Fußballkumpel brachte ihn auf die Idee

Starnberger Schöffengericht verhängt mildes Urteil gegen Münchner Drogendealer

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Ein Münchner Lagerarbeiter, der mit Drogen handelte, wurde unlängst vor dem Starnberger Schöffengericht verurteilt. Sein Gautinger Spezl, bei dem er die Drogen kaufte, sitzt bereits seit längerem hinter Gittern.

Starnberg/Gauting - Sein Fußballkumpel brachte ihn auf die schiefe Bahn. Im März 2018 kam der bis dato unbescholtene Lagerarbeiter erstmals mit Kokain in Kontakt. Dieser Tage musste sich der Münchner (46) nun wegen gewerbsmäßigem unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vor dem Starnberger Schöffengericht verantworten.

Angeklagt waren zunächst neun Kokain-Geschäfte im Zeitraum zwischen März und Juli 2018 - im Zuge der Verhandlung wurde allerdings in Fall wegbeschränkt.

Zumeist kaufte der Münchner die Drogen in der Gautinger Wohnung seines Kumpels – zumeist nur kleine Menge zu jeweils fünf Gramm. Nur einmal langte der 46-Jährige mit dem Kauf von 50 Gramm tüchtig zu. Nach geltender Gesetzeslage ein Handeltreiben in nicht geringer Menge. Im Sitzungssaal bekannte sich der Münchner von vornherein zu seiner Verirrung im Drogendschungel.

Sein Verteidiger machte deutlich, wie alles beim Sport begann: „Mein Mandant hat sich reinziehen lassen. Im Fußballclub hat er sich zum Konsum verführen lassen.“ Etwa die Hälfte habe der Münchner selber konsumiert und den Rest an Freunde und Bekannte weitergereicht. 

„Es war eine Episode. Ich seinem Leben ist es damals stark nach unten gegangen“, so der Rechtsanwalt. Mit Hilfe seiner Ehefrau schaffte der Lagerarbeiter schließlich den Absprung und führe seither wieder ein ganz normales Leben. „Heute lebt der Angeklagte gut bürgerlich und wird in seinem Leben nicht mehr mit Drogen zu tun haben“, so der Advokat. 

Dem Gericht legte der Angeklagte zum Beweis ein tadelloses Arbeitsarbeitszeugnis vor. Aufgeflogen war die Sache Im Sommer 2018, als die Polizei dem Fußballkumpel, einem Gautinger Großdealer, auf die Spur kam. 

Nach Auskunft eines 44-Jährigen Polizisten war der Reinheitsgehalt des vom Gautinger (39) im Kilogrammbereich gedealten Kokain mit gut 89 Prozent durchaus „ordentlich.“ 

Ganze 14 der insgesamt 29 Abnehmer des 39-Jährigen konnten identifiziert werden. Die Geschäfte liefen allesamt verklausuliert ab. Im Handychat wurden die Grammmengen als „Jungs“ oder als „Mitarbeiter“ verschleiert. Insgesamt soll sich der Angeklagte bei seinem Fußballspezl 155 Gramm beschafft haben. Der Gautinger sitzt seither hinter Gittern. 

Laut Auskunft des Rechtsanwaltes des Münchners bemisst dessen Urteil satte vier Jahre und 11 Monate. Zudem ordnete das Gericht dem offenbar süchtigen Großdealer eine Unterbringung mit Zwangstherapie an.

Der Münchner kam deutlich harmloser davon. Richterin Christine Conrad setzte die verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten zur Bewährung aus. Zudem muss der Angeklagte eine 2600 Euro teure Geldauflage an Condrobs abführen. 

In der Urteilsbegründung ließ die Amtsrichterin ihr Vertrauen in eine positive Sozialprognose durchblicken: „Das war eine Phase in seinem Leben, die hoffentlich ein einmaliger Ausflug ins kriminelle Milieu war. Alles unter dem Einfluss eines vermeintlichen Kumpels.“ 

Eine Warnung zum Abschluss ließ sich Richterin Conrad dennoch nicht nehmen: „Kokain ist schon eine hochgefährliche Droge.“ Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Von Nilda Höhlein

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