Großer Festakt

Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

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Tutzing – Zu ganz besonderen Anlässen kann die Gemeinde Tutzing die ansonsten verpachtete Kustermann-Villa für eigene Veranstaltungen nutzen - und so einen ganz speziellen Grund gab es jetzt: Den Auftakt zu Tutzings 1275-jährigem Jubiläum, dass 365 Tage lang mit einer Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen gefeiert wird - inklusive der Tutzinger Fischerhochzeit, die normalerweise alle fünf Jahre stattfindet und zu Ehren des 1275. Geburtstages der Gemeinde vorgezogen worden ist.

Rund 120 Gäste drängten sich in den drei Etagen der denkmalgeschützten Villa, um auf den Beginn des Jubiläumsjahres an zu stoßen und erstmals „live“ das Brautpaar der Fischerhochzeit zu erleben. Denn wer die Akteure sind, wird in Tutzing gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Für den im wahrsten Sinne des Wortes lautstarken Startschuss sorgten indessen draußen im winterlich verschneiten Garten der Kustermann-Villa die Schützen der Tutzinger Gilde mit ihren Salutschüssen. Innen im Warmen hatte das Brautpaar der Fischerhochzeit dann seinen ersten offiziellen Auftritt. Zu historischen Klängen schritten Theresa Feldhütter (24 Jahre) und Benedikt Greif (25 Jahre) in ihrer Tracht die hochherrschaftliche Treppe der Kustermannvilla herunter - begleitet vom Applaus der Gäste. Die beiden spielen das Brautpaar bei dem Historienspiel, das als Höhepunkt des Jubiläumsjahres am 1. und 2. Juli stattfindet. Beide stammen aus alteingesessenen Tutzinger Familien und sind sich der Ehre bewusst. Greifs Uroma Maria Zyste spielte bei der ersten Aufführung der Fischerhochzeit im Jahr 1929 bereits die Braut. Bei der Fischerhochzeit 2017 ist die „Braut“ im richtigen Leben Sozialpädagogin und arbeitet in München mit Kindern, die spezielle Förderung brauchen. Ihr „Bräutigam“ arbeitet als Produktmanager. Bei ihrem ersten offiziellen Auftritt lächelten die beiden strahlend in die Kameras und nahmen gerührt die beiden roten Rosen entgegen, mit denen sich Bürgermeister Rudolf Krug für ihr Engagement bedankte. Seit 1929 wird die Trutziger Fischerhochzeit aufgeführt, die an die Zeit Napoleons um 1812 erinnert. Das Historienspiel erzählt die Geschichte des nach vielen Jahres vom Russlandfeldzug heimkehrenden Trutziger Bauernsohnes Michael Gröber, der endlich seine Liebste Veronika Bierbichler, Tochter eines Fischermisters von der anderen Seeseite, heiraten kann. Mit der Tutzinger Fischerhochzeit knüpft der Ort an seine Ursprünge als Fischersiedlung an und möchte alte Bräuche und Traditionen wach halten. Nach der Uraufführung Ende der 1920er Jahre mit vielen Darstellern aus dem Ort gab es eine Wiederholung im Jahr 1935. Danach folgte nach einer langen Pause eine dritte Aufführung im Jahre 1953. 1975 belebte die Gemeinde zusammen mit dem Heimat- und Volkstrachtenverein „Tutzinger Gilde“ und traditionsbewussten Familien das Spiel neu. Seitdem wird die Fischerhochzeit alle fünf Jahre gefeiert. Idee und Text stammen vom Heimatpfleger Josefranz Drummer (1887-1959). Unvergleichlich macht die Trutziger Fischerhochzeit, dass die Akteure allesamt Trutziger Bürger sind. Zudem muss das Brautpaar von einem alten Fischergeschlecht abstammen.

1275 Jahre Tutzing 

Dem Festakt in der Kustermann-Villa am vergangenen Sonntag bescheinigte Bürgermeister Krug „eine große Symbolkraft“. Er markiere nicht nur den Beginn eines besonderen Jahres für Tutzing, sondern solle auch vermitteln, was sich die Tutzinger für die weitere Entwicklung ihres Ortes wünschen und erhoffen würden. Gefeiert wird die erste urkundliche Erwähnung Tutzings vor 1275 Jahren. Mit dem Jubiläumsprogramm wolle man aber nicht nur in der Vergangenheit schwelgen, sondern das Ortsjubiläum auch als Chance und Impuls für die Zukunft nutzen. „Es geht uns nicht um Folklore, sondern darum, aus der Beschäftigung mit der Vergangenheit gute und möglichst die richtigen Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln“, so der Bürgermeister. Mit Hilfe der Jubiläumsveranstaltungen wolle man darüber nachdenken. Welche Entwicklungen wünschen sich die Trutziger für ihren Ort? Welche Entwicklungen sollten vielleicht korrigiert oder gar verhindert werden? Es gehe um gesellschaftliche Übereinkünfte wie Verantwortung, Solidarität, Anteilnahme und Gerechtigkeit unter Tutzings Bewohner. Die gesellschaftliche Stärke, die sich bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge gezeigt habe, brauche man nun auch, um die gestellte Aufgaben zu bewältigen. Zu diesen gehöre Wohnraum für untere und mittlere Einkommen und Arbeitsplätze zu schaffen, die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, die Bewältigung des Verkehrs und auch der Schutz der Umwelt, ein verantwortlicher Umgang mit dem Ortsbild und ein leistungsfähiges Bildungssystems. Laut Kulturreferentin Brigitte Grande hat Tutzing das „nötige Handwerkszeug“, um über Zukunftsfragen nachzudenken. Sie lobte die Trutziger Kultur- und Bildungslandschaft, in der eine große gesellschaftliche Kraft stecke. „Über Jahre hat sich ein vielseitiges und fast alle kulturellen Sparten bedienendes Kulturleben entwickelt“, so Grande. Diese angesichts der Größe des Ortes beeindruckende Kultur- und Bildungslandschaft sei das Ergebnis vieler: der Bildungseinrichtungen und Kulturschaffenden, aber auch der Vereine und Initiativen, der Kirchengemeinden und der vielen engagierten Bürger. Das Programm zum Trutziger Jubiläumsjahr ist vielfältig: Insgesamt 40 Veranstaltungen wird es geben - von Ausstellungen und Vorträgen zur Ortsgeschichte wie am Donnerstag, 16. Februar, zu „Wie Tutzing dem heiligen Benedikt geschenkt wurde“(19 Uhr in der Rathaustenne) - Kundgebungen zum Thema „Integration“ (Dienstag, 31. Januar, 18 Uhr im Roncalli-Haus) bis hin zu einer Schau über Hochzeitsbräuche „Liebe vergeht - Tagwerk besteht“ (ab 3. Juni im Trutziger Ortsmuseum). Ab 23. Juni sind Fotos von unvergesslichen Szenen der Fischerhochzeit im Rathaus zu sehen. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist die Festwoche von Donnerstag, 29. Juni bis Mittwoch, 5. Juli. Zum Start gibt es zwei Konzerte auf der Lindl-Wiese: Mit der Bayern-1-Band (am 29. Juni, Eintritt frei) sowie den „Bananafishbones“ am Freitag, 30. Juni, (Eintritt 14 Euro). Weitere Highlights sind neben der Fischerhochzeit am Samstag, 1., und Sonntag, 2. Juli, das Seefest am 29. Juli - die Lange Nacht der Tafel am Samstag,12. August (Brahmspromenade) oder die Kulturnacht am Freitag, 20. Oktober). aj

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