"Kunsträume am See"

Kultur mit Seele und Herz

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Kempfenhausen – Vor zehn Jahren gründet Elisabeth Carr damals noch mit ihrer Nachbarin Ariane von Heidecker die „Kunsträume am See“. Im Wohnzimmer der Carrs, in dem „gefühlt 200 Zuschauer“ eine Lesung verfolgen, erinnert sich Ehemann David Carr bei der Jubiläumsveranstaltung im Schloss Kempfenhausen.

Die folgenden Veranstaltungen müssen aus Platzgründen nach außen verlegt werden - und mittlerweile ist Elisabeth Carr und ihre „Kunsträume am See“ eine Institution in Starnberg in Sachen Kunst und Kultur. 100 Orte und mehr als 500 Veranstaltungen führte die sechsfache Mutter, Sozialpädagogin und Psychotherapeutin seither mit 500 Künstlern zusammen. „Sie bringt zusammen, was zusammengehört“, fasst Barbara Beck vom Landratsamt am vergangenen Samstag zusammen. Und der Einfallsreichtum der Veranstalterin beim Erspüren neuer Räume und Künstler ist grenzenlos. Unter ihren Händen wird ein Luftschutzbunker oder ein Wertstoffhof genauso zum Schmuckstück wie der Schlossgarten oder der Rittersaal im Schloss. Kulturarbeit ist auch Sozialarbeit. So bescheiden und selbstverständlich, wie Carr in ihrer Rede die zwei Begriffe zusammenführt, so selbstverständlich und bescheiden leitet sie die Darbietungen. „Kunst ist für Elisabeth nie abgehoben“, beschreibt der langjährige künstlerische Weggefährte Gerd Holzheimer. „Es entstehen soziale Räume, die sich um die Seele sorgen.“ Räume, die die Kunstmanagerin mit Kunst und Kultur füllt. Und mit Seele und viel Herz.

Anlässlich des Geburtstags ist der Rittersaal vollbesetzt. Elisabeth Carr tritt ans Mikrofon. Überwältigt vom Abend, von den vielen Gästen, die alle irgendwie mit ihr zu tun haben, steht sie da und freut sich. So in der ihr eigenen Art, ohne sich besonders wichtig zu nehmen. Überwältigt davon, was aus einem Projekt geworden ist, das sie einst mit ihrer Nachbarin aus einem Bauchgefühl heraus ins Leben rief: anspruchsvolle, unterhaltsame und seelenvolle Programme, die die Säle füllen. Und am Samstag erleben die Besucher einen Querschnitt durch die Vielseitigkeit ihrer Veranstaltungsreihen. Klassisch seelenvoll mit Esther Schöpf an der Violine, Maria Reiter am Akkordeon und Norbert Groh am Klavier. Textlich anspruchsvoll mit Auszügen der Lyriker Norah Zapata und Hwang Chin I, gefühlvoll gelesen von Schauspielerin Laura Maire und tänzerisch anmutig nachgestellt von Rosalie Wanka. Die Neugier und Offenheit kennt keine Grenzen. So bat Carr Pressesprecher Konstantin Fritz ans Klavier, der einen Auszug tiefgehender Eigenkompositionen präsentiert. Zünftig Bayerisches rund um Georg Queri lesen und spielen Alois Brustmann, Peter Klinder, Ferdl Pfaffinger und Winni Wobbe. Oliver Materna ist der Schlossverwalter. Er dachte, er singe nie wieder. „Jetzt darf ich Dank Dir wieder singen.“ Und dabei nimmt er die Zuhörer mit, begeistert. Elisabeth Carr leistet Kulturarbeit. Und sie leistet Sozialarbeit. Man lacht mit ihrem Bruder Peter Weiß, der spontan Karl Valentin liest. Man weint, als Bella Schupp erzählt, wie Elisabeth die Kunsträume ins Leben rief, während sie ihr Kind aus dem Leben begleitete. „Du hast Anteil genommen und Mut bewiesen, indem du dich auch an schwierige Themen trautest.“ Wie die Lesung aus Schupps Buch über den Tod der Tochter „Die Nacht bringt Dir den Tag zurück“. Ohne die Familie hätte sie das nie geschafft, betont Carr. Die Mutter, die immer dabei ist. Die Kinder und der Ehemann, die immer und überall Hand anlegen. „Ich wollte im Persönlichen bleiben“, begründet Carr die Entstehung der Veranstaltungsreihe. Und persönlich reich beschenkt geht man nach Hause und wird noch lange von Gesehenem und Gehörtem zehren. mk

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