Starnbergs neuen Kommandanten Markus Grasl plagen akute Personalprobleme

Alarm bei der Feuerwehr

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Das Wahrzeichen des Münchner Yacht-Clubs, das 95 Jahre alte Bootshaus, wurde am 8. November 2015 ein Opfer der Flammen. Um das in Zukunft zu verhindern, soll mit einem Löschboot vom See aus Brände bekämpfen.

Starnberg – Die Freiwillige Feuerwehr Starnberg plagen Personalprobleme. Aktuell fehlen dem frischgebackenen Kommandanten Markus Grasl 70 Frauen und Männer. Neben der Nachwuchswerbung baut der Feuerwehrmann auf Mitarbeiter aus den Behörden – Finanzamt, Stadtverwaltung und Landratsamt.

Die acht Feuerwehren in Starnberg müssten insgesamt 114 Einsatzkräfte stellen, tatsächlich sind es aber nur 43. Wird ein Alarm ausgelöst, muss Grasl, der hauptberuflich als Brandinspektor beim Landratsamt München tätig ist, mit seiner Truppe in maximal zehn Minuten am Einsatzort sein. Apropos Mannschaft: Laut dem bayerischen Feuerwehrgesetz müssten bei Alarmen 24 Feuerwehr-Frauen und -Männer verfügbar sein. Eine Zahl, über die der 35-jährige Kommandant nicht verfügt. Besonders eng sieht es bei den Atemschutzträgern aus, denn nicht jeder eignet sich für die durchaus gefährliche Spezialausbildung. Unter anderem passe die aktuelle Bartmode nicht zu den Schutzbestimmungen, ergänzte Vize-Kommandant Max Maenner. Derzeit verfügt die Starnberger Wehr über 16 atemschutztaugliche Kameraden. Bei ihren Einsätzen können Grasl und Maenner auf Mitarbeiter aus dem städtischen Betriebshof mit den unterschiedlichsten Ausbildungen zurückgreifen.

Stadt muss für genügend Personal sorgen

Für die Zukunft jedoch müssen sich die acht Starnberger Wehren neu aufstellen, machte Grasl in einem Pressegespräch deutlich. Und verweist auf neue Herausforderungen, etwa durch den B2-Tunnel und das Gewerbegebiet Schorn. Mit seinen Sorgen hat sich Grasl bereits im Januar an den Stadtrat und Feuerwehrreferenten Franz Heidinger (Bürgerliste) anvertraut. Die Stadt, als oberste Dienstherrin, muss den Feuerwehrlern nämlich nicht nur Fahrzeuge und Gerätschaften zur Verfügung stellen, sondern auch für genügend Personal sorgen. Einen Antrag für einen Brandschutzbedarfsplan hat Heidinger bereits in den Stadtrat eingebracht. „Ich glaube nicht, dass da jemand dagegen arbeitet“, sagte Heidinger am Montag. „Die Stadt muss weiterdenken“, so der Referent, denn gelingt es nicht, genügend Kräfte zur Verfügung zu halten, kann es auch laut Feuerwehrgesetz auch zu anderen Szenarien kommen: Es könnten beispielsweise Behördenmitarbeiter herangezogen, die Freiwillige Feuerwehr durch fest angestellte Kräfte ersetzt oder der Schutzbereich an eine andere Feuerwehr übertragen werden.

Das große Problem: Zeit

Ein wesentliches Problem bei der Anwerbung sind vor allem die vielen Ausbildungsstunden. „Die Leute interessieren sich durchaus für die Feuerwehr, sind zwischen 35 und 40 Jahre alt, haben aber ein zeitliches Problem“, skizzierte Grasl. Meist hindert sie die berufliche Belastung und familiäre Prioritäten. Wer bereits den ganzen Tag gearbeitet hat, setzt sich am Abend ungern noch für ein paar Stunden in eine Schulung. „Und das Wochenende bleibt uns heilig“, ergänzte der Kommandant mit Blick auf die Familien. Deshalb müsse sich die Ausbildung flexibilisieren, das heißt, dass mit den Arbeitgebern eine Vereinbarung gefunden werden müsste, die Tags-über-Kurse oder Schulungen an den Nachmittagen ermöglichen. Behörden und die Stadtverwaltung sind dagegen sogar verpflichtet, ihre Mitarbeiter für Rettungsausbildungen freizustellen. „Wir haben viel und gute Technik, aber das Personal ist nicht vorhanden“, fasste Kommandant Grasl seine Hauptsorge zusammen, der sich auch eine Art Zweckverband mit benachbarten Kommunen vorstellen kann. 

Neuer Brandschutzbedarfsplan muss her

Nicht minder bewegt die Feuerwehr auch die aktuelle Verkehrsproblematik in der Stadt. Die macht es den Brandschützern bisweilen unmöglich, die Alarmfristen einzuhalten. Zur Rush Hour seien sowohl Hanfelder Straße wie auch Hauptstraße so verstopft, dass es kein Durchkommen gebe, beklagen beide Kommandanten. Ihre Forderung an die Stadt: Einen neuen Brandschutzbedarfsplan sowie ein Verkehrskonzept. In Wolfratshausen hat die Erstellung dieses Bedarfsplans zwei Jahre gedauert.

Von Oliver Puls

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