BI Contra Amtstunnel - Pro Umfahrung

"Wir setzen unseren Kampf fort"

+

Starnberg – Ganz im Zeichen des am vergangenen Donnerstag zwischen Stadtvertretern und Oberster Baubehörde geführten Gesprächs zu den Themen B2-Tunnel und Realisierungschancen für eine Umfahrung Starnbergs stand am Sonntagnachmittag der Neujahrsempfang der Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI).

Alle Redner übten sich in Optimismus. Und der fußt auf Professor Peter Kirchhoff’s Aussage: „Der B2-Tunnel hat keine ausreichende Leistungsfähigkeit.“ BI-Vorsitzender Klaus Huber fasste in seiner Rede die Ergebnisse des Gespräches mit den Vertretern des Freistaates zusammen: Das Baurecht für den B2-Tunnel erlösche im September 2018. Der Freistaat werde dieses nicht verlängern, es sei denn, der Stadtrat ergreife „den Strohhalm“ und spreche sich noch vor Pfingsten für den Bau des Tunnels aus. Die Oberste Baubehörde habe versichert, selbst keine Umfahrung zu planen, da es die Tunnelplanung zur Verkehrsentlastung der Stadt gebe, so Huber. Auch habe sie kein Interesse an der ortsfernen Umfahrung, da sie den mittleren Ring Münchens als vorhandene Verbindung zwischen den Autobahnen A 96 (Lindau) und A 95 (Garmisch) ansehe. Bürgermeisterin Eva John sei von den Behördenvertretern empfohlen worden, wie ihr Amtsvorgänger Ferdinand Pfaffinger, zur Tunnelbefürworterin zu werden. John hatte am Freitag nach dem Gespräch in einer Pressemitteilung die „angenehme Arbeitsatmosphäre und den fachlich kompetenten Austausch“ über alle Varianten - vom Tunnel bis zu allen Umfahrungslösungen, die auf dem Tisch liegen - gelobt, aber auf die unterschiedlichen Interessen von Stadt und Freistaat hingewiesen, die nun auch Thema beim Neujahrsempfang der BI waren: Die Oberste Baubehörde verfolge in erster Linie die Verminderung des B2-Durchgangsverkehrs und setze deshalb auf den Tunnel. Ziel der Stadt, so John, sei aber eine Gesamtlösung, mit der sich die Verkehrsbelastung vermindern und das Aufkommen an Fahrzeugen verlagern und steuern lasse. Der Verkehrsentwicklungsplan solle deshalb Möglichkeiten zu weniger Lärm, Schmutz, aber besserer Aufenthaltsqualität sowie barrierefreien Straßenräumen aufzeigen, schrieb John. Kirchhoff, der wie berichtet, Ende vergangenen Jahres mit der BI als Lösungsvorschlag für die Starnberger Verkehrsprobleme eine Kombination von ortsferner und ortsnaher Umfahrung vorgeschlagen hatte, ist nach umfangreichem Studium vorhandener Daten zu dem Schluss gekommen: „Trotz angenommenem Bau des Innenstadttunnels wäre die Leistungsfähigkeit der Starnberger Ortsdurchfahrt schon bei dessen Genehmigung 2007 nicht ausreichend gewesen. Die Planfeststellung hätte deshalb nicht erfolgen dürfen.“ Das sei wie bei einer Brücke, sagte der Professor. Sei die Tragfähigkeit nicht nachgewiesen, dürfe die Brücke nicht genehmigt werden. Nach seinen Untersuchungen verlagert sich der tägliche Stau zur Spitzenbelastungszeit nach dem Tunnelbau lediglich, und zwar vom Tutzinger-Hof-Platz heute zu den Knotenpunkten Moos- und Petersbrunner Straße künftig. Kirchhoff prognostiziert für 2030 trotz vorhandenem Tunnel Staus auf dem Stück zwischen Tunnelmund am Gymnasium und Beginn des Autobahnastes A 952. Er setzte die nun von der BI, WPS, FDP und BMS unterstütze Kombination aus ortsferner und ortsnaher Umfahrungstrasse dagegen. Sein Ergebnis: Dies könnte fast den gesamten Durchgangsverkehr der B2 und der einmündenden Staatsstraßen, sowie Teile des hausgemachten Ziel- und Quellverkehrs aus der Stadt heraus verlagern. Weiterer Vorteil aus Sicht Kirchhoffs: Die Kosten betrügen, trotzdem der ortsnahe Teil der Variante einen 1,2 Kilometer langen Tunnel enthalten würde, nur 125 Millionen Euro, gegenüber 178 Millionen Euro für den B2-Tunnel. Der Unterschied werde noch größer, sollte realisiert werden, was einige Stadtratsfraktionen als Lösung anböten: Den Bau des Tunnels plus einer ortsfernen Umfahrung. Kirchhoff hält zwar den B2-Tunnel für verzichtbar, nicht aber die ortsferne Trasse, die in etwas anderer Form schon seit Jahrzehnten von der Bürgerliste (BLS) verfolgt wird. Sein Argument: Nur eine zusätzliche Würmbrücke bewirke, dass der überörtliche Verkehr die Stadt nicht mehr belaste. Bisher habe der nur zwei Wege, den Starnberger See zu überwinden – den über Starnberg oder den über Seeshaupt. Kirchhoffs Untersuchung ist auf der Homepage der BI unter www.pro-umfahrung.de einzusehen. Huber befand es als „schlimm“, dass die BI den Behörden diese „Dinge nachweisen“ müsse, statt dass diese „die nicht beseitigbaren Mängel“ des B2-Tunnels selbst sähen. Und er versicherte den Besuchern: „Wir setzen unseren Kampf fort, bis der Tunnel tot ist.