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Tiefengeothermie im Landkreis Starnberg: Kommunalwerk legt Positionspapier vor

Geothermie Herrsching
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Andechs Bürgermeister Georg Scheitz (von links), Vorstand der Wassergewinnung Vierseenland gKU Thomas Tinnes, Vorstand der AWA-Ammersee gKU Maximilian Bleimaier und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller fordern ein geologisches Gutachten für eine im Landkreis mögliche Geothermie Anlage.

Herrsching - „Grundsätzlich stehen wir regenerativer Energiegewinnung positiv gegenüber“, stellte Maximilian Bleimaier im Pressegespräch am Montag gleich zu Beginn fest. Allerdings äußerte der Vorstand des Kommunalwerks AWA-Ammersee Bedenken, dass das Trinkwasser im Fünfseenland durch eine Tiefengeothermie Anlage verunreinigt werden könnte - und ein solches Kraftwerke könnte irgendwo im Landkreis gebaut werden. Zumindest bekam Betreiber Josef Birner die Genehmigung, unter anderem im Landkreis nach möglichen Erdwärmequellen zu suchen.  

„Alle Technologien und Bauvorhaben in unserem Verbandsgebiet müssen zwingend vor dem Hintergrund des Wasserschutzes betrachtet werden“, betonten Bleimaier und der Vorstand der Wassergewinnung Vierseenland, Thomas Tinnes, in ihrem Positionspapier. Tinnes bemängelte im Pressegespräch die Informationspolitik der verantwortlichen Behörden. Denn die sogenannte Aufsuchungserlaubnis für eine potenzielle Anlage wurde bereits im November genehmigt. Mit dieser Genehmigung darf das Unternehmen Geothermie Ammersee in einem rund 208 Quadratkilometer großen Areal nach möglichen Erdwärmequellen suchen. Größtenteils liegt das Gebiet im Landkreis Starnberg, aber auch in Weilheim-Schongau und Landsberg am Lech. Ein privilegiertes Vorhaben für regenerative Wärme- und Stromgewinnung. Davon erfahren habe das Kommunalunternehmen aber erst kürzlich, kritisierte Tinnes. Die Anwesenden, darunter auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und Andechs Bürgermeister Georg Scheitz, fürchteten am Pressegespräch offen um das Trinkwasser in der Region und forderten deshalb vom Betreiber ein geologisches Gutachten.  

Das Trinkwasser könnte beim „Durchbohren verschiedener Grundwasserstockwerke oder durch potentiell austretendes, möglicherweise radioaktives Thermalwasser“ beeinträchtigt werden, ist im Positionspapier zu lesen. Birner habe bereits versichert, dass das nicht der Fall sei, so Bleimaier. Der Betreiber habe auf die mit Beton ummantelte Leitung verwiesen, die das Vermischen vom Thermalwasser und Trinkwasser verhindere. Im Beton „kann es immer zu Schäden kommen“, betonte hingegen Bleimaier. Und eine undichte Stelle könnte in einem Gebiet, in dem das Trinkwasser vor Ort gewonnen werde, verheerende Folgen haben. Erst im Dezember entstand eine Karte, in der das Trinkwassereinzugsgebiet und die Wasserschutzzonen eingezeichnet seien. Schiller, Verwaltungsratsvorsitzender der AWA, merkte an, dass es in Deutschland nur wenige Gebiete wie im Fünfseenland gibt, in denen das Trinkwasser nicht aufbereitet werden muss. Derzeit versorgen laut AWA 13 Brunnen und zwei Quellen rund 50.000 Bürger.

„Ein wenig beschwichtigt“ waren Tinnes und Bleimaier über den angepeilten Standort an der Seefelder Straße, der „nicht direkt zum Wasserschutzgebiet“ gehöre. Allerdings verwies Schiller auf die Nähe zum Ammersee, auf mögliche Trinkwasserströme und das nahe gelegene Wohngebiet, das auch durch die Geräusche der Anlage beeinträchtigt werden könnte. Den Standort könnte die Gemeinde allerdings verhindern, denn der Antragsteller bräuchte für sein Vorhaben noch zwei weitere Grundstücke, die in Gemeindebesitz seien, so Schiller. Ob die Gemeinde verkauft, würde der Gemeinderat im Februar in einer nicht öffentlichen Sitzung beschließen. Bedenken hatte Schiller auch bezüglich des Ortsbilds, schließlich befände sich das Kraftwerk direkt am Ortseingang. Und im schlimmsten Fall könnte die Anlage 40 Jahre lang dort stehen, denn so lange beträgt die durchschnittliche Laufzeit eines Geothermiekraftwerkes.  

 Lehnen die Räte den Verkauf ab, könnte der Betreiber auf eine andere Fläche ausweichen – mitten in der ausgewiesenen Vorbehaltsfläche für mögliches Grundwasser, gab Bleimaier zu Bedenken. Scheitz wies in seiner Funktion als Verwaltungsratsvorsitzender der Wassergewinnung Vierseenland darauf hin, dass Trinkwasser mehr denn je ein begrenztes und damit schützenswertes Gut sei. „Wir wollen uns der Geothermie nicht grundsätzlich verschließen“, betonte er.  Aber er hoffe, dass die Bedenken bezüglich des Wasserschutzes an den entscheidenden Stellen berücksichtigt würden. Man stehe dem Konzept regenerativer Energien grundsätzlich positiv gegenüber, schloss auch das Positionspapier. „Unsere Zustimmung findet das Projekt jedoch nur, solange eine negative Beeinträchtigung des Grundwassers in unserem Gewinnungsgebiet vollumfänglich ausgeschlossen werden kann.“

 Michèle Kirner

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