Starnberg: Freispruch in Körperverletzungsverfahren nach zweifelhaften Zeugenaussagen

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Starnberg - „Drei Mal hatte ich einen Termin ausgemacht, und jedesmal gabs Zirkus!“ Mit diesen Worten versuchte ein 49-jähriger Kraftfahrer aus Starnberg der Amtsrichterin Brigitte Braun zu erklären, warum er überhaupt wegen Körperverletzung angeklagt war.

Im Mai 2016 war der nicht vorbestrafte Mann zu einer Besprechung mit einem befreundeten Architekten in ein Haus nach Percha gefahren, dort aber zum offenbar wiederholten Male in gerade lautstark ausgetragene Erbstreitigkeiten zwischen den Besitzern geraten, zwei Brüdern. Als es deshalb auch zu einem Wortwechsel zwischen dem Kraftfahrer und den streitenden Parteien kam, war die Lage eskaliert: „Der hat mir ins Gesicht gelangt und meine Brille weggenommen“, berichtete der Starnberger über den Auslöser der folgenden Tätlichkeiten. Laut Anklage hatte der nunmehr angeblich „Blinde“ einen der Brüder gepackt und mit Hilfe seines Körpergewichts auf ein in dem Raum stehendes Motorrad gedrückt, danach habe er auf den Brillen-Abnehmer eingeschlagen und mit Fuß und Knie auf den quasi Liegenden eingetreten. Als der Bruder des Angegriffenen den Kraftfahrer von hinten wegzuziehen probierte, soll dieser ihn mit rückwärtig auskeilendem Ellbogen ebenfalls verletzt haben. Während der Beschuldigte dies alles abstritt und mit einiger Aufgeregtheit davon sprach, dass er selber „gewürgt“ worden sei, waren die Aussagen der anderen Hauptbeteiligten eher belastend für den 49-Jährigen: „Der hat gepöbelt und irgendwann Contra bekommen, dann ist er auf meine Schwester los und ich bin dazwischen gegangen“, schilderte einer der Brüder, ein 33-jähriger Elektromechaniker aus München, die Situation. Weil unter anderem auch der andere Bruder sich als Zeuge nahezu wortgleich des turbulenten Geschehens erinnerte, gewann Richterin Braun im Zuge der mehrstündigen Beweisaufnahme jedoch zunehmend den Eindruck abgestimmter Aussagen: Der angeblich aufs Motorrad gedrückte Münchner hatte seine Verletzungen auch nicht ausreichend dokumentieren, sondern sich nach dem damaligen Vorfall von der Schwester zur S-Bahn fahren lassen: „Ich stand unter Schock und wollte einfach nur heim“, erklärte der 33-Jährige sein Handeln. Das Gericht sah sich nach den teils wenig erhellenden Zeugenaussagen (inklusive der Suada des Beschuldigten) letztlich nicht in der Lage, den Angeklagten schuldig zu sprechen - es erfolgte ein Freispruch „im Zweifel“. mps

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