“ Die „Basta-Haltung“ der Behörden werde bei der BI auf harten Widerstand treffen. John griff beim Neujahrsempfang „die Geschichte vom Spatz, der Taube und dem Strohhalm“ auf: Ihre Vorgänger im Amt hatten stets dem „Spatz in der Hand“ (genehmigter B2-Tunnel) Vorrang vor der „Taube auf dem Dach“ (Umfahrung, bisher ohne genehmigte Planunterlagen) gegeben. „Und wer nimmt einen Strohhalm?“, fragte sie mit Blick auf diesen Rat der Obersten Baubehörde: „Wer nichts Gescheites erwischt, hält eben auch an einem kleinen Strohhalm fest, so lange der noch schwimmt, im Wissen, dass der das nicht halten kann, was er verspricht.“ Der Tunnel bringe mehr Straßen, mehr Verkehr und längere Staus, kritisierte John. Fußgängerüberwege östlich des nördlichen Tunnelmundes würden von drei auf nur noch eine reduziert. „Noch mehr Dreck und Lärm in der Stadt, und acht Jahre Baustelle. Aus dem Strohhalm wird ein Baumstamm, der die Stadt erschlägt“, so John. Starnberg brauche keinen B2-Tunnel sondern Platz in der Stadt zum Leben, forderte die Rathauschefin und versprach, dass sie „nie Tunnelbefürworterin“ werde. FDP-Ortsvorsitzende Heike Barall-Quiring appellierte an die Bürger, sich nicht verunsichern zu lassen, und an die Stadträte, mit dem Wählerauftrag verantwortungsvoll umzugehen: „Wir brauchen eine Lösung für die Stadt, nicht das Katastrophenprojekt B2-Tunnel.“ Das werde auch Britta Hundesrügge, die Bundestagskandidatin der FDP, im Falle ihrer Wahl unterstützen. Hundesrügge war ebenfalls unter den Gästen des Neujahrsempfangs. BMS-Vorsitzender Josef Pfister kritisierte, dass seit Jahren alle Planungen für eine echte Entlastung der Stadt von politischen Mehrheiten blockiert worden seien. Und WPS-Vertreter Markus Mooser räumte ein seiner Meinung nach bestehendes Missverständnis aus dem Weg: „Die WPS steht nicht nur für eine ortsnahe Umfahrung, sondern für das Konzept von Professor Kirchhoff. Die belastbaren Unterlagen dazu haben wir der Obersten Baubehörde übergeben.“ Mooser zeigte sich zuversichtlich, dass die Oberste Baubehörde helfen werde, die Umfahrung in kommunaler Sonderbaulast, also als Projekt der Stadt mit finanzieller Unterstützung des Freistaates, zu realisieren. Jeder Stadtrat müsse nun sein Gewissen erforschen, ob er entscheide, wofür er gewählt worden sei, oder anders. Kein Grußwort kam von der BLS, die in den Wahlkämpfen 2014 und 2015 die Ziele der BI noch unterstützt hatte. Nicht zum Neujahrsempfang gekommen waren die aus der WPS ausgetretenen Angelika Kammerl und Sieglinde Loesti, jetzt Die ParteiFreien (DPF). Die Haltung der BLS- und DPF-Vertreter wird entscheidend sein, wenn CSU-Chef Stefan Frey wie angekündigt demnächst den Antrag in den Stadtrat einbringt, schnell zu entscheiden, dass die Stadt den B2-Tunnel haben will. Sicher ist ihm dabei die Unterstützung der Stadträte von SPD, Grünen und UWG, für die „der Tunnel der logische erste Schritt zu jeder Verkehrsentlastung Starnbergs“ ist. In ihrer Pressemitteilung betont die UWG, sich dafür einzusetzen, „dass die Stadt Starnberg die sich bietende Gelegenheit ergreift und zum Wohle der Stadt den raschen Baubeginn des Tunnels fordert“. Es gelte zwingend zu vemeiden, dass der Planfeststellungsbeschluss im kommenden Jahr auslaufe. „Wir halten es für unverantwortlich, eine vorhandene Lösung für die Verkehrsentlastung auszuschlagen, ohne dass tragfähige Alternativen nachgewiesen wurden“, so die UWG. Sollte sich eine Mehrheit für den Tunnel aussprechen, könnte nach Aussagen der Obersten Baubehörde jetzt mit der Bauvorbereitung begonnen werden. Schon Teilbaumaßnahmen hätten zur Folge, dass das Baurecht für den B2-Tunnel nicht mehr verjähren kann. Jedoch: Geld für das Gesamtprojekt müsste der Bund nicht zwangsläufig sofort bereit stellen. ib/sb

Auch interessant

Meistgelesen

Die Integrationshilfe Gilching expandiert
Die Integrationshilfe Gilching expandiert
Der Aubach soll wieder natürlich werden
Der Aubach soll wieder natürlich werden
Gilchinger Seniorenbeirat trifft den neuen Heimleiter Thomas Bonato
Gilchinger Seniorenbeirat trifft den neuen Heimleiter Thomas Bonato
Der Geschmack der Gerechtigkeit
Der Geschmack der Gerechtigkeit

Kommentare