaß, betonte eingangs Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch, die selbst vom Virus Radeln infiziert ist. Dazu bedarf es aber auch einer richtigen Infrastruktur.

Ziel dieses interkommunalen Projektes ist es, den Alltags-Radverkehr innerhalb und zwischen den Würmtalgemeinden zu fördern. Gemeint sind Wege zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder zur werktäglichen Freizeitaktivität. Wichtigste Aufgabe ist die Verbesserung der Radverkehrssicherheit und des Fahrkomforts, nicht zuletzt weil Defizite in der Sicherheit viele Bürger vom Radfahren abhält. Um noch mehr Bürger für das Fahrradfahren zu gewinnen, sind verschiedene Akionen PRO RADFAHREN geplant. Mit einer Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur allein, ist es aber nicht getan. Wichtig ist vor allem, das „Bewusstsein der Bürger zum Radfahren zu verändern“. „Da müssen wir uns vor allem der Frage stellen, wie gehen wir im Verkehrsalltag, sprich Autofahrer – Radfahrer, miteinander um. Welches Image hat das Radfahren und wie können wir das Radfahren gezielt fördern?“ Die Radinfrastruktur habe man bereits aufgenommen und die Mängelliste eingepflegt, berichtete Fahnberg. In die Karte wurden auch die Unfälle der vergangenen drei Jahre markiert. Derartige Unfallschwerpunkte gibt es im Würmtal nicht. Im Moment erarbeitet der projektbegleitende Arbeitskreis Ziele, Leitlinien und gemeinsame Standards für ein überregionales Radverkehrsnetz. Die im Arbeitskreis - bestehend aus Vertretern der Gemeinderäte, der Verwaltungen, des ADFC und der Planer - konzipierten Standards sollen von den vier Gemeinden getragen und beschlossen werden. 17 Regeln wurden bisher entworfen. Eine davon lautet: „Die Würmtalgemeinden sind untereinander mit einem komfortablen zügig zu befahrenden direkten und sicheren Radwegesystem für den Alltagsverkehr zu verbinden.“ Ein anderer Standard bezieht sich auf die Radabstellanlagen. Diese sollen grundsätzlich das Prädikat ADFC-tauglich haben. Um auch die Bürger in das Projekt aktiv mit einzubeziehen, wurden an alle Haushalte Fragebögen verteilt. Gefragt sind vor allem Verbesserungsvorschläge auf den Alltagsrouten. Hierin können bauliche Mängel, Sicherheitsmängel, Netzlücken oder sonstige Defizite festgehalten werden. Die Fragebögen sind auch im Internet unter www.wuerm-radl-tal.de abrufbar und liegen auch in den Büchereien aus. Zusätzlich wird diesen Herbst eine Bürgerveranstaltung über den gesamten Themenkomplex stattfinden. Um die lokalen Mängel näher unter die Lupe zu nehmen, ist ergänzend für den Sommer eine Beradelung mit den Bürgermeistern und interessierten Gemeinderäten geplant. Kleine Mängel wie zugewachsenen Schilder oder zu groß gewachsene Büsche können schnell beseitigt werden, das sei nicht das Problem. Viel schwieriger ist es dagegen Änderungen an Radwegen an Staatsstraßen vorzunehmen. „Hier können wir alleine nichts ändern“, bedauerte die Neurieder Bürgermeisterin Ilse Weiß. Darüber befindet die Straßenbaubehörde. Wenn es nach Fahnberg geht, soll sich der Radfahrer beispielsweise in 30er Zonen nicht als kleines Mäuschen an den Seitenrand ducken. „Der Radfahrer muss sich bewusst machen, ein gleichberechtigter Fahrer zu sein. Wir sollten mit mehr Mut Radverkehr im Mischverkehr zulassen“, meinte der Gräfelfinger Rathauschef Christoph Göbel. „An dieser Stelle muss auch der Radfahrer seine Präsenz zeigen.“ Der Erfolg des Projektes seit von der Bewusstseinsbildung der Bürger abhängig, sagt Christine Borst. Nur mit monetären Maßnahmen, lasse sich der Radverkehrsanteil nicht erheblich erhöhen. Kraillings Bürgermeisterin begrüßte vor allem das geplante gemeinsame Erradeln und die Einbindung der Bevölkerung. Manchmal reiche es aus, einfach Schilder umzusetzen. „Man wird a bisserl betriebsblind in der eigenen Gemeinde“, bemerkte Borst. Sie beklagt auch die vielen schmalen Straßen im Würmtal, die keine Radwege zulassen insbesondere in Krailling. „Mit 900 Kraftfahrzeugen auf 1.000 Einwohner sind wir bisher alles andere als ein Radltal“, so Göbel. Mit dem Projekt soll nun ein starkes Signal pro Radfahren gesetzt werden, auch wenn revolutionäre Verhaltensweisen nicht zu erwarten sind. Auf Basis der Mängelliste, der Vorschläge des Allgemeinden Deutschen Fahrradclub und der Unfallsteckkarte der Polizei erfolgt eine Bewertung der Radverkehrsinfrastruktur. Danach wird ein entsprechender Maßnahmenkatalog erarbeitet. Neben baulichen Anordnungen soll dieser auch solche Maßnahmen enthalten, die die Bereitschaft Rad zu fahren fördern. Mit einer ersten Umsetzung der Maßnahmen ist bis Ende Dezember 2010. „Als Gutachterergebnis ist der Katalog aber nicht zu verstehen“, so Fahnberg. Für Detsch ist er auf jeden Fall ein „schönes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit“.

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