Aus dem Gericht

Tutzinger wickelte Erotik-Chats im Internet über Fremd-Adressen ab

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Tutzing - Der Mann war 2015 schon einmal wegen 38 Fällen des „Computer-Betrugs“ zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden, diese war aber widerrufen und in eine Vollzugsstrafe umgewandelt worden, weil er die 1.500 Euro Geldauflage nicht bezahlt hatte. Nun saß er wegen weiterer vier Fälle gleichen Delikts erneut vor Gericht und verlas eine emotional gefärbte Erklärung des Bedauerns.

„Ich möchte mich bei allen Menschen, die ich geschädigt habe, aus tiefster Reue und Seele entschuldigen“, so der 30-jährige Tutzinger, der zur Verhandlung bei Amtsrichterin Brigitte Braun von Polizeibeamten aus der Haft vorgeführt werden musste. Der Tutzinger hatte für Erotik-Chats im Internet und deren Bezahlung mehrere gekaperte Fremdadressen und -Konten benutzt, war aber nach der Strafanzeige durch eine Kölnerin aufgeflogen, weil er seine eigene Handy-Telefonnummer angegeben hatte. „Dass Sie mich ein zweites Mal anklagen, kann ich voll und ganz nachvollziehen, denn für meine Dummheit muss ich bestraft werden. Ich bereue jeden verdammten Moment“, sagte der gelernte Bäcker- und Konditormeister und bat um eine letzte Chance. Dass er laut Staatsanwältin „nur neun Tage nach seiner letzten einschlägigen Verurteilung“ und vor Strafantritt genau dort wieder angeknüpft hatte, wo er kurz zuvor aufgehört hatte, erklärte der Angeklagte mit Geschehnissen, die bei ihm seinerzeit „ein seelisches Tief“ ausgelöst hatten: Die schwere Erkrankung des Vaters, Überlastung durch „15, 16 Stunden täglicher Arbeit“, schließlich Verlust seiner Arbeitsstelle als Bäcker. „Kleine Bäckereien können sich heute keinen Bäckermeister mehr leisten“, erklärte der 30-Jährige, warum er keine neue Anstellung mehr gefunden hatte und in seinem „Tief“ versunken war. Im Strafverfahren vor der ersten Verurteilung hatte ein Gutachter dem Tutzinger damals kein suchtartiges Verhalten bescheinigen können, weswegen es letztlich auch zur Haft-strafe gekommen war. Der in den 38 Fällen des Computer-Betrugs vor 2015 angerichtete Schaden belief sich auf 2.470 Euro, der jetzige (in vier Fällen) auf nur 200 Euro, was die Anklagevertreterin als „relativ gering“ einstufte. Nicht so recht abnehmen mochte sie dem Wiederholungstäter sein pathetisches Geständnis: „So was haben Sie schon damals abgelegt!“ Wegen der „nicht positiven Prognose“ für den Tutzinger forderte sie erneute 18 Monate Vollzugstrafe, während Verteidiger Stefan Dornow auf Geld- beziehungsweise Bewährungsstrafe für seinen Mandanten abzielte: „Der Staat sollte kein Interesse an einer weiteren Haftstrafe haben, sondern vielmehr den Aspekt der Vorbeugung im Auge haben – durchs gegenwärtige Absitzen seiner ersten Strafe wird ihm bereits vor Augen geführt, wie das so läuft – Einsicht ist vorhanden.“ Richterin Braun verurteilte den Angeklagten zu 10 Monaten auf Bewährung, verbunden mit der Auflage, 400 Euro in Raten an den Verein „Gefangenenhilfe“ zu zahlen. Braun wurde gleichwohl deutlich gegenüber dem Tutzinger: „Ihre Rückfallgeschwindigkeit macht es wirklich schwierig zu sagen, dass Sie das erste Urteil beeindruckt hat.“

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