"Kamin reine Geldverschwendung"

Starnberger Schloßgarten: Lehmann-Horn und  Ziebart drängen auf Umplanung beim Abluftkamin

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Die mögliche Stickoxid-Belastung bis 2030: Prognosen gehen von einer deutlich niedrigeren Belastung aus, die einen Abluftkamin am B2-Tunnel überflüssig werden lässt. Der Bund könnte so Millionen Euro sparen.

Starnberg – „Der für den B2-Tunnel geplante Abluftkamin am Schlossgarten ist überflüssig“, sagen Markus Lehmann-Horn und Dr. Wolfgang Ziebart. Die beiden Schlossberg-Anwohner widersprechen damit der Aussage von Herwig Ludwig, des Projektleiters für den B 2-Tunnel am Staatlichen Straßenbauamt Weilheim. Dieser hatte sich vor zwei Wochen auf ein aktualisiertes Immissionsgutachten für den Tunnel bezogen und erklärt, dass die ursprünglich geplante Belüftungslösung (mit mehreren Ventilatoren im Tunnel und an einem der Portale austretender Abluft) deutlich teurer wäre und laut Gutachten eine Überschreitung von Grenz- werten nicht ausschließe.

Auf das gleiche, von Weilheim zur Verfügung gestellte Gutachten, beziehen sich nun der ehemalige BMW-Entwicklungsvorstand Ziebart und sein Mitstreiter Lehmann-Horn, denn dort heißt es unter anderem: „Am Nordportal kann an der Bebauung der Grenzwert rechnerisch eingehalten werden.“ Aus diesem Satz schlussfolgern die beiden Abluftkamin-Gegner, dass auch für einen solchen Kamin keine Notwendigkeit mehr besteht – das Gutachten gehe nämlich von einer Inbetriebnahme des Tunnels im Jahre 2020 aus, während schon jetzt feststehe, dass dieser frühestens 2026 fertiggestellt werde: „Bis dahin wird durch die Entwicklung moderner Autos die Stickoxid-Belastung längst deutlich gesunken sein“, sagt Automobil-Fachmann Ziebart beim Pressegespräch voraus.

Gigantisches Bauwerk

Ein derart dimensionierter, zehn Meter hoher Abluftkamin mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe sei „reine Geldverschwendung“ und völlig unsinnig, noch dazu in hoch sensiblem Gebiet, wie Anwohner Lehmann-Horn erläutert. „Entscheiden wir auf Grund von Fakten oder auf Grund von Befindlichkeiten?“, fragt er die Planer. „Ein gigantisches Bauwerk“, welches zum größten Einzelprojekt im Zuge des Tunnelbaus werde und das umliegende Wohngebiet, vor allem Schlossberg und Vordermühlstraße, ins Chaos stürzen werde, wie das schon 2017 beim Bau der Löschwasserzisterne am Finanzamt geschehen sei.

Flächen des Südportals als anderer Standort

Für Ziebart und Lehmann-Horn ist es aber noch nicht zu spät, um zur ursprünglichen Planvariante („Längsbelüftung“) zurückzukehren, denn die sei sogar im Brandfall technisch völlig ausreichend: „Wir sind drei Jahre vor dem eigentlichen Baubeginn für den Tunnel, es gäbe also noch genügend Zeit zum Umplanen“, so Ziebart. Er könne sich im Übrigen einen anderen Standort für den Austritt der Abluft vorstellen, etwa auf Flächen nahe des Südportals, ohne unmittelbare Wohnbebauung in der Nachbarschaft: „Mich stört es einfach, dass der Kamin nachgewiesener Unsinn ist“, begründet Entwickler Ziebart seinen anhaltenden Widerstand gegen das Projekt in seiner jetzigen Form – er will seine Argumente auch in Briefen an den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sowie an die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft, Medien, Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner, vorbringen.

Fragt man ihn danach, ob sein Protest in Anbetracht der „Vollzugslogik“ staatlicher Behörden nicht aussichtslos sein könnte, entgegnet Ziebart: „Ich würde es mir nicht verzeihen, nichts dazu gesagt zu haben.“ Durch eine nochmalige Änderung der Tektur beim Abluft-Kamin wäre das planfestgestellte Gesamtprojekt des Tunnels angeblich nicht mehr angreifbar, habe es laut Ziebart in Weilheim geheißen. Ein nicht ganz unwichtiges Detail.

Von mps

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