Neubau statt Sanierung

Starnberg: Bayerischer Hof und Griechische Taverna müssen wegen erheblicher Gebäudemängel Betrieb mit sofortiger Wirkung einstellen

Bayerischer Hof Starnberg Fassade
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Die Fassade des Bayerischen Hofes in Starnberg zeigt deutlich die gravierenden Mängel.

Starnberg - Die Stadt hat die sofortige Sperrung des denkmalgeschützten „Bayerischen Hofs“ veranlasst: Bei einer Ortsbegehung Anfang Dezember wurde durch einen Fachmann festgestellt, dass Statik und Dachstuhl einsturzgefährdet sind. Nach nicht öffentlicher Beratung dieses Ergebnisses durch den Stadtrat am 14.12. sowie nach Gesprächen mit den Pächtern des im „Bayerischen Hof“ beheimateten „Café Prinzregent“ und der griechischen „Taverna“ am Montag, 21.12., erfolgte am Dienstag „mit sofortiger Wirkung“ die Sperrung des Gebäudes, jeglicher Betrieb muss eingestellt werden, weil laut offizieller Mitteilung vom Montag aus dem Rathaus „die Gefährdungslage für Leib und Leben erheblich ist“.

Für die Betreiber der „Taverna“, schon seit 1997 eines der beliebtesten Lokale der Stadt, sowie die Pächter des „Bayerischen Hofs“ mit dem stets gut frequentierten „Café Prinzregent“ bedeutet das Aus über den pandemiebedingten zweiten Lockdown hinaus nun einen weiteren existentiell gravierenden Einschnitt: Vor allem viele Stammgäste des „Griechen“, wie er in Starnberg genannt wurde, hatten zuletzt mit dem Bestellen und Abholen von Speisen ihre Solidarität mit dem vertrauten Lokal bekundet; als Anfang der Woche die komplette Betriebsschließung angeordnet wurde, fanden sich viele noch einmal mit Briefen und kleinen Geschenken für die Lakopoulos-Familie vor dem Lokal ein. In den am Montag geführten Gesprächen hatten sich Stadt und Kreisbehörde von den Pächtern zusichern lassen, dass diese bis auf Weiteres auf jeglichen Betrieb von Hotel, Café und Restaurant verzichten – auf diese Weise habe ein offizielles Nutzungsverbot durch das Landratsamt vermieden werden können. Bürger-meister Patrick Janik berichtet davon, dass es bereits vor zwei Monaten ein Gespräch mit den Pächtern gegeben habe, in dem es um den Zustand des schon länger als marode betrachteten Gebäudes gegangen sei.

Dass Verträge immer jeweils nur um ein Jahr verlängert worden waren, sei bereits dem schlechten Zustand des „Bayerischen Hof“ geschuldet gewesen – von allzu „kurzfristiger“ Information der Pächter über die jetzt angeordnete Gebäudesperrung könne also nicht die Rede sein, man habe jederzeit mit dem Aus rechnen müssen.

Der 1865 erbaute „Gasthof zum Bayerischen Hof“ hatte sich für Hotelgäste, Café- und „Taverna“-Besucher, Vereine, Parteien und Touristen bis heute zu einem der beliebtesten und zuverlässigsten Treffpunkte entwickelt. Doch der „Zahn der Zeit“ bzw. Holzwurm und Feuchtigkeit hatten unübersehbar am äußeren wie inneren Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Baus genagt: Trotz bestimmter provisorischer Maßnahmen wie Stützbalken im Obergeschoss war die Tragfähigkeit des Dachstuhls in gefährlicher Weise eingeschränkt – spätestens bei größeren Schneemassen bestand Einsturzgefahr. Fehlende Brandschutztüren und der fehlende Nachweis von Flucht-wegen, uralte Elektrik- und Wasserleitungen hatten für den laufenden Betrieb nicht mehr als einen Duldungszustand bewirkt. Auch zentimeterweise abrutschende Stützbalken über dem „Café Prinzregent“ hatten den Handlungsbedarf schon länger erkennen lassen.

Schon seit 2011 war dem Hotel die Nutzung von zweitem Obergeschoss und Dachgeschoss untersagt worden – schon damals war der Sanierungsbedarf auf 2,7 Mio. Euro geschätzt worden – und somit seitens der Stadt Starnberg, die damals finanziell noch weitaus besser dastand als heute, offenbar nicht zu stemmen. Gleichwohl zeigten sich Statiker, Bauverwaltung und Stadträte jetzt vom vorangeschrittenen Ausmaß des Gebäudeverfalls überrascht, auch wenn sich der „akute Handlungsbedarf“ (Janik) zunächst auf die Sperrung begrenzen muss: Die Stadtverwaltung werde sich laut 1.Bürgermeister „mit großem Nachdruck“ kurzfristig Gedanken machen, wie es weitergehen soll, der Stadtrat darüber so bald wie möglich beraten. Janik zieht aus dem seit Anfang Dezember vorliegenden Statik-Befund den Schluss: Ein Abriss des historischen Gebäudes ist wahrscheinlicher als dessen Sanierung. Die Stadt hat aktuell nämlich noch weniger Geld zur Verfügung als 2012.

Thomas Lochte

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