Gedenkveranstaltung

Zeichen gegen Fremdenhass

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Starnberg – Etwa 150 Menschen haben am Montagabend auf dem Starnberger Kirchplatz an einer Gedenkveranstaltung zum geschichtsträchtigen 9. November teilgenommen und damit ein Zeichen gegen den aufkommenden Fremdenhass und Rassismus gesetzt.

„Mit ihrer Anwesenheit zeigen sie, wie schon bei der Vorläufer-Veranstaltung am 26. Januar, dass in ihnen der Geist einer weltoffenen Haltung lebt“, sagte Bürgermeisterin Eva John in ihrer Ansprache. Landrat Karl Roth nahm dazu Stellung, dass gerade in diesem Jahr eine solche Gedenkveranstaltung zum Hitler-Putsch (9.11.23), zur Reichsprogromnacht (9.11.38) und zum Mauer-Fall (9.11.89) angebracht erscheint: „Wir dürfen diesen Tag nicht Menschen überlassen, die die dunklen Kapitel unserer Geschichte in Frage stellen.“ Roth war zuvor von der Grünen-Stadt- und Kreisrätin Martina Neubauer für sein Engagement zur Aufnahme von Flüchtlingen im Landkreis gedankt worden: „Sie leisten einen großen Beitrag dazu, dass Rassismus hier keinen Nährboden erhält.“ Der Landrat dankte seinerseits den zahllosen ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern im Raum Starnberg für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Betreuung der ankommenden Flüchtlinge und nannte aktuelle Zahlen: Bis Ende des Jahres werde mit 2.129 Flüchtlingen im Landkreis gerechnet, Stand 3. November habe es heuer bislang 1.323 Anträge von Menschen aus 27 Nationen auf Asyl gegeben (2014: sieben).

Derzeit habe der Landkreis 80 dezentrale Unterkünfte bereit gestellt, hinzu kämen drei Zelt-Anlagen und demnächst ein Tragluftzelt in Gilching. Die Zuweisung von momentan 46 Flüchtlingen pro Woche an den Kreis werde sich Anfang Dezember weiter erhöhen. In Anbetracht einer solchen Herausforderung mahnte Roth eindringlich, „Toleranz und Menschlichkeit als Grundpfeiler unserer Demokratie“ nicht in Frage stellen zu lassen: 600 gegen Flüchtlinge gerichtete Straftaten allein bis Oktober, davon 543 „rechtsmotivierte“, vor allem diese Zahl gab Roth „Anlass zu großer Sorge“.

Die Schauspielerin Christine Adler las anschließend Texte, die an die verschiedenen 9. November der deutschen Historie erinnerten, angefangen mit der Republik-Ausrufung 1918. Die ehemalige Bundesjustizministerin und derzeitige Kreisrätin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dankte den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung für ihr Kommen mit den Worten: „Wir stehen hier, weil wir für die Werte einer offenen, freuen Gesellschaft eintreten wollen.“ Es gebe aber genau dort Grenzen der freien Meinungsäußerung, so Schnarrenberger in Richtung „Pegida“, „wo zu Hass und Gewalt aufgerufen wird.“ Kerstin Täubner-Benicke (Grüne), Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Christ(inn)en, und Rainer Hange (Verein gegen Vergessen – für Demokratie) hatten die Veranstaltung auf dem Kirchplatz organisiert – für „offene Türen, offene Ohren, offene Herzen“, so Täubner-Benicke. mps

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