Im Jahr 1903 wurde der Bahnhof in Wörthsee eröffnet - heute ist er in Privatbesitz

Traumhaft saniertes Ensemble

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Heute ist der Bahnhof in Privatbesitz und kann für Veranstaltungen angemietet werden.

Steinebach – Entlang der Bahnstrecke zwischen Gilching-Argelsried und Herrsching gibt es mehr oder weniger optimal genutzte Bahnhöfe. Die vielfältigen Möglichkeiten dieser historischen Bauten wurden als erstes in Steinebach erkannt. Es waren engagierte Jugendliche, die nicht locker ließen, ihn zum kulturellen Treffpunkt umzufunktionieren. Heute ist er in Privatbesitz und kann für Veranstaltungen angemietet werden.

Man schrieb das Jahr 1900 als sich ein Gerücht verbreitete, dass die neue Bahnlinie, die damals in Neuaubing endete, bis Herrsching weitergeführt werden soll. War 1896 noch die Rede davon, Stegen als Endstation vorzuziehen, kam plötzlich die Idee auf, die Bahn über Delling, südlich des Pilsensees nach Herrsching zu führen. Das wiederum wollten sich die Gemeinden am Wörthsee nicht gefallen lassen. Sie bildeten eine Interessengemeinschaft und schafften es schließlich, dass die Planer zwischen Weßling und Hechendorf eine Ausbuchtung vorsahen, um so auch die Bürger rund um den Wörthsee mitzunehmen. „Im Jahr 1902 wurde mit dem Durchstich der Meilinger Höhe zwischen Weßling und Steinebach begonnen“, erinnerte sich Hans Dietrich in Heft 2 des Arbeitskreises Heimatgeschichte der Gemeinde Wörthsee. Die Bauleitung habe zusätzlich 200 Arbeiter angeworben. Dietrich: „Ja, von da ab ist’s lebendig geworden bei uns. Notquartiere haben sie gebaut. Italiener, Kroaten, Schwaben und einheimische Arbeiter hielten Einzug. Zehn Pfennig musste jeder als Quartiergeld pro Nach bezahlen. Ein Kauderwelsch von Sprachen schwirrte von da an durch unseren Ort; wie beim Turmbau zu Babel ging’s zu. Auch Zechpreller fanden sich und manches Huhn landete in einem fremden Suppentopf.“ Nach Eröffnung der Bahn im Jahr 1903 dauerte es nicht lange, bis der Wörthsee von erholungshungrigen Großstädtern entdeckt wurde. Spätestens ab dem Jahr 1922, als Aloys Fleischmann sein berühmtes Strandbad mit Hotel eröffnete. „Die Verbindung von Sport und Unterhaltung machte das Bad zum führenden Seebad Bayerns. Die Bahnverbindung war einer der entscheidenden Faktoren für diese Entwicklung, vor allem, nachdem die Strecke 1925 elektrifiziert wurde“, heißt es in der Broschüre des Arbeitskreises. Um die Massen zu bewältigen, wurde an schönen Tagen der so genannte „Gläserne Zug“ eingesetzt, den Fleischmann extra bestellen musste und der die Badegäste auf direktem Wege vom Starnberger Bahnhof in München nach Steinebach brachte. Zusätzlich fuhren noch die regulären Züge und mindestens fünf Sonderzüge. Bis zu 3.000 Sonnenhungrige, die mit einer Musikkapelle vom Bahnhof abgeholt und zum Wörthsee gebracht wurden, genossen den Tag im Strandbad Fleischmann. Gegen 17 Uhr setzte sich der Menschzug wieder vom See zum Bahnhof in Bewegung. Die Wogen schlugen 1990 hoch, als der Bahnhof zum Preis von 795.000 Mark zum Verkauf stand. Die Gemeinde verzichtete mangels Finanzen auf den Ankauf. Es nutzte auch nichts, dass die Jugendlichem den Bahnhof zu einem provisorischen Kulturtreff umfunktionierten und bewiesen, dass sich einiges bewerkstelligen lasse. 1991 gründete sich im Fleischmann der Förderverein „Bahnhof Steinebach als Kultur- und Jugendzentrum“, der zahlreiche Veranstaltungen organisierte. Am 13. August 1991 lehnte der Gemeinderat mehrheitlich den Kauf ab. Seither ist der Bahnhof in privater Hand und war zwischenzeitlich auch eine gefragte Jazz- und Kleinkunstbühne. Heute kann das traumhaft sanierte Bahnhofs-Ensemble für Feste und Veranstaltungen angemietet werden. pop

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