Stuhltransfer

Magen- und Darmspiegelung kombiniert

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Starnberg – Anfang April vergangenen Jahres stellten Professor Martin Storr und Herbert Eisenlohr vom Zentrum für Endoskopie am Klinikum Starnberg den Start der Behandlungsmethode „fäkaler Mikrobiomtransfer“ vor. Nun, etwas über eineinhalb Jahre später, hat sich das Zentrum für Endoskopie im Bereich der so genannten „Stuhltransplantation“ einen Spitzenplatz im Süden Deutschlands erarbeitet.

Und durch die Kombination zweier Behandlungsmethoden die Erfolgsquote auf 100 Prozent gesteigert, wie Storr bei einem Pressegespräch informierte. Wie berichtet, hat sich zur Behandlung schwerer Krankenhausinfektionen mit multiresistenten Keimen in den vergangenen Jahren der fäkale Mikrobiomtransfer in einigen Zentren etabliert. Von bundesweit etwa 20 gibt es darunter fünf große „im Sinne von Universitäten“ und eben Starnberg, so Professor Storr. Bei schweren und mehrfach resistenten Infektionen mit Clostridien werden inzwischen Patienten aus ganz Bayern nach Starnberg zum Stuhltransfer gebracht beziehungsweise fährt Storr mit seinem Team und dem Equipment zu den Patienten, wenn sie auf der Isolierstation liegen, um eine Ansteckung zu verhindern. Im vergangenen Jahr hat Storr zehn Patienten behandelt, heuer waren es bisher „sechs bis acht“, so Storr. Unterschiedlich groß sind übrigens nicht nur die Behandlungsstandorte, sondern auch die angewandten Behandlungsmethoden. Sie reichen von der Einlagerung des aufbereiteten Stuhls im Dickdarm, einer Magenspiegelung oder Verwendung einer Dünndarmsonde bis hin zur Einnahme von Kapseln. Letztere haben jedoch nur eine Erfolgsquote von 70 Prozent, während alle anderen Varianten auf 80 Prozent kommen. „Mitte 2015 sind wir aber auf den Trichter gekommen, zwei Methoden zu kombinieren“, so Storr. „Und zwar die Darm- und Magenspiegelung gleichzeitig durchzuführen.“ Das Behandlungsrisiko, welches ohnehin äußerst gering ist, da es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gibt, werde dadurch nicht erhöht - allerdings ist die Erfolgsquote auf 100 Prozent gestiegen. „Ich kann mir vorstellen, dass andere Kliniken bei der Methode nachziehen“, so Storr. In jedem Fall sind die einzelnen Einrichtungen an einem Erfahrungsaustausch interessiert. So wurde Anfang September der erste bundesweite Registerbericht „Fäkaler Mikrobiomtransfer“ veröffentlicht. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.endoskopiezentrum-starnberg.de/informationen/stuhltransplantation. sb

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