Großer Ärger über neue Maßnahmen

Starnberger Grundschullehrer planen Aktionstag mit Bayerischem Lehrer- und Lehrerinnenverband

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v. r. Die Kreisvorsitzende Katharina Baur, Nicole Bannert, Anette Lehmeier, Anna Candioli, Hans-Peter Etter, Sabine Neubauer, Michele Heinelt, Petra Fromm-Preischl und Barbara Sager.

Starnberg – „Es geht auf dem Rücken der Kinder aus!“ Empört über die derzeitige Krisensituation und erschwerten Bedingungen versammelten sich neun Mitglieder des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) vom Kreisverbands Starnberg zu einem Pressegespräch. Die Forderungen sind klar formuliert: Bessere Arbeitsbedingungen, Aufwertung der Fach- und Förderkräfte und eine bessere Bezahlung.

Zum Landesweiten Aktionstags des BLLV zum Thema Lehrermangel ließ sich auch der Kreisverband Starnberg einige Aktionen einfallen. So wurden zum Beispiel Postkarten an Lehrer vergeben, die ihre Ängste und Nöte dort notieren konnten. Zusammen mit selbst gemachten Fotos mit Forderungen wie „Lasst uns nicht im Regen stehen“ gehen die Postkarten in den nächsten Tagen an den Kultusminister Michael Piazolo. Auf den Karten fallen Sätze wie „Ich fühle mich von Ihnen allein gelassen“ oder „Wir wünschen uns mehr Wertschätzung“.

Nicht tragbare Mission

Doch was genau ist der Hintergrund und wie schwerwiegend ist die Situation wirklich? Da für kommendes Schuljahr voraussichtlich 1.400 Lehrkräfte an Grund-, Mittel- und Förderschulen fehlen werden, hat das Kultusministerium verschiedene Maßnahmen ergriffen, die 2020/2021 in Kraft treten sollen, um den Lehrermangel auszugleichen. So müssen Teilzeitkräfte an den Schulen nun statt 14 gleich 24 Wochenstunden leisten. Außerdem tritt ein Arbeitszeitkonto für Grundschullehrer in Kraft. Sie müssen also in der sogenannten „Ansparphase“ eine Stunde mehr arbeiten. In der „Rückgabephase“ sollen diese zurückgegeben werden. Ein genauer Plan zu diesem Konzept wird zurzeit entwickelt. Des Weiteren erhöht sich das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre und auch das sogenannte „Sabbatjahr“ (Freistellungsjahr) wird nicht mehr genehmigt. Das Problem sei nicht diese eine Stunde mehr Arbeitszeit, sondern eine „nicht tragbare Mission“, die den Lehrern aufgehalst wird, so Hans-Peter Etter, Kreisvorstandsmitglied und ehemaliger Leiter der BLLV-Rechtsabteilung. Auch die stellvertretende Kreisvorsitzende Nicole Bannert charakterisiert das Problem: „Die Lehrer sind schon an ihrer Belastungsgrenze und die Situation ist so nicht mehr tragbar. Die neuen Maßnahmen bringen das Fass zum Überlaufen“. Auch trotz „unheimlich engagierter“ Lehrer im Landkreis ist manches nicht machbar. „Wir befürchten, dass der Krankenstand steigen könnte und sich die Situation im kommenden Schuljahr noch verschärfen wird“, warnt die BLLV Kreisvorsitzende Katharina Baur. 

Auch das Geschlechterproblem bleibt ein stetiges Thema und der Landkreis ist davon besonders betroffen. In 22 Grundschulen gibt es neben 400 Frauen nur vier männliche Lehrer. „Im Landkreis haben wir die höchsten Frauenquoten und somit auch die höchsten Teilzeitquoten in ganz Bayern“, so Etter. „Das Lehramt für Grundschullehrkräfte muss attraktiver gemacht werden“, fordert Bannert. „Für Schülerinnen und Schüler ist es entwicklungspsychologisch sehr wichtig, auch männliche Bezugspersonen zu haben“, so die stellvertretende Kreisvorsitzende weiter. Stetig neue Aufgaben fordern die Lehrkräfte und machen die geplante Mehrarbeit so gut wie unmöglich: Sei es die Integration von Flüchtlingskindern, die Inklusion oder die Digitalisierung.

Wie kann Situation verbessert werden?

Die Enttäuschung ist deutlich zu spüren: „Die Wertschätzung fehlt. (…) Die Verlässlichkeit und die Fürsorgepflicht werden einfach vernachlässigt“, beschwert sich Bannert. Stellvertretend für die 567 Mitglieder des Kreisverbands spricht Baur: „Unsere Mitglieder sind enttäuscht, verunsichert und demotiviert“. Doch wie kann man die Situation verbessern und was sind Pläne für die Zukunft? Der BLLV fordert unter anderem eine höhere Bezahlung. So sollen die Grund- und Mittelschulkräfte auch auf dem Niveau von A13 bezahlt werden, genau wie Gymnasial- oder Realschullehrer. Das ist im Schnitt rund 500 Euro mehr als A12, was die meisten Grundschullehrer derzeit verdienen.

Hinter dem Lehrerberuf steckt mehr als nur Unterricht halten. Lehrerkonferenzen, Elternsprechtage, Pausenaufsicht oder Lernentwicklungsgespräche. „Es ist schwer nachvollziehbar für Außenstehende. Unsere Lehrer leisten phänomenale Arbeit“, so Etter. „Bisher hat es funktioniert, da sich die Lehrer gegenseitig stützen, aber jede Pyramide bricht irgendwann zusammen“, so Bannert dazu. Der BLLV wünscht sich nicht nur vom Kultusministerium mehr Hilfe und Rücksicht. Auch die Eltern sind gefragt: „Wir müssen die Eltern als Partner gewinnen“, drängt Etter. „Der BLLV hat schon lange gewarnt. Wir wollen das Problem jetzt nicht ausbaden müssen“, sagt Baur. Neben der Bilder- und Postkartenaktion ist für den Sommer eine Großdemonstration in München geplant. 

Weitere Informationen zum Aktionstag und dem BLLV gibt es auf der Internetseite unter www.bllv.de/ oder beim BLLV Kreisverband Starnberg unter www.bllv-starnberg.com/

Von Lisa Livancic

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