Teurer Seewinkel

Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann (Grüne) und Max Brandl (CSU) sprachen schließlich das aus, was sich viele Herrschinger Gemeinderäte und Zuhörer schon seit langem gedacht haben werden: Wann kommt man mit der Seewinkel-Bebauung und dem Drumherum auf dem beliebten Badegelände endlich einen Schritt weiter? Nach fünf Jahren Planung und X Anträgen haben es Herrschings Kommunalpolitiker bei ihrer jüngsten Zusammenkunft endlich geschafft, Architekt Uwe König mit konkreten Planungszielen an sein Zeichenbrett zu schicken. Ebenso verabschiedete das Gremium einen Termin, an dem König seine Ausarbeitungen vorstellen soll: Es ist der 12. November.

Freilich muss König auch diesmal wieder Änderungen nach seiner letzten Beauftragung am 30. Juli vornehmen. Die Gemeinderäte forderten mit deutlicher Mehrheit (23:1) nach erneuter Ortsbesichtigung mit Vertretern des Kreisbauamtes, des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim und der Unteren Naturschutzbehörde die Darstellung des Toilettenhäuschens ohne Umkleidekabinen, eine Aufstellung der Kosten für ein wintertaugliches WC, mindestens 75 Fahrradständer und eine weitere Zeichnung mit einem gedrehten Gebäude. Beim Kiosk kommt Architekt König auf 83 Quadratmeter, das 15,25 mal 5,50 Meter große Gebäude teilt sich auf in den Thekenbereich, Küche, Kühlung, Lager sowie Räume für Büro und Personal. Außerdem ist vor dem Baukörper eine überdachte Terrasse von rund 20 Quadratmeter vorgesehen. Das gegenüberliegende Toilettenhäuschen (49 Quadratmeter) soll laut dem jüngsten Beschluss so gedreht werden, dass es vom Badegelände aus einsehbar ist. Angesichts der hohen Kosten – König veranschlagte 396.000 Euro für die Gesamtmaßnahme und für die Bauten alleine 255.000 Euro – forderte das Gremium eine Planvariante ohne Umkleiden und nur mit Duschen und WC-Anlagen. Außerdem soll König bis zur November-Sitzung zusätzliche Einsparmöglichkeiten aufzeigen. Wovor CSU-Gemeinderat Robert Brack allerdings warnte: „Eines unserer schönsten Grundstücke sollte uns schon etwas wert sein, wir sollten hier nicht eine Billig-Bauweise wählen.“ Ein weiterer Knackpunkt ist nach wie vor die vom Landratsamt geforderten 20 Stellplätze am Seewinkel. Die SPD-Fraktion hatte dazu einen Antrag formuliert, der die sofortige Einstellung der Seewinkel-Planung und statt dessen die Einbeziehung des Bebauungsplans „Darchinger“ vorsah. „Das ist unsere letzte Chance, das Areal und vor allem die Stellplatzfrage ein für alle Mal so zu regeln, wie wir uns das vorstellen“, warb Wolfgang Schneider für den Antrag. Allerdings ebenso vergebens wie die Anwohner der Keramik-, Madeleine-Rouff- und Scheuermannstraße, die so lange einen Verzicht jeglicher Baumaßnahmen verlangten bis die Planungen mit den Auflagen des Bayerischen Naturschutzgesetzes und des Immissionsschutzgesetzes verglichen wurden. Sie befürchten einen stärker werdenden Parktourismus. Indes warnte Bürgermeister Schiller alle Parkplatzkritiker davor, dass es aus dem Landratsamt keine Genehmigung für die Seewinkel-Pläne geben werde, wenn nicht ausreichend Stellplätze vorhanden seien. Die „Freunde des Seewinkels“ bedauern in einer Pressemitteilung, dass die jetzige Strandbar nicht in die neue Planung integriert wird und auch nicht erhalten werden soll. Die Diskussion im Gemeinderat mache deutlich, „dass die Kosten für den Neubau mit einem günstigen Pachtvertrag nicht zu vereinbaren sind“, heißt es in der Mitteilung. Wenn es dem Gemeinderat um die Kosten ginge, so könnte das bestehende Gebäude deutlich günstiger erweitert werden. po

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