Starnberg: Allerletzte Chance für notorischen Ohne-Führerschein-Fahrer

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Starnberg – Es war wohl die sprichwörtliche „allerletzte Chance“, die Amtsrichterin Christine Conrad einem 54-jährigen Starnberger mit der nun ausgesprochenen Bewährungsstrafe gab: Dem fünffach einschlägig vorbelasteten Messebauer lagen erneut fünf Fahrten ohne Fahr-Erlaubnis zur Last, davon eine unter Alkoholeinfluss, sowie eine Unfallflucht vom Juni 2014 in der Kaiser-Wilhelm-Straße.

Damals hatte der Angeklagte mit der Anhängerkupplung eines Bierlasters beim rückwärts Rangieren einen geparkten BMW touchiert (Fremdsachschaden 1.800 Euro), sich kurz danach aber entfernt, ohne die Feststellung seiner Personalien zu ermöglichen. Nur einer Anwohnerin, die alles mitbekommen hatte, war es zu verdanken, dass der Unfallverursacher schließlich ausfindig gemacht werden konnte – weil dieser vorübergehend keinen festen Wohnsitz gehabt hatte, kam es erst jetzt zur Anklage. Während die polizeilich festgestellten Fahrten ohne Fahr-Erlaubnis von dem Starnberger eingeräumt wurden, bestritt er die Unfallflucht: Er habe damals nichts bemerkt, so der 54-Jährige. Dass er (wie von der Zeugin beobachtet) aus-gestiegen sei und sich die Lage dicht vor dem BMW angesehen hatte, erklärte er damit, dass er habe prüfen wollen, ob die Flügeltüren am Heck des Lkw sich noch würden öffnen lassen. Die Anwohnerin sagte aus, der Messebauer sei danach wieder eingestiegen, habe sein Fahrzeug ein wenig nach vorne gesetzt und dann den Ort des Geschehens verlassen: „Dann ist er mit einer jungen Frau und einem Wäschekorb wiedergekommen, aber die sind vorne eingestiegen – die Hecktür haben sie nicht gebraucht“, so die 71-Jährige. In Anbetracht der zu erwartenden Verurteilung wegen der fünf illegalen Fahrten in den Jahren 2014 und 2015 beschränkte die Staatsanwalt-schaft ihre Anklage letztlich hierauf: Der Messebauer erklärte sein notorisches Verhalten damit, dass er nach einer Insolvenz samt Zwangsversteigerung des eigenen Hauses und Pfändungen für seinen Lebensunterhalt habe Auto fahren müssen: „Bei einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) nach dem Führerscheinverlust hat man mir bescheinigt, ich sei suchtgefährdet - nur weil ich rauche“, so der gebürtige Münchner. Er habe sich darauf verlassen, seinen tschechischen Schein zurück zu bekommen, „aber das war ein Fehlschluss“. Inzwischen wolle er zumindest in Deutschland „nie wieder“ eine Fahr-Erlaubnis beantragen, er bewege sich nur noch mit dem Fahrrad oder zu Fuß: „Ich habe meine Situation akzeptiert.“ Die Staatsanwältin war dennoch fassungslos über das fortgesetzte Fehlverhalten des Mannes: „Ohne Grund und Verstand“ habe dieser sich immer wieder ans Steuer gesetzt, wegen des fehlenden Führerscheins auch noch unversichert. Ihrer Forderung nach 16 Monaten Vollzugsstrafe folgte das Gericht wohl nur wegen der „stabilisierten Situation“ des zu Verurteilenden nicht: Die 16 Monate wurden für eine Bewährungszeit von fünf Jahren ausgesetzt; als Auflagen muss der Messebauer in zehn Raten insgesamt 2.000 Euro an den Verein „Pro Wildlife“ entrichten und 120 Sozialstunden ableisten (monatlich mindestens 30). Das einmonatige Fahr-Verbot (für Fahrzeuge aller Art) war für den ohnehin Führerscheinlosen eher eine Formalität. mps

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