U-Bahn von hohem Nutzen

Wieviele Fahrgäste werden täglich einmal in Martinsried in die U 6 steigen? Welchen Zuwachs an Pendlern wird die Campus-Erweiterung bringen? Und wie wird sich das Reiseverhalten in der Region durch die neue U-Bahnanbindung verändern? Diese Fragen und vieles mehr wurde vom Büro Intraplan Consult in einer Nutzen-Kosten-Untersuchungen (NKU) ermittelt und dem Gemeinderat in der Sitzung vor der Sommerpause vorgestellt. Darüber hinaus präsentierte der MVV sein Gutachten für eine Park and Ride-Anlage am künftigen U-Bahnhof.

Bereits heute nutzen zwischen der Münchner Innenstadt und Großhadern täglich 27.200 Personen die U 6, weitere 11.100 fahren weiter bis zum Endhaltepunkt Klinikum Großhadern. Etwa 5.600 Fahrgäste wechseln in Großhadern das Verkehrsmittel und fahren mit dem Bus weiter in Richtung Planegg und zur S-Bahn. Wolfgang Schneider von Intraplan geht davon aus, dass nach Fertigstellung der U-Bahn nach Martinsried allein zwischen dem Klinikum und dem Planegger Ortsteil noch einmal täglich 10.100 Pendler hinzukommen werden. Der erweiterte Campus für Biotechnologie sei in seinen Erhebungen noch gar nicht berücksichtigt, erläuterte der dem Gemeinderat, „mit einem deutlichen Zuwachs ist aber zu rechnen“. Aufgrund der günstigen der günstigen Kosten-Nutzen-Indikators von 1,32 (muss immer über 1,0 liegen, d.Red.), haben bereits das Bundesverkehrsministerium und das bayerische Wirtschaftsministerium ihre Zustimmung gegeben. Auch der Landkreis München hat zwischenzeitlich die Verlängerung verabschiedet. Bauträger ist die Gemeinde Planegg. Die etwas abstrakten Zahlen gehen von einem „Gesamtnutzen“ (Schneider) von 2,81 Millionen Euro im Jahr aus, dem gegenüber stehen die Kosten von 2,31 Millionen Euro inklusive Kapitaldienst. Durch den U-Bahnanschluss werden sich die Verkehrsströme in Planegg und Martinsried verändern. „Sie werden keine signifikante Verkehrsentlastung durch die U-Bahn spüren“, dämpfte Schneider all zu hohe Erwartungen und machte deutlich, dass die U-Bahn Verkehr aus der Nachbarschaft anziehen werde. Insgesamt sei aber mit einer Reduzierung des „Individualverkehrs“ zu rechnen, also mit all jenen Berufspendlern, die heute mit dem eigenen Auto in die Arbeit führen, so Schneider. Deshalb müsse auch über eine neue Vertaktung der 266er-Buslinie nachgedacht werden. Die Münchner Verkehrsbetriebe hätten außerdem angekündigt, den neuen Endhaltpunkt Martinsried in das Ringesystem (4) einzubinden und nicht einen weiteren hinzuzufügen. Das macht Wochen- und Monatstickets attraktiver, denn viele fahren heute bis Großhadern, um sich einen Ring zu sparen. Übrigens: Mit deutlichen Einsparungen ist bei den Spritkosten der Busflotte zu rechnen – rund 140.000 Euro jährlich. Eine nicht minder umfangreiche Untersuchung hatte in den vergangenen Monaten der MVV für ein künftiges Parkraum-Management vorgenommen. „Es genügt nicht, einen Parkplatz zu bauen, sie müssen sich überlegen, wie sie die Verkehrsströme steuern wollen“, erläuterte Markus Haller von den Verkehrsbetrieben dem Gemeinderat. Und zählte eine ganze Reihe von Überlegungen auf, die er in seiner Untersuchung berücksichtigt hat. Etwa die Lage einer künftigen P+R-Anlage (westlich oder östlich des U-Bahnhofs), mögliche Busanbindungen oder die Entfernung zu benachbarten U-Bahnhöfen sowie die Größe dortiger Parkflächen. Was die Gemeinde ebenfalls steuern kann, ist „die Art der Verkehrsteilnehmer“, betonte Haller. „Bauen sie überhaupt keine Pkw-Stellplätze, werden sie entweder im Umfeld ein Chaos haben oder nur Fußgänger und Radfahrer anziehen.“ In einem Radius von zehn Kilometern kämen seiner Einschätzung zufolge rund ein Drittel aller Fahrgäste aus dem benachbarten Krailling, 22 Prozent aus Planegg, genauso viele aus Gauting und Stockdorf und immerhin noch sechs Prozent aus Germering. Dies hänge schlicht vom Ziel in der Innenstadt ab. Aufgrund der günstigen Nähe zu zahlreichen Wohngebieten sollten auch ausreichend Bike and Ride-Plätze eingerichtet werden. Aus dem Einzugsbereich von drei Kilometern würden sich die Pendler vor allem mit dem Fahrrad in Richtung U-Bahnhof auf dem Weg machen. Haller empfahl dem Gemeinderat schließlich eine P+R-Anlage mit 50 Stellplätzen. 100 und mehr zöge nur Verkehr an und würde einem weiteren Ziel Planeggs, nämlich den innerörtlichen Verkehr zu reduzieren, zuwider laufen, so Haller weiter. Alternativ kann sich der Verkehrsexperte auch einen kompletten Verzicht einer P+R-Anlage vorstellen. Eine verbesserte Anbindung an das Radwegenetz und ein großer und komfortabler Fahrradabstellplatz im Zugangsbereich könnte die Pendler gleich Zuhause zum Verzicht auf die „ersten paar 100 Meter“ im eigenen Auto bewegen. Eine Entscheidung will der Gemeinderat noch in diesem Jahr treffen. „Das ist ein guter Einstieg für unsere Diskussion“, wertete Bürgermeisterin Annemarie Detsch die Ausführungen zur P+R-Anlage.

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