Problemfall

Starnberg: Weiterhin Klärungsbedarf bei den Kosten einer Musikschulsanierung

Renovierung Bauarbeiter Handschuhe
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Die dringende Sanierung der Starnberger Musikschule sorgt im Stadtrat für Diskussionen. (Symbolbild).

Hinsichtlich der Sanierungskosten für die städtische Musikschule besteht weiterhin Klärungsbedarf. Während am vergangenen Donnerstag eine laut Bürgermeister Patrick Janik „aktuelle Entwicklung“ nur im nicht-öffentlichen Teil der Bauausschuss-Sitzung beraten wurde (offenbar bestehen beste Chancen auf bis zu 900.000 Euro an Fördermitteln), kam man in der öffentlichen Debatte überein, bei einer möglichen Generalsanierung des 120 Jahre alten Gebäudes auch jene Gemeinden finanziell mit ins Boot holen zu wollen, die gemäß ihrer Gastschülerzahl nennenswert von der Starnberger Einrichtung profitieren – genannt wurden zunächst Berg und Pöcking.

Stadtbaumeister Stefan Weinl skizzierte den Bauauschuss-Mitgliedern noch einmal die Optionen rund um die zur Diskussion stehende Sanierung und Erhaltung des alten Musikschulbaus, aber auch die Kosten im Falle eines Neubaus an anderer Stelle. Demnach würde eine auf 5,2 Mio. Euro taxierte Großsanierung (bislang ins Auge gefasst: 2022 – 2023) das Raumangebot von rund 1.700 auf rund 2.300 Quadratmeter vergrößern und dabei die unabdingbaren Themen Gebäudestatik und Brandschutz lösen. Weinl ließ im Zuge dessen erkennen, dass er einen Gebäudeerhalt für durchaus machbar hielte: „Es ist eine Bausubstanz, in die es sich lohnt zu investieren.“ Sogar das Kreisbauamt sei nach einer Ortsbegehung im Sommer positiv überrascht gewesen, in welch gutem Zustand das „historisch prägende Gebäude“ sich auch nach 120 Jahren noch befindet. In enger Abstimmung mit der Kreisbehörde waren während der Sommerferien zunächst die dringendsten Sanierungsschritte geleistet worden, die einen Weiterbetrieb der städtischen Musikschule im Herbst überhaupt erst ermöglichten. Was jedoch den „großen Wurf“ einer Generalinstandsetzung und die damit verbundenen Kosten betrifft, gingen die Meinungen im Bauausschuss weit auseinander: „Ich sehe dieses Gebäude weiterhin als Millionengrab“, konstatierte Marc Fiedler (FDP) unmissverständlich. Franz Sengl (Grüne), dem der vom Architekturbüro Sunder-Plassmann vorgelegte Sanierungsentwurf eigentlich gefiel, fragte gleichwohl: „Gibt es denn eine realistische Chance, dass wir diese Kosten auch abbilden können?“ Zur denkbaren Alternative, das Gebäude zu veräußern, um die Stadt von nicht zu stemmenden Lasten zu befreien, meinte Sengl: „Starnberg hat nicht zu wenig, sondern zu viel Liegenschaften.“

In Starnberg stehen ohnehin bis auf Weiteres alle nennenswerten Kostenentscheidungen unter „Haushaltsvorbehalt“: Stadtbaumeister Weinl hatte zuvor auch den Aufwand für eine sogenannte „Zwischennutzung“ umrissen: Müsste die Musikschule etwa während einer Generalsanierung des angestammten Gebäudes oder bis zur Errichtung eines Neubaus (auf einem erst noch zu findenden Grundstück an anderer Stelle) ihre Schüler in Containern unterrichten, wären hierfür 400.000 Euro für die Anschaffung der Container fällig; eine Container-Miete (zu je 28 Euro/qm) würde sich beispielsweise binnen sechs Jahren (der für die Suche eines Alternativstandortes veranschlagte Zeitraum) inklusive Nebenkosten für Strom und Wasseranschluss auf 1,24 Mio. Euro summieren. Auch beim Umfang der Sanierungsmaßnahmen gäbe es zu bedenken, dass man ohne Ausbau des derzeit undichten Dachstuhls samt neuem Tonnengewölbe im 2.Obergeschoss (schüfe einen weiteren Konzertsaal) zwar nur auf 4,45 Mio. Euro Gesamtkosten käme, dies aber dann ohne den städtebaulichen Förderzuschuss stemmen müsste. Gegenwärtig fehlt der Nachweis eines vorgeschriebenen zweiten Fluchtwegs in diesem 2.OG., welcher wohl nur durch „Ertüchtigung des Haupttreppenhauses“ (Weinl) zu machen wäre. Während der Stadtbaumeister von „sehr sensiblen Eingriffen bei größtmöglichem Erhalt der vorhandenen Bausubstanz“ sprach, schloss Bürgermeister Janik auch die Suche nach einem neuen Standort für die Musikschule weiterhin nicht aus: Würden Räume für andere Nutzer wie z.B. die VHS frei, müsste man ja auch Mieteinnahmen gegenrechnen, so Janik. Ein solcher Neubau wird gegenwärtig (inklusive wohl fälligem Grunderwerb) auf acht Mio. Euro geschätzt – Weinl: „Was die Baukosten angeht, ein Blick in die Glaskugel“

Derzeit erscheint auch ein Neubau mit Blick auf die Starnberger Kassenlage ebenso wenig darstellbar wie die Großsanierung. Otto Gassner (UWG) machte deshalb den einstimmig befürworteten Vorschlag, wegen der Investitionskosten auch das Gespräch mit anderen Gemeinden zu suchen, die Gastschüler in die Musikschule Starnberg schicken. Die Lehrerschaft der Schule zeigte auch bei der Sitzung am Donnerstag wieder Präsenz – es geht auch um ihre Zukunft, nicht nur um die des Gebäudes.

Thomas Lochte

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