Starnberg: Wenn die Schwester beim Bruder im Handy-Laden vorbeischaut...

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Starnberg – Zufälle gibt’s: Just als der 34-jähriger Mitarbeiter eines Starnberger Mobilfunk-Geschäfts im August 2014 am Computer mit der Aktualisierung eines Kundenvertrages befasst war, betrat seine Schwester das Geschäft, um sich ein neues Handy zuzulegen. Der zuvorkommende Bruder unterbrach die Pflege seiner Kundendaten, bediente die Verwandte - und kopierte anschließend versehentlich die Konto-Daten des Alt-Kunden in den neuen Handy-Vertrag der Schwester.

Dieser Irrtum hatte wiederum zur Folge, dass das Konto des Alt-Kunden fünf Monate lang mit den Kosten der Frau belastet wurde, ehe der etwas bemerkte – den zwischenzeitlich aufgelaufenen Schaden von 300 Euro beglich der Mitarbeiter des Handy-Ladens zwar umgehend, doch der Staatsanwaltschaft reichte die etwas merkwürdige Geschichte für eine Anklage wegen „Computerbetruges“ - der aus Wolfratshausen kommende Beschuldigte hatte nämlich eine Voreintragung wegen Urkundenfälschung. In der Verhandlung am Starnberger Amtsgericht suchte der Verteidiger des Mannes nun darzulegen, wie es zu der verhängnisvollen Fehleingabe der Kunden Daten gekommen war: „Das ist über die Maßen kompliziert, ich habe erst nach zwei Telefonaten mit meinem Mandanten kapiert, worum es ging“, so der Anwalt einleitend. Angeblich war der Fehler aus einem gewissen Arbeitsstress heraus passiert – der Telekommunikationsverkäufer habe am PC gerade die Maske mit den Kundendaten geöffnet gehabt, als der neue Kundenvertrag der Schwester eingepflegt werden sollte. Aus dem Zwischenspeicher mit den Konto-Daten des Bestandskunden habe er dann versehentlich - „Copy & Paste“ - dessen Bankverbindung in den Neu-Vertrag der Schwester übernommen. Der als Zeuge geladene Weisungsbefugte des Verkäufers bestätigte, dass „so etwas“ in der Hektik durchaus mal passieren könne. Der Angeklagte sei ein unbedingt zuverlässiger Mitarbeiter, betonte der Vorgesetzte. Auch die 2013 abgeurteilte Sache mit den „Urkundenfälschungen“ sei zu relativieren, sagte der Anwalt des Wolfratshausers: Damals habe es in einem Arbeitsverhältnis seines Mandanten Warenbestandsdifferenzen gegeben, die auf fehlende Verkaufsquittungen zurückzuführen waren – der Verkäufer hatte diese teils mit eigenhändiger Unterschrift nachgeliefert, nur deshalb die damalige Verurteilung - gefehlt hatte nichts. Auch im aktuellen Fall hätte es für den Angeklagten kaum Sinn ergeben, einen Handy-Vertrag zu fälschen, befand Richterin Christine Conrad: „Sie hätten ja unbedingt damit rechnen müssen, dass das irgendwann aufkommt, und bloß ihren Job riskiert.“ Der Beschuldigte sagte, dass der Schaden gar nicht so hoch ausgefallen wäre, wenn der andere Kunde ihn gleich bemerkt hätte: Ein Interesse an weiterer Strafverfolgung hatte dieser nach Begleichen des Schadens verneint. Der Staatsanwalt sah trotz anfänglicher Skepsis keinen zweifelsfreien Tat-Nachweis gegeben, „auch wenn es schon äußerst seltsam ist, dass ausgerechnet die Schwester von dem Fehler profitierte“. Das Gericht entsprach seinem Antrag, den Wolfratshauser frei zu sprechen. mps

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