Traditionsunternehmen in der Krise

Die Zukunft der Starnberger Druckerei Jägerhuber ist ungewiss: Laut Presseberichten steckt der Familienbetrieb in der schwersten Krise der 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Dramatische Auftragseinbußen im vergangenen Jahr an Großaufträgen machen dem Unternehmen dem Vernehmen nach schwer zu schaffen.

Schuld an der Misere ist nicht nur der harte Preiskampf zwischen den Druckereien, wobei die Kleineren oft den Kürzeren ziehen, sondern auch der gesamte Strukturwandel in der Branche. So bietet inzwischen auch das Internet kostengünstig Drucke für jedermann. Wie es mit der Starnberger Druckerei Jägerhuber im Herzen der Kreisstadt nun weitergeht, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in den Sternen. Intern soll gerade an einem neuen Konzept gearbeitet werden – Druckaufträge werden auch weiterhin angenommen. Allerdings ist den neun Mitarbeitern bereits gekündigt worden. Die Druckerei Josef Jägerhuber – vormals Druckerei Land- und Seebote – ist die älteste Druckerei im Landkreis Starnberg. Seit dem 31. Dezember 1875 wurde hier die Tageszeitung „Land- und Seebote“ produziert und vom dazugehörigen Verlag vertrieben. 1947 übernahm der heutige Seniorchef, Josef Jägerhuber senior, die Leitung des Betriebes. Seit 1986 wird er von seinen Söhnen Josef Jägerhuber junior und Ludwig Jägerhuber unterstützt. Nachdem 1990 das allseits beliebte Heimatblatt „Land- und Seebote“ sein Erscheinen einstellen musste, stellt die Starnberger Traditionsdruckerei heute in ihrem Satz- und Druckbereich auf modernen Maschinen und Geräten Bücher, Zeitschriften, Broschüren, Zeitungen, Prospekte und Drucksachen aller Art für Industrie, Behörden sowie Privat her. Beispielsweise werden hier auch die Wahl-Stimmzettel für den Landkreis gedruckt. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Oberbayern ist im Übrigen 2009 gegenüber dem Vorjahr um über 20 Prozent von 1.301 auf 1.567 gestiegen. Wie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbv) mitteilt, waren von den Insolvenzen im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Beschäftigte betroffen. Im Jahr zuvor waren es noch 2.700. In ganz Bayern erhöhte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in 2009 gegenüber dem Vorjahr ebenfalls um 20 Prozent von 3.400 auf 3.950. Bayernweit waren davon 27.000 Arbeitnehmer betroffen (2008: 12.500). „Der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zeigt, dass die heimische Wirtschaft ein sehr schweres Jahr hinter sich hat“, so Thomas Benz, Vorsitzender der vbv-Bezirksgruppe München-Oberbayern. Mit einem Rückgang der Insolvenzzahlen in diesem Jahr rechnet er nicht. Die Krise sei noch nicht beendet, außer dem habe die Beschäftigungssicherung die finanziellen Reserven vieler Firmen aufgezehrt. Benz fordert, dem Anstieg der Firmeninsolvenzen entgegenzusteuern: „Im Kern gesunde Firmen müssen besser vor Insolvenzgefahren geschützt werden“, so der Vorsitzende. „Die aktuellen Abschreibungsregelungen benachteiligen ausgerechnet jene Unternehmen, die in den vergangenen Jahren stark investiert haben. Sie laufen Gefahr, dass ihre Bilanzen eine Überschuldung aufweisen, die real-ökonomisch nicht gerechtfertigt ist. Diese Überschuldung kann aber letztendlich zur Insolvenz führen - das ist absurd.“ Um diese Insolvenzen zu Verhindern, müssen laut Benz die Abschreibungsregeln für Sachanlagen vorübergehend an die reale Wirtschaftslage der Betriebe angepasst werden. „Ein gesundes Unternehmen, das im Jahr 2009 oder 2010 einen Umsatzeinbruch von über 15 Prozent gegenüber 2008 zu verzeichnen hat, sollte auf zwei Jahre begrenzt seine Abschreibungen auf Sachanlagen halbieren können. Diese nicht ausgewiesenen Wertminderungen würden auf ein Sonderkonto gebucht und erst nach Ablauf der zwei Jahre abgeschrieben“, so Benz. „So werden die Bilanzen an die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Unternehmens angepasst und die Verschuldung entsprechend sachgerecht vermindert. Zugleich kann dies auch die notwendige Kreditvergabe an die betroffenen Firmen erleichtern.“

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