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Starnberger Projektausschuss für Feuerwehr-und Rettungsangelegenheiten informiert sich erneut über Brandschutz beim B 2 Tunnel

Ins Leere geht der Blick eines Feuerwehrmannes am Dienstag (20.07.2010) an einem ausgebrannten Hauses in Dietkirchen bei Limburg in Hessen.
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Der Brandschutz im geplanten Starnberger B 2 Tunnel ist ein Thema, das im Starnberger Stadtrat eifrig diskutiert wird (Symbolbild).

Starnberg - Feuerwehrreferent Franz Heidinger (Bürgerliste) hatte die Idee gehabt, im Projektausschuss für Feuerwehr- und Rettungsdienstangelegenheiten auch jene neu ins Gremium gewählten 14 Stadträte beim Thema Brandschutz B2-Tunnel auf den aktuellen Stand zu bringen, die den Informationsabend mit Fachgut- achtern Ende 2019 noch nicht miterlebt hatten. 

Die Fraktion der Grünen sieht die von Heidinger postulierte Dringlichkeit noch nicht gegeben, wie sie in einer am Dienstagabend veröffentlichten Presse-Erklärung kundtun: „So sehr wir dieses Engagement der Starnberger Feuerwehr begrüßen, so wenig verstehen wird, warum diese Vorträge nicht digital zur Verfügung gestellt wurden, sondern in einer öffentlichen Sitzung mit 30 Zuhörern gehalten wurden“, kritisiert der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Franz Sengl. In der Erklärung heißt es weiter: „Gerade von professionellen Sicherheitsexperten erwarten wir eine Abwägung zwischen der Notwendigkeit einer angesichts des Zeithorizontes – der Tunnel wird frühestens in sechs Jahren fertig, die Pandemie ist jetzt – problemlos verschiebbaren Informationsveranstaltung und der akuten Sicherheitsgefährdung bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen in Zeiten der Pandemie.“

Der Beschluss, den Projektausschuss am Mittwoch tagen zu lassen, war im Dezember von einer Stadtratsmehrheit getroffen worden, wobei die Grünen dagegen gestimmt hatten. An der Sitzung am Dienstagabend nahmen die grünen Ausschussmitglieder Annette Kienzle und Friedrich Federsel gleichwohl teil, auch Stadträtin Kerstin Täubner-Benicke ließ sich im Saal zwischendurch blicken. Ratskollege Heidinger, der ursprünglich sogar eine Sondersitzung haben wollte, bekräftigte am Rande der Info-Veranstaltung im Großen Saal der Schlossberghalle noch einmal die Notwendigkeit, die Problematik des abwehrenden Brandschutzes allen Stadträten begreiflich zu machen. In jüngster Zeit hatte es zwischen Heidinger und den Grünen gewisse Spannungen gegeben, u.a. auch zum Thema Maskenpflicht bei Ratssitzungen – Benicke hatte Heidinger aufgefordert, hier Disziplin zu üben bzw. Bürgermeister Patrick Janik während laufender Sitzung um ein Eingreifen gebeten.

Die Vorträge der Experten Christian Brauner (International Fire Academy, IFA) und Dr. Dirk Schneider (von der Stadt beauftragter Brandschutzgutachter der Kölner Studiengesellschaft für Tunnel und Verkehrsanlagen, STUVATEC) wiederholten im Großen und Ganzen den Erkenntnisstand von Ende 2019, was den abwehrenden Brandschutz anging: Brauner („Ich war schon mal hier und werde ziemlich genau das Gleiche sagen wie vor zwei Jahren“) stellte bei seinen „Empfehluneg nfür ein Interventionskonzept“ klar, dass der einröhrig und ohne Fahrbahntrennwand geplante B2-Entlastungs- tunnel „von der Unfallschwere her das Ungünstigste ist, was Sie haben können.“ Die größte Gefahr im Brandfall seien nicht etwa Feuer und Hitze, sondern der Rauch, so Brauner: „Ein Brand und sein Rauch können sich schneller ausbreiten, als ein sportlicher Mensch rennen kann!“ Gleichwohl sei es machbar, vor allem mittels „anlagenspezifischer Ausbildung“ bzw. „Zusatzqualifikationen“ und optimierter Ausstattung der zum Einsatz kommenden Feuerwehrein- satzkräfte, die Lage auch im Brandfall zu beherrschen.

