Tutzinger Brahmstage: Ein Juwel unter den Klassikfestivals

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Tutzing – Sie haben sich mittlerweile zu einem Anziehungspunkt für Klassikfreunde und Brahms-Fans weit über die Region des Fünf-Seen-Landes hinaus entwickelt und begehen nun ihr 20-jähriges Jubiläum: die Tutzinger Brahmstage.

Anlässlich des 100. Todestages des berühmten Komponisten im Jahr 1997 gegründet, haben sich die Brahmstage in der Westufergemeinde zu einem Juwel unter den Klassikfestivals entwickelt. Zum Jubiläum kommen heuer vom 15. bis 29. Oktober ausschließlich Werke des Meisters zur Aufführung, die er allesamt im Sommer 1873 in Tutzing komponiert hat. Das Jubiläum wird gebührend mit berühmten Künstlern wie Franz Hawlate, dem Mandelring-Quartett oder dem Duo d‘Accord sowie einem besonderen Programmkonzept gefeiert: Erstmals werden in fünf Konzerten ausschließlich Werke von Johannes Brahms aufgeführt. „Das war eigentlich auch schon 1997 so geplant, aber dann sagte ein Streichquartett kurzfristig ab und der Ersatz spielte dann Werke von Schumann“, erinnert sich Thomas Zagel, 2. Vorsitzender des Freundeskreises Tutzinger Brahmstage. Darüber hinaus sind alle in Tutzing komponierten Werke des Meisters in den Programmen enthalten: die Haydn-Variationen op. 56, die Lieder und Gesänge op. 59 und die beiden Streichquartette op. 51. Abschluss und Höhepunkt des diesjährigen Konzertreigens bildet „Ein deutsches Requiem“ op. 45 mit Chor und Orchester, das der Durchbruch für den gerade 33-jährigen Komponisten und eines seiner populärsten Werke werden sollte. Das zweiwöchige Festival findet jedes Jahr im Oktober statt. Hauptspielstätte ist der prunkvolle historische Festsaal von Schloss Tutzing - zugleich Sitz der Evangelischen Akademie. Seit dem Gründungsjahr traten in 100 Konzerten und Veranstaltungen bislang 224 Künstler auf. Veranstalter ist der Freundeskreis Tutzinger Brahmstage - seit 2009 in Kooperation von KunstRäume am See von Elisabeth Carr. Eigens zum Jubiläum ist auch erstmals eine 208 Seiten starke, reich bebilderte Festschrift erhältlich, die Brahms Aufenthalt in Tutzing und die Konzertchroniken der vergangenen beiden Jahrzehnte dokumentiert. Die Idee dazu hatte Freundeskreisvorsitzende Gisela Aigner, umgesetzt wurde sie von der freien Journalistin, Fotografin und promovierten Kunsthistorikerin Ulrike Mertz. In Bild und Wort lebendig wird die Begegnung von Johannes Brahms mit Clara und Robert Schumann und der Sommer 1873, in dem Brahms inspiriert von der Landschaft und animiert von Künstlerfreunden im Pavillon des Sängerehepaares Therese und Heinrich Vogl, seine „Tutzinger“ Werke komponierte. Erhältlich ist die Festschrift zum Preis von 29,90 Euro an den Konzertabenden und im örtlichen Buchhandel. 

Eröffnet werden die Tutzinger Brahmstage am Sonntag, 15. Oktober, um 18 Uhr im historischen Festsaal des Schlosses Tutzing von dem Duo d‘Accord. Das von den Pianisten Sebastian Euler und Lucia Huang gebildete Duo überzeugt durch Spielwitz und pianistische Brillanz und bringt in Tutzing unter anderem die Haydn-Variationen op. 56 zu Gehör. 

Drei Tage später, am Mittwoch, 18. Oktober, interpretiert das Mandelring Quartett - es gilt als eines der besten der Welt - drei Streichquartette, von denen zwei (c-Moll und a-Moll op. 51) in Tutzing entstanden sind. Beginn im Festsaal ist um 20 Uhr. 

Am Sonntag, 22. Oktober, kann das Publikum zunächst im Film „Aimez-vous Brahms?“, einem Paris-Klassiker aus dem Jahr 1961 mit Ingrid Bergmann und Anthony Perkins schwelgen und zwar um 11 Uhr im Tutzinger Kurtheater. Am Abend dann geben um 18 Uhr im Festsaal der Bariton Christoph Pohl von der Semper Oper Dresden und sein Klavier-Begleiter Tobias Krampen die Lieder und Gesänge op. 59 zum Besten, die Brahms während seines Tutzing-Aufenthalts komponierte. 

Beim Crossover-Projekt „Brahms meets Jazz“ stehen sich am Freitag, 22. Oktober, um 19 Uhr in der Aula des Tutzinger Gymnasiums wie schon in den vergangenen Jahren das Max Grosch Quartet und das Diogenes Quartett gegenüber und lassen bekannte Brahms-Werke zunächst im vertrauten Original erklingen, um sodann Klassik und Jazz zu einer verblüffend-kongenialen neuen Musikwelt zu verschmelzen. 

Den Abschluss und fulminanten Höhepunkt bildet am Sonntag, 29. Oktober, um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Joseph dann das „Deutsche Requiem“ op. 45 mit dem Opernstar Franz Hawlata und der Sopranistin Felicitas Fuchs als Solisten. Es schlägt einen programmatischen Bogen zum Gründungsjahr der Brahmstage: Bereits 1997 wurde es am gleichen Ort aufgeführt. Helene von Rechenberg dirigiert das Philharmonische Orchester Stringendo und den Brahms-Festivalcor, der aus drei Chören aus Tutzing, Pöcking und Ottobrunn gebildet wird. 

Weitere Informationen zum Programm und den Ticketpreisen gibt es im Internet unter www.tutzinger-brahmstage.de. Karten sind im Vorverkauf in der Buchhandlung Held (Hauptstraße 70 in Tutzing), der Tourist Information Starnberg (Hauptstraße 1) sowie bei KunstRäume am See per Mail: kontakt@kunstraeume-am-see.de erhältlich. sb

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