Starnberg: Jugendstrafe unter Vorbehalt für unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln

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Starnberg – Staatsanwalt, Jugendgerichtshilfe und Verteidiger waren sich einig, dass der junge Mann zumindest vor Gericht eine gute Figur abgegeben hatte – doch einig war man sich auch dahingehend, dass „nicht unerhebliches Tun“ des 19-jährigen Starnbergs strafrechtlich zu ahnden war.

Dem einschlägig vorbelasteten Schüler wurde vorgeworfen, 2016 in sechs Fällen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln und in zwei weiteren Beihilfe zum Handeltreiben geleistet zu haben. Im Prozess am Jugendschöffengericht Starnberg unter Vorsitz von Richter Ralf Jehle zeigte sich der Angeklagte vollkommen offen und einsichtig: Mit den ihm vorgehaltenen, laut Gesetz nicht geringen Mengen an Marihuana und Haschisch habe er gehandelt,um seinen damals beträchtlichen Eigenbedarf zu finanzieren, so der 19-Jährige. „Ich habe zu der Zeit etwa zehn Joints am Tag konsumiert.“ Nicht damit Handel getrieben, sondern lediglich „vermittelt“ habe er hingegen die in der Anklage genannten Ecstasy-Tabletten – sie waren zusammen mit den Rauchdrogen Ende Juni 2016 im Zuge einer polizeilichen Wohnungsdurchsuchung in Starnberg sichergestellt und vom Landeskriminalamt auf Zusammensetzung bzw. Wirkungsgrad untersucht worden. Aufgeflogen war der Starnberger offenbar durch Auswertung von Chat-Protokollen: Darin war von „orangenen Eulen“ die Rede, Bezeichnung für eine bestimmte Sorte von Amphetaminen. Richter Jehle hielt dem Angeklagten in diesem Zusammenhang den womöglich als Antwort auf eine „Kunden-Anfrage“ gechatteten Satz vor: „Hab nur noch drei da, sind so schnell ausgegangen.“ Jehle: "Klingt nicht so, als ob Sie nur vermitteln wollten.“ Der Beschuldigte trug hierzu vor, er habe nur für einen unbekannten Dritten, der beim Chat „daneben gesessen“ sei, den Dialog geführt: „Der wollte nicht direkt verhandeln, sondern sich persönlich treffen.“ Der Verhandlungsgegenstand in Tablettenform, unter anderem auch „Pink Red Bull“ und „gelbe Warners“, sei halt in dem Moment „bei mir aufm Tisch gelegen“, so der Starnberger, der den Namen des „Dritten“ nicht nennen wollte. Inzwischen habe er unter dem Endruck der Wohnungsdurchsuchung von sich mit der Kifferei aufgehört, auch wenn er sich vom früheren Freundeskreis nicht völlig getrennt habe, versicherte der Schüler, der sich auch selbstständig in ärztliche und psychotherapeutische Obhut begeben hatte. Das Jugendschöffengericht kam nach längerer Beratung zu einem salomonischen Urteil, welches der Paragraf 27 Jugendstrafgesetz ermöglicht: Jugendstrafe in vorerst unbekannter Höhe, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – Auflagen: ein Jahr lang in zweimonatigen Abständen Drogen-Screenings, dazu 80 Stunden sozialer Dienste, die von der „Brücke Starnberg e.V.“ eingeteilt werden und auch in Form von Drogenberatungsgesprächen ableistbar sind. Sollte sich der unter Vorbehalt Verurteilte in der Bewährungszeit etwas zu Schulden kommen lassen, würde laut Richter Jehle ein „Nachverfahren“ fällig: „Zum Zeitpunkt Ihrer Taten waren schädliche Neigungen vorhanden, die nicht mit pubertärem Verhalten erklärt werden können, durchaus kriminelle Energie - wir konnten aber nicht feststellen, wie es jetzt damit steht“, erläuterte Jehle den Strafvorbehalt, der deutlich davon getragen war, dem jungen Mann nicht mit einer möglichen Haftstrafe die Zukunft zu verbauen. mps

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