Starnberg/Feldafing: Diebische Haushaltshilfe

+

Starnberg – Eine 37-jährige gelernte Bürokauffrau ist vom Amtsgericht wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall, Betruges und leichtfertiger Geldwäsche zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Während sich die Feldafingerin im letztgenannten Anklagepunkt sofort geständig zeigte (sie hatte über einen kriminellen osteuropäischen Anbieter im Internet Geld weitergeleitet und war selber auf einem Schaden von etwa 6.000 Euro sitzengeblieben), wehrte sich die Beschuldigte gegen die weiteren Strafvorwürfe: Laut Anklage hatte die Frau im Herbst 2015 bei einer heute 92-jährigen Starnbergerin eine Stelle als Haushaltshilfe angetreten und schon bald darauf bei vier Gelegenheiten Bar-Abhebungen von insgesamt 2.000 Euro vom Konto der Seniorin vorgenommen. Auch Schmuck im Wert von etwa 13.000 Euro war in dieser Zeit aus dem häuslichen Tresor der Dame abhanden gekommen. Wie die Haushaltshilfe an die Kontokarte und Tresorschlüssel gekommen sein soll, war nun Gegenstand der Beweisaufnahme: Die gehbehinderte, fast blinde Bestohlene berichtete, dass außer ihr selbst nur ihre beste Freundin, eine 79-jährige Starnbergerin, die damalige Geheimzahl für das Konto gekannt habe und ausdrücklich dazu berechtigt gewesen sei, „geschäftliche Dinge für mich zu erledigen“. Dieser Zeugin waren auch die vier Abhebungen à 500 Euro aufgefallen, allesamt am Automaten. „Ich gehe immer zum Bankschalter“, so die Vertraute der Geschädigten, die nach Entdecken der seltsamen Kontobewegungen sofort Strafanzeige erstattet hatte – mit Hilfe von Video-Aufnahmen am Bankomaten konnte die Haushaltshilfe identifiziert werden. Diese bestritt die Abhebungen auch gar nicht, sondern behauptete, die Kontoinhaberin habe ihr die Karte extra dafür ausgehändigt. Unklar blieb, ob für eigene Zwecke oder weil sie der in Geldnöten steckenden Haushaltshilfe Bares leihen wollte: Die Geschädigte bestritt beides vehement - als der Verteidiger sie daraufhin fragte, ob sie an Demenz leide, entgegnete die 92-Jährige in aller Frische: „Nein, mein Hirn ist Gottseidank noch in Ordnung!“ Die Starnbergerin mutmaßte, „dass mich jemand beobachtet haben muss, wo ich den Tresor-Schlüssel verstecke“:Nur so konnten das Entwenden der dort verwahrten Konto-Karte samt PIN-Zettel und der Schmuck-Diebstahl erklärt werden – außerdem waren kurz nach den Abhebungen 2.000 Euro in einem von der Haushaltshilfe beschrifteten Umschlag plötzlich im Tresor aufgetaucht – schier erdrückende Indizien. Eine polizeiliche Wohnungsdurchsuchung bei der Beschuldigten in Feldafing hatten dann auch noch eine Kette zu Tage gefördert, die auf der Liste der gestohlenen Wertsachen verzeichnet war. Als die Bestohlene die Haushaltshilfe auf den Schmuck ansprach, hatte die 39-Jährige angeblich gesagt, sie habe ihn nicht mehr. Ein als Zeuge gehörter damaliger Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Starnberg berichtete noch von einem ähnlich gelagerten Diebstahl, in den die „Haushaltshilfe“ verwickelt sei – dieses Strafverfahren wird noch zu verhandeln sein. Im Starnberger Fall schloss Richterin Christine Conrad nach gründlicher Prüfung der häuslichen Verhältnisse die Möglichkeit aus, dass jemand anders sich damals Zugang zum Tresor der alten Dame verschafft haben könnte. Sie sprach die Angeklagte schuldig - Auflagen der zur Bewährung für drei Jahre ausgesetzten Strafe: Zahlung von 2.000 Euro an den WWF Deutschland (in monatlichen Raten zu je 200 Euro), 150 Sozialstunden (mindesten 20 pro Monat), Meldung jedes Wohnsitzwechsels. Die Verteidigung hatte bis auf die eingeräumte Geldwäsche allen Ernstes auf Freispruch mangels Tatnachweises plädiert. mps

Auch interessant

Meistgelesen

Vermisster Gilchinger tot im Weßlinger See gefunden
Vermisster Gilchinger tot im Weßlinger See gefunden
Falsche Anzeigenakquisiteure für Ortsbroschüre
Falsche Anzeigenakquisiteure für Ortsbroschüre
Zwei Standorte
Zwei Standorte
Ohne Führerschein unterwegs
Ohne Führerschein unterwegs

Kommentare