Tragischer Unfalltod

Freispruch: Fahrlässigkeit nicht nachweisbar

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Tutzing – Mit einem Freispruch endete am Starnberger Amtsgericht die strafrechtliche Aufarbeitung des tragischen Unfalltodes der sechsjährigen Daria S. aus Tutzing.

Das Mädchen war am 6. April 2011 an der Ecke Traubinger-/Oskar-Schüler-Straße von einem abbiegenden Lkw überrollt worden. Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Fahrer des Schwerlastfahrzeugs, ein 54-jähriger Mann aus Ottobeuren, sagte im Verfahren unter Tränen aus, er habe beim Abbiegen nach links vorschriftsmäßig in den Spiegel gesehen und die in dem Moment mit einem Tretroller querende Daria dennoch „nicht gesehen“. Von insgesamt sechs gehörten Zeugen hatte nur eine einzige den eigentlichen Unfall mitbekommen: Diese sagte aus, das auf dem rechten Bürgersteig die Traubinger Straße hinab rollende Mädchen habe vor dem Queren der Oskar-Schüler-Straße „unsicher und wacklig“ gewirkt und sei unentschlossen gewesen, ob es noch vor dem Lkw über die Straße gehen sollte oder dahinter. Die Beweisaufnahme ergab: Der achtjährige Bruder von Daria, ebenfalls mit einem Tretroller unterwegs, hatte die an dieser Stelle abgesenkte Stelle offenbar bereits überquert – Daria muss sich entschlossen haben, ihm noch vor dem abbiegenden Lastwagen zu folgen und geriet unter das rechte Vorderrad des Fahrzeugs. Ein Sachverständiger hatte versucht, das Geschehen minutiös zu simulieren und war in seinem umfangreichen Unfallgutachten zu dem Ergebnis gekommen: „Exakt rekonstruiert werden kann der Unfall nicht.“ Wie auch immer er die Parameter seiner Unfallsimulation ansetze, so der Gutachter, „es kommt einzig und allein auf die Blick-Strategie des Fahrers an – sieht er das Kind nicht, muss er sich fragen: Wo ist es?“ Aber auch wenn dieser sämtliche Spiegel des Lkws ständig im Auge gehabt hätte – es wäre ein Zeitraum von 0,6 Sekunden geblieben, während dessen die kleine Daria in keinem der Spiegel zu sehen gewesen war. Richterin Brigitte Braun gelangte – anders als der Vertreter der Nebenklage - zu der Überzeugung, dass es „keinen hinreichend sicheren Hinweis“ darauf gebe, „dass der Angeklagte den Unfall hätte vermeiden können.“ Die von den Zeugen beobachtete Unsicherheit und Unschlüssigkeit des kurz darauf tödlich verunglückten kleinen Mädchens deute indes darauf hin, so Braun, „dass ihr Bruder schon weg war“ - der wegen des vorfahrtberechtigten Verkehrs längere Zeit an der Kreuzung anhaltende Lkw-Fahrer hätte somit nicht mehr „zwei am Bordstein wartende Kinder“ im Gedächtnis haben können – er hatte ohnehin ausgesagt, beim Hinunterfahren der Traubinger Straße, also auch vor dem Unfall, das Mädchen nicht gesehen zu haben: Ein fahrlässiges Handeln sei ihm folglich nicht nachzuweisen. Darias Vater war als Nebenkläger dem Prozess fern geblieben: „Er ist dem hier psychisch nicht gewachsen“, erklärte sein Anwalt dem Gericht.  mps

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