Starnbergs Stadträte kritisiert: "Ohne einen Mucks umgefallen"

+

Starnberg – Mit teils markigen Worten hat sich die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung - Contra Amtstunnel“ zum Doppelbeschluss des Starnberger Stadtrats geäußert. Wie berichtet, hatte sich das Gremium mit 19:12 Stimmen für den Bau des B2-Tunnels ausgesprochen. Zudem sollen ergänzend dazu, Schritte zur Realisierung einer ortsfernen Umfahrung eingeleitet werden.

Letztgenannten Punkt begrüßt die BI und sieht in dieser Entscheidung des Stadtrates eine Honorierung des „jahrelangen Kampfes der BI und seiner Mitglieder für eine ortsferne Umfahrung“, wie BI-Pressesprecher Georg Stahl in seiner Mitteilung schreibt. Der Auftrag an die Stadt beinhalte aus Sicht der BI einen anspruchsvollen Fahrplan von einer umfangreichen Verkehrsbefragung bis zur Erarbeitung von Varianten einer Streckenführung der Nordumfahrung unter Berücksichtigung von Umwelt, Kosten und Finanzierbarkeit. „Die BI ist besonders Professor Kirchhoff dankbar, der mit seinen Gutachten, Fakten und Erkenntnissen über eine machbare Umfahrungslösung maßgeblich zu dieser Entscheidung beigetragen hat“, so Stahl. Die Nordumfahrung allein sei zwar ohne die Osttangente noch nicht die umfassende Verkehrsentlastung der Stadt, insbesondere der Hanfelder Straße nach den Plänen von Professor Kirchhoff, jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Die Entscheidung der Stadtratsparteien CSU, UWG, SPD und der Grünen im Doppelbeschluss für einen innerstädtischen B2-Tunnel hält die BI für „einen faulen, verantwortungslosen Kompromiss“. Er werde entgegen dem dringenden Gebot einer Reduzierung des Autoverkehrs in Städten deutlich mehr Durchgangsverkehr nach Starnberg leiten und damit die grenzwertige Schadstoffbelastung der Innenstadt weiter erhöhen. „Mit ihrem Votum gefährden die Tunnelverfechter die Gesundheit der Starnberger Bürger“, kritisiert Stahl. Der B2-Innenstadttunnel diene nur den Interessen der Region und der Straßenbauverwaltung im Hinblick auf die Zügigkeit des Verkehrs im Fernstraßennetz ohne Berücksichtigung der Belange der Stadt Starnberg. „Der Doppelbeschluss ist zudem widersinnig“, moniert Stahl, denn B2-Tunnel und Umfahrung seien zwei konkurrierende Verkehrssysteme. Beide zusammen erhöhen aus Sicht der BI lediglich die „astronomischen Baukosten“ und die Schäden an Umwelt und Lebensqualität der Bewohner. „Die verrückteste Verkehrsverlagerung ist doch die, welche den Verkehr aus der Region nach dem Bau der Westumfahrung mit dem B2-Tunnel und dessen Sogwirkung wieder in die Stadt zurück holt“, so Stahl und übt zudem harsche Kritik an einigen Stadträten. Im dritten „Tunnel-Wahlkampf“ 2015 habe die Allianz mit 17:14 Sitzen im Stadtrat die Mehrheit gegen den B2-Innenstadttunnel errungen. „Fünf Stadträte der Allianz sind nunmehr ohne einen Mucks umgefallen“, so Stahl. „In konspirativen Verhandlungen mit der Opposition haben sie ihre Mitstreiter schäbig hintergangen und bis zur Veröffentlichung des Antrags am 20. Februar erklärt, niemals für den Tunnel zu stimmen. Sie haben damit Verrat an der jahrelangen Arbeit ihrer Mitstreiter begangen.“ Für Stahl und die BI ist dies Betrug am Wähler. „Alle fünf Stadträte wurden von den Bürgern als erklärte, zum Teil langjährige engagierte Tunnelgegner ausdrücklich für ein Votum gegen diesen Tunnel gewählt“, betont der BI-Pressesprecher. Seiner Meinung nach haben der zweite Bürgermeister Klaus Rieskamp sowie die Stadträte Johannes Bötsch, Sieglinde Loesti, Angelika Wahmke und Angelika Kammerl aus Pöcking ihr „Versprechen gebrochen“, weshalb Stahl den selbsternannten „Friedensstiftern“ ins Stammbuch schreiben will: „Verrat kann niemals die Grundlage für eine politische Befriedung der Stadt sein. Mit ihrer Hilfe soll jetzt aus Steuermitteln ein 200 Millionen Euro teures und schädliches B2-Tunnel-Projekt verwirklicht werden, welches noch nicht einmal die Probleme der Bundesstraße löst, wie Professor Kirchhoff in seiner jüngsten Ausarbeitung nachweist. Der Engpass am Tutzinger-Hof-Platz wird nur um 1.000 Meter nach Osten zu den Kreuzungen Moosstraße beziehungsweise Peters Brunner Straße verlagert. Das eigentliche Problem des Verkehrsknotens Starnberg mit sechs total überlasteten Staatsstraßen löst der B2-Tunnel sowieso nicht. Mit diesem Tunnel werde der Stadt durch die staatlichen Baubehörden schlicht das Recht auf Zukunftsfähigkeit verweigert, moniert Stahl. Das Leitbild „Starnberg – Autobahnraststätte am See“ würde mit dem B2-Tunnel auf alle Ewigkeit zementiert werden, eine städtebauliche Todsünde mit Langzeitwirkung - so fatal wie die Gleisverlegung der Bahn vor rund 150 Jahren an den See. sb

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Von der Marke Südtirol lernen
Von der Marke Südtirol lernen
Im Rahmen der Aktionswoche "Zu Hause daheim" diskutieren ältere Menschen über Wohnformen
Im Rahmen der Aktionswoche "Zu Hause daheim" diskutieren ältere Menschen über Wohnformen

Kommentare