Starnberger Verein "Schöner zum See" fordert: Bahnhof See und Promenade sanieren - jetzt!

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Starnberg – Unter den rund 500 Mitgliedern des Starnberger Vereins „Schöner zum See“ hat sich Unzufriedenheit breit gemacht - und zwar darüber, dass in Sachen Seeanbindung zu viel Zeit verstreicht.Der Grund aus Sicht des Vereins: „Es liegt an der Bahn, dass nichts passiert“, wie Vorsitzender Maximilian Ardelt bei einem Pressegespräch monierte.

Vor etwa 30 Jahren hatten Stadt und Deutsche Bahn in den so genannten Bahnverträgen vereinbart, gemeinsam die erforderlichen Voraussetzungen für den Abschluss endgültiger Verträge unter anderem für eine oberirdische Gleisverlegung inklusive Bahnhofsneubau am See zu schaffen. Ziel dieses „Wunschprojektes der Stadt“, so Ardelt, war es damals, mehr Fläche für eine Bebauung des Seeufers zu gewinnen. Verpflichtung seitens der Stadt dabei: Übernahme sämtlicher Kosten des Vorhabens; Verpflichtung der Bahn: Erstattung aller Einsparungen in der Betriebsführung durch die Gleisverlegung an die Stadt. „Der Vertrag wurde 2006 um den Passus ergänzt, dass er Ende 2017 unter Entfall jeder gegenseitiger Ansprüche verjährt“, so Ardelt. „Der Vertrag ist zu Ende und alles bleibt beim Alten.“ Seit 30 Jahren bemühe sich die Stadt mit Millionenaufwand vergeblich um realisierbare Vorschläge zur Umsetzung dieses städtebaulich, ökologisch und wirtschaftlich umstrittenen Großprojektes. Zuletzt wurde vom Arbeitskreis Seeanbindung im April 2014 eine umfassende Planung vorgelegt. Wie berichtet, führte eine externe Überprüfung dieser Vorschläge im März vergangenen Jahres zu dem Ergebnis, dass ihre Realisierung statt 2022 erst 2028 zu erwarten ist und die Gesamtkosten statt 63 Millionen Euro mindestens 115 Euro Euro betragen werden. „Das ist von der Stadt nicht finanzierbar“, sagte Ardelt. Und das habe der Stadtrat im Juli 2016 auch schließlich festgestellt. „Damit ist die wichtigste und notwendige Voraussetzung für den Abschluss eines endgültigen Vertrages, nämlich deren Finanzierbarkeit, definitiv nicht gegeben“, befand Ardelt. Es sei faktisch das seit vielen Jahren erkennbare Ende einer nicht mehr zeitgemäßen Idee. „Seit dem heißt es: ‚Still ruht der See‘,“ so Ardelt. 

Den Schuldigen am aktuellen Stillstand sieht der Verein in der Bahn. „Bürgermeisterin John hat sich bemüht, durch Gespräche ein envernehmliches Ende zu bekommen“, weiß Ardelt. „Aber die Gesprächstermine kommen nicht zustande.“ Sichtbares Opfer dieses trotz veränderter Rahmenbedingungen und wachsender fachlicher Kritik über lange Zeit „uneinsichtigen Festhaltens an uralten Bahnverträgen“ sei der denkmalgeschützte Bahnhof See und sein Umfeld. Seit fünf Jahren abgebaute Dächer, gravierende Sicherheitsprobleme und fehlende Barrierefreiheit der Bahnsteige, enge und verkommene Unterführungen zum See, verwahrloste Teile der Seepromenade im DB-Eigentum und eine chaotische Parkplatzsituation sind aus Sicht des Vereins „das Ergebnis von 30 Jahren Nichts- tun in falscher Erwartung einer Neugestaltung der ‚Schokoladenseite‘ der Stadt.“ Und was die Barrierefreiheit betrifft: Gerade für Starnberg als Modellkommune „Bayern barrierefrei 2023“ sei dies eine Blamage. Der Verein „Schöner zum See“ fordert insbesondere die Verantwortlichen der DB „nachdrücklich“ auf, diese Realitäten endlich zur Kenntnis zu nehmen und umgehend in einvernehmlichen Gesprächen mit der Stadt das Projekt Gleisverlegung zu beenden. Es werde höchste Zeit, mit der barrierefreien Sanierung des alten Bahnhofs See zu beginnen, sowie konkrete Vorschläge zur attraktiven Neugestaltung der Seepromenade und des stadtseitigen Bahnhofsumfeldes zu entwickeln. Ardelt verwies erneut darauf, dass der Verein „Schöner zum See“ hierzu bereits vor zwei Jahren sein Konzept „Erneuern und Bewahren“ vorgelegt hat, „was bei den Bürgern auf breite Zustimmung“ gestoßen sei. „Sie haben es verdient, dass endlich gehandelt wird“, so Ardelt. Der Verein kämpfe weiter dafür, dass sich die Beteiligten an einen Tisch setzen und über eine einvernehmliche Lösung reden. „Der Vertrag läuft doch sowieso aus, warum also nicht schon jetzt anfangen und das Vertragsende vorziehen?“, so Maximilian Ardelt. „Denn so verlieren wir nochmal ein dreiviertel Jahr.“Stefan Berger

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