Starnberg: Ziviles Observierungsfahrzeug der Polizei am Überholen gehindert  

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Starnberg - „Um meine Gemütslage zu erklären: Das war wie ein Matchbox-Autorennen für mich - erst überholt mich so ein Kolonnenspringer, und dann ist gleich wieder so einer hinter mir!“

Der 57-jährige Pöckinger, der sich dieser Tage am Starnberger Amtsgericht wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten musste, hatte an einem Dezember-Abend 2016 endgültig genug von solchen „Verkehrsrowdys“: Als das erwähnte zweite Fahrzeug auf der B2 kurz vor Starnberg trotz gesperrter Flächen und Verbots ebenfalls zum Überholen ansetzte, scherte der Genervte ebenfalls ruckartig nach links aus und zwang den anderen Wagen so zu einer Vollbremsung – dummerweise handelte es sich bei dem Ausgebremsten um ein Zivilfahrzeug der Polizei auf Observationsfahrt. Der Pöckinger hatte davon freilich keine Ahnung: Bei nächster sich bietender Gelegenheit - es hatte sich nach Starnberg hinein gestaut – stieg er sogar noch aus seinem Kastenwagen aus, ging zu dem Zivilfahrzeug (ein Skoda) und verlangte den Namen des Fahrers. „Ich konnte meinen Dienstausweis gar nicht so schnell aus meiner Jacke vom Rücksitz ziehen, da ist der Mann schon wieder in sein Auto gestiegen“, berichtete eine als Zeugin gehörte Polizeibeamtin der Direktion Oberbayern-Nord aus Ingolstadt, damals Beifahrerin der ohne Blaulicht und Martinshorn stattfindenden Observationsfahrt. Ihr 38-jähriger Kollege am Steuer des Skoda hatte an der nächsten roten Ampel noch einen weiteren Versuch unternommen, sich dienstlich auszuweisen, doch der Pöckinger hatte ihm das mit der Observation nicht geglaubt: „Er meinte, wir müssten dann ja mit Sonderzeichen fahren“, so die beiden Beamten. „Das wäre ja wohl kontraproduktiv gewesen“, stellte Richterin Christine Conrad schmunzelnd fest. Die durch das laut Zeugen „ruckartige“ Ausscheren gegebene Straßenverkehrsgefährdung wurde von der Staatsanwältin gerade noch als „fahrlässig“ eingestuft, „sonst säßen wir hier wegen eines Verbrechenstatbestands beim Schöffengericht!“ Die Verteidigung verwies darauf, dass letztlich ja niemand zu Schaden gekommen sei: Das Zivil-Wagen der Polizei hatte seinen Überholversuch damals abgebrochen und war wieder hinter dem Kastenwagen eingeschert - das observierte „Zielfahrzeug“ freilich war für den „Skoda“ über alle Berge, doch es soll noch andere Beobachtungsfahrzeuge gegeben haben, deutete der Beamte an. Der Pöckinger erklärte sein Handeln als „Reaktion im Affekt“ und entschuldigte sich bei den beiden Polizisten: Er habe einst „genau auf dieser Straße“ seine frühere Lebensgefährtin durch einen tödlichen Verkehrsunfall verloren, so der 57-Jährige. Nachdem der Einspruch gegen den ursprünglichen Strafbefehl auf die Höhe des Strafmaßes beschränkt wurde, lautete das Urteil 50 Tagessätze zu je 30 Euro nebst drei Monaten „Verbot des Führens von Fahrzeugen aller Art“. Richterin Conrad sprach mahnende Worte zum Thema eigenmächtiger Maßregelung im Straßenverkehr: „Auch wenn Sie sich über so einen Raser ärgern - Sie sind derjenige, der die Gefahr noch vergrößert, indem er ad hoc selber eingreift.“ mps

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