Im Tutzinger Benedictus Krankenhaus fand erstmals das Projekt "Schüler leiten eine Station" statt

+

Tutzing – „Normalerweise läuft man als Schüler eher mit, als wirklich Verantwortung übertragen zu bekommen. Jetzt kann ich das Gesamtbild maßgeblich beeinflussen“, fasst Kathrin Reidel ein Projekt in Worte, das sich kürzlich auf den Fluren des Tutzinger Krankenhauses abgespielt hat.

Denn unter dem Motto „Schüler leiten eine Station“ fand im 3. Stock der Klinik eine Examensvorbereitungsmaßnahme der ganz besonderen Art statt. Als eine von 15 Gesundheits- und Krankenpflegeschülern im dritten und damit letzten Lehrjahr war die 19-Jährige mit ihren Mitschülern bis zum 1. April für insgesamt zwei Wochen für eine ganze Station verantwortlich. „Natürlich haben wir erfahrene Pflegekräfte als ‚Back-Ups‘ auf der Station, mit der die Schüler bei Unsicherheiten Rücksprache halten können. Und viele Dinge, wie die Medikamentengabe, finden ohnehin nach dem Vier-Augen-Prinzip statt“, erklärt Michael Rapp. Als oberster Ansprechpartner für die Tutzinger Gesundheits- und Krankenpflegeschüler hatte der zentrale Praxisanleiter des Benedictus Krankenhauses das Projekt ins Leben gerufen. „In wenigen Monaten, wenn sie ihre Prüfungen bestanden haben, sind die Schüler examinierte Pflegekräfte und müssen eigenständig auch schwierige Situationen meistern. Diesen Übergang möchten wir ihnen mit dem Projekt ‚Schüler leiten eine Station‘ erleichtern.“ Nachdem die Initiative seitens der Geschäftsführung grünes Licht bekommen hatte, konnte sich wer wollte als Stationsleitung bewerben. Drei von ihnen - Kathrin Reidel, Helena Winterholler und Ievgeniia Lukichova - waren somit zuständig für Schicht- und Dienstplan, Telefon, Bettenplanung, Bestellungen und was sonst noch Tag für Tag auf der Station 3A anfällt. Hier liegen die Patienten der Inneren Medizin, der Angiologie und Phlebologie sowie der Kardiologie. „Wir haben auf dieser Station eine relativ hohe Patientenfluktuation. Vor allem vor dem Thema Bettenplanung hatte ich entsprechend wirklich Respekt“, berichtet die 20-jährige Helena Winterholler. „Dass nun alles so gut klappt, lässt mich viel selbstbewusster sowohl in die Prüfungen als auch ins Berufsleben danach starten.“ „Natürlich brauchen wir manchmal noch Hilfe - gerade wenn wir vor einer Aufgabe stehen, die uns noch nie übertragen wurde, beispielsweise die Vorbereitung eines Patienten für einen Herzkatheter. Aber es herrscht eine immense Hilfsbereitschaft auf der Station und es klappte alles wie am Schnürchen“, so Reidel. Vor so viel Professionalität und reibungsloser Zusammenarbeit zog auch Praxisanleiter Michael Rapp den Hut. „Im Vorfeld des Projekts hatte ich durchaus die ein oder andere schlaflose Nacht. Jetzt aber bin ich selbst ganz positiv überrascht – vor allem von dem Know-How, das unsere jungen Schüler bereits mitbringen. Wir bekommen von den zuständigen Ärzten, aber auch von den Patienten, extrem positives Feedback.“ Und tatsächlich: Die tägliche „Ich kann das ja wirklich!“-Erfahrung ist für die teilnehmenden Schüler oberste Motivation. Wenn beispielsweise eine Patientin nach dem gefürchteten Verbandswechsel ihre Dankbarkeit äußert. Oder telefonische Rückfragen aus dem Haus kompetent beantwortet werden können. Oder sich der Arzt bei der Visite nicht mit einer erfahrenen, bereits examinierten Pflegekraft besprechen möchte. „Das Gefühl, gute Arbeit zu leisten, ist wirklich befriedigend. Etwas besseres, als dieses Projekt hätte uns sowohl persönlich als auch im Zuge der Examensvorbereitung nicht passieren können“, so Winterholler. Dass das Projekt heuer nur der Startschuss war, ist auch für die Klinikleitung völlig klar. „Wir sind sehr stolz, was unsere Schüler zu leisten in der Lage sind“, so Geschäftsführer Simon Machnik. „Diese tolle Erfahrung möchten wir selbstverständlich auch den folgenden Jahrgängen nicht vorenthalten. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle, die sich für das Projekt ‚Schüler leiten eine Station‘ stark gemacht, es unterstützt und es zu einem solchen Erfolg geführt haben.“ Und Pflegedienstleitung Heidi Mader ergänzt: „In Tutzing und Feldafing sind wir bemüht, eine besonders praxisnahe Ausbildung anzubieten und junge Menschen an den faszinierenden Pflegeberuf heranzuführen. Für Interessierte gibt es sogar im Herbst noch ein paar wenige Ausbildungsstellen zu besetzen.“ sb

Auch interessant

Meistgelesen

Aidenried soll "Hotspot" werden
Aidenried soll "Hotspot" werden
Gilchinger Montessori-Schüler haben ihr neues Domizil in Besitz genommen
Gilchinger Montessori-Schüler haben ihr neues Domizil in Besitz genommen
Symbiose von Literatur und Ortschaft
Symbiose von Literatur und Ortschaft
Betten-Burg statt Auto-Haus
Betten-Burg statt Auto-Haus

Kommentare