In diesem Kontext machten Brauner und Schneider nochmals deutlich, dass eine „Dienstleistungsfeuerwehr“, also Berufsfeuerwehrler, wohl die beste Lösung wäre, denkbar in der Form einer „Werksfeuerwehr“ – die Reichweite kommunaler Feuerwehren (bis maximal 500 Meter) sei bei einem Rettungseinsatz im 1,8 Kilometer langen Tunnelbau- werk nicht ausreichend. Im Falle eines Pkw-Brandes im Tunnel müssten nämlich rund 60 Einsatzkräfte anrücken, 48 davon teils mit zwei Atemschutzgeräten ausgestattet. Dies rief bei einzelnen Stadträten sogleich wieder Fragen nach der Kostenlast hervor, sowohl der „einmaligen als auch der wiederkehrenden“ (Josef Pfister, BMS): „Es ist klar, dass wir als Stadt keine Kosten tragen, die wir nicht tragen müssen“, suchte Bürgermeister Patrick Janik (UWG) ein wenig sibyllinisch die Sorgen zu zerstreuen.

Der nachgerückte WPS-Stadtrat und zeitweilige Klageführer gegen den Tunnel, Dr. Richard Glogger, wollte dennoch von den Experten wissen, ob das Tunnelbauwerk aktuellen EU-Normen entspreche – die verwiesen darauf, dass es jeweils national unterschiedliche Standards gebe. Auf Gloggers Nachhaken hin, ob sie den Tunnel heute noch genauso planen würden wie den planfestgestellten, entgegneten diese sinngemäß, dass es natürlich besser gegangen wäre, man aber nun mal mit dem hier geplanten zurechtkommen müsse: Laut Staatlichem Straßenbau- amt Weilheim (Vorhabenträger ist der Bund) auf aktuelle Anfrage des Starnberger 1.Bürgermeisters befindet sich das Planänderungsverfah- ren derzeit weiterhin „in Arbeit“, die Änderungen seien also noch nicht offiziell planfestgestellt.

Die Vorträge beider Experten ließen sich so zusammenfassen: „Weniger“ (bei Mannstärke, Ausbildung und technischer Ausstattung der Feuerwehr) würde bedeuten: Geringere Erfolgsaussichten bei der Brandbekämpfung und höhere Gefährdung der Einsatzkräfte selbst. Brauner: „Wir dürfen im Tunnel keine Fehler machen.“ Doch der Umgang mit einem Tunnelbauwerk bedeutet beim vorbeugenden Brandschutz offenbar auch einen permanenten Lernprozess - Schneider: „Unser Gutachten stellt eine Grobkonzeption dar, die nicht in Stein gemeißelt ist.“

Zur Kenntnis genommen wurde bei der Informationsveranstaltung auch noch einmal die Forderung der Starnberger Feuerwehr, das Brückenbauwerk über den Maisinger Bach zu ertüchtigen: Damit insbesondere die Söckinger Wehr im Tunnel-Brandfall (und nur dann!) möglichst schnell Richtung Südportal vorrücken kann, wäre ein solcher Sonderanfahrtsweg im Sinne optimierter „Angriffswege der Feuerwehr“ unabdingbar, sagt auch Starnbergs federführender Kommandant, Markus Grasl. Bis diese Anfahrtsmöglichkeit allerdings realisiert werden könnte, bedarf es umfangreicher wasserschutz-rechtlicher Absicherungen für den Maisinger Bach/Georgenbach und des Nachweises, dass die Brückenertüchtigung alternativlos bzw. zwingend erforderlich ist.

Thomas Lochte

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