Da einige Projekte stocken

Starnberger Stadtrat diskutiert über Verkehrsentlastungsvarianten für die Kreisstadt

Viel Geduld brauchen Autofahrer am Wochenende auf den bayerischen Autobahnen.
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Viel Geduld müssen Autofahrer bei ihrer Fahrt durch Starnberg einplanen. Der Stadtrat berät deshalb über nützliche Verkehrsentlastungskonzepte (Symbolbild).

Starnberg - Der Stadtrat und der Projektausschuss für Verkehrsentwicklung befassten sich dieser Tage mit zahlreichen durchaus langfristig gedachten Konzepten zur Verkehrsentlastung. Ins Stocken geraten ist dabei die vor allem im Ortsteil Percha schon lange herbeigesehnte Autobahnabfahrt auf Höhe Gut Buchhof, die vor allem den Verkehr von und zur Munich International School (MIS) aus dem Ortszentrum fernhielte.

Die für ein solches Vorhaben vorgeschriebene artenschutzrechtliche Prüfung hatte das Vorkommen gleich zwei streng geschützter Amphibien festgestellt – Laubfrosch und Springfrosch leben offenbar in einer Hecke bzw. einem Laichgewässer in unmittelbarer Nähe. Da deren Habitat durch den Bau einer Autobahn-Ausschleifung vernichtet würde, hat sich der Stadtrat von der bisherigen Trassenvariante bereits offiziell verabschiedet. Über Alternativen, sprich eine Verlegung der Abfahrt von der A 952 Richtung Norden, wird noch diskutiert, doch müssten bestimmte Mindestanforderungen für solche Autobahn-Ausschleifungen zwingend erfüllt sein.

 „Juristisch wäre es durchaus denkbar, auch den Parkplatz der Schule zu verlegen – eine planerische Möglichkeit im Interesse der Ortsteilbevölkerung“, befand UWG-Stadtrat Otto Gassner. Auch Franz Heidinger (BLS) war der Meinung, dass „genug Raum vorhanden“ sei, die Variante einer etwas nach Norden verschobenen (und somit von den Fröschen abgerückten) Ausfahrt „zumindest prüfen zu lassen“.

Bürgermeister Patrick Janik (UWG) bremste derlei Überlegungen ein wenig und verwies auf die „ohnehin schon sauteure“ Angelegenheit einer zusätzlichen Autobahnabfahrt bei Buchhof. Noch skeptischer gab sich Stadtbaumeister Stefan Weinl: „Es gab, mit Verlaub, intensive Untersuchungen und Beratungen“, auch zum Kosten-Aspekt, so Weinl. Er warne davor, in der Planung nochmals einen Schritt zurück zu gehen, Josef Pfister (BMS) sprang ihm zur Seite: „Besonders die jungen Stadtratskollegen wissen vielleicht nicht, wie lange wir schon versuchen, die Autobahndirektion Südbayern an den Tisch zu bekommen. Es muss endlich was voran gehen mit der Verkehrsentlastung für Percha!“

Franz Sengl (Grüne) stellte daraufhin in der Plenumssitzung einen Geschäftsordnungsantrag auf Ende der „vor den Haushaltsberatungen völlig sinnlosen“ Diskussion: „Eine Verlegung Richtung Norden macht doch alles noch teurer.“ Die Stadträte beschlossen, „aus Gründen des Artenschutzes“ die ursprünglich ins Auge gefasste Trasse nicht weiter zu verfolgen. Gegen vier Stimmen wurde der Auftrag an die Stadtverwaltung erteilt, eine Verlegung der Autobahnausschleifung „auf die nordöstliche Seite der Hecke“ oder „auf die südwestliche Seite des Gewässers“ bezüglich Umsetzbarkeit prüfen zu lassen. Mit der MIS sollen zudem Gespräche hinsichtlich einer Kostenbeteiligung des Vorhabens aufgenommen werden – man war sich im Stadtrat einig, dass die Schule eine verkehrliche Zusatzbelastung des Ortszentrums Percha bedeutet und somit an einer Lösung mitwirken sollte. Franz Heidingers Antrag, die Nord-Verschiebung der geplanten Autobahn-Ausfahrt weiter zu prüfen, wurde mit 11:17 abgelehnt.

Auch Ideen zur innerstädtischen Verkehrsentlastung Starnbergs wurden in Projektausschuss und Plenum ausführlich diskutiert: Um vor allem den Durchgangsverkehr aus der City zu bringen, soll zum Beispiel die von Possenhofen kommende bisherige Staatsstraße stadteinwärts in Höhe des sogenannten „Seufzerbergs“ gegenüber der vom See aufwärts führenden Bahnhofstraße Vorrang erhalten, d.h. der Verkehr soll „baldmöglichst“ rasch nach links in Richtung B 2 geleitet werden und nicht den Stau verursachenden Weg über Bahnhofstraße/Wittelsbacher/Kaiser-Wilhelm-Straße Richtung München nehmen. 

Während diese Maßnahme im Sinne einer Verkehrsreduzierung am See mit 20:8 im Stadtrat deutliche Zustimmung fand (und noch mit dem Straßenbauamt besprochen werden muss), stieß der ebenfalls geplante Wegfall der Links-abbiegerspur zur südlichen Leutstettener Straße (nach Fertigstellung des B 2-Tunnels vorgesehen) vor allem bei der BLS-Fraktion auf heftigen Widerstand: „Das sind Beschlüsse, die von der Praxis weit entfernt liegen“, schimpfte Franz Heidinger und meinte damit auch die Idee, aus der südlichen Leutstettener Straße eine Einbahnstraße zu machen: Solche Maßnahmen gingen eindeutig zu Lasten der Gewerbetreibenden, sagte Heidingers Fraktionsmitstreiter Michael Mignoli. Immerhin ist bei den verkehrslenkenden Maßnahmen der Zukunft auch ein Mitsprachrecht der Starnberger Gewerbevertreter vorgesehen, doch an einer 23:5-Mehrheit für die kritisierten Eingriffe an der „Leutstettener“ änderte dies im Stadtrat nichts mehr. 

Auch Franz Sengls (Grüne) Entrüstung über die seiner Ansicht nach „rausgeschmissenen“ 170.000 Euro, die eine „faunistische Kartie-rung“ für die Planung einer ortsfernen Umfahrung kosten wird, nutzte nichts: Im Doppelbeschluss vom Februar 2017 („B 2-Tunnel bauen, Umfahrung planen“) war die Weiterverfolgung dieser ortsfernen Trasse aus Kompromissgründen beschlossen worden – nun gilt es, dieses Versprechen auch einzulösen, obwohl die Aussichten auf Realisierung der Umfahrung wohl erkennbar gegen Null tendieren dürften: Weil sich auf die Erstausschreibung der Kartierung von geschützten Tierarten kein Interessent gemeldet hatte, wird nun erneut ausgeschrieben.

Thomas Lochte

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