Starnberger See: Auswirkungen eines Wehrmanagement bei Hochwassergefahr getestet

+

Starnberg – „Das Wehrmanagement ist aus unserer Sicht nicht geeignet, den Wünschen der Seeanlieger gerecht zu werden.” Dieses ernüchternde Fazit zog der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim, Roland Kriegsch, bei der Vorstellung der Ergebnisse des Naturversuchs vom November vergangenen Jahres.

Über einen Zeitraum von sieben Tagen wurde damals der Einfluss der Stauhaltung der „Mühle am Karlsberg” auf den Wasserstand am Ablauf des Starnberger Sees bei erhöhten Seewasserständen getestet. Das Ergebnis: „Es besteht keine Beziehung zwischen Wehrmanagement und Starnberger See”, so Abteilungsleiter Markus Brandtner. „Der Katastrophenschutz ist im Hochwasserfall ja besonders gefordert“, so Roland Kriegsch. „Und es heißt immer: Macht doch mal ein Wehrmanagement, um den Seepegel zu senken.“ Der nun Ende 2016 durchgeführte Naturversuch knüpft an einen vorangegangenen Versuch aus dem Jahr 2011 an, der im Unterschied zum aktuellen Versuch bewusst bei mittleren Abflussverhältnissen gestaltet wurde. Hintergrund war damals die Frage: Kann durch eine gezielte Staulegung der Seewasserspiegel vorab gesenkt werden, um ein vorhergesagtes Hochwasserereignis schadlos für die Seeanrainer aufnehmen zu können. „Wir haben alles so gemacht, wie es sich die Bevölkerung immer gewünscht hat“, so Kriegsch. „Aber schon 200 Meter oberhalb des Mühltalwehrs ist vom Wehrmanagement nichts mehr bemerkbar.“ 

Während des aktuellen Naturversuchs wurden wieder Wasserspiegellagen, Fließgeschwindigkeiten und Abflüsse an verschiedenen Stellen zwischen dem Seeauslauf und an der Würm bis zum Wehr gemessen. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den beiden Naturversuchen gelegt. Allerdings wurde im vergangenen Jahr der Versuchszeitraum, währenddessen der Stau am Mühltalwehr soweit wie möglich gelegt wurde, eben auf sieben Tage ausgedehnt und auch der Messzyklus verfeinert. Wie schon im Jahr 2011 wurden vier behelfsmäßige Messstellen eingerichtet. Zusammen mit den fest installierten Pegelanlagen am Auslauf des Starnberger Sees und an der Würm in Leutstetten standen somit für die Auswertung sechs unabhängige Messstellen zur Verfügung, an denen im Abstand von 15 Minuten Daten gewonnen wurden. Als Ergebnis konnten Roland Kriegsch und Markus Brandtner vom Weilheimer Wasserwirtschaftsamt feststellen, dass auch bei einem erhöhten Seewasserspiegel und trotz eines verlängerten Versuchszeitraums etwa 200 Meter oberstrom des Mühltalwehrs weder Änderungen der Wasserspiegellage, noch der Fließgeschwindigkeit oder des Abflusses verzeichnet werden konnten. „Damit ist ein Einfluss der Wehranlage auf den Seewasserstand auch unter diesen Versuchsbedingungen ausgeschlossen“, so Kreigsch. „Die Ergebnisse des Versuchs von 2011 wurden somit mit dem Naturversuch von 2016 vollumfänglich bestätigt.“sb

Auch interessant

Meistgelesen

Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Tempolimit aufgehoben
Tempolimit aufgehoben
17-Jähriger zieht Messer
17-Jähriger zieht Messer
Eine gelungene Kooperation
Eine gelungene Kooperation

Kommentare