Umweltplakate auf Starnberger Kanonenhaus

"Dieses Plakat ist so erbärmlich wie unsere Umweltpolitik"

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"Die letzte Bastion" mit den Umweltplakaten. 

Starnberg – Wenn man dieser Tage durch Starnberg schlendert, fällt einem „die letzte Bastion“ – das Kunststück des Pforzheimer Künstlers Andreas Sarow an der Hauptstraße 12 - noch einmal mehr ins Auge. Seit Dienstagabend (24. September) hängen an dem knallroten Haus selbstgemalte Klimaplakate.

Es gibt lustige Sprüche wie „The world is hotter than my boyfriend“, was auf Deutsch so viel heißt, wie „die Welt ist heißer als mein fester Freund“. Ein anderes trägt den Schriftzug „dieses Plakat ist so erbärmlich wie unsere Umweltpolitik“. Es gibt aber auch Plakate, die zum Beispiel eine traurige Welt mit Verletzungen zeigen, die das Bild einer gesunden Welt in Händen hält. Aber woher kommen diese Plakate und warum genau hängen sie am „Kanonenhaus“?

„Es war schon bemerkenswert, dass es alle so umgesetzt haben"

Am Freitag, 20. September, gab es wie in vielen weiteren deutschen Städten auch eine „Fridays for future“-Demo auf dem Kirchplatz in Starnberg, bei der rund 300 Teilnehmer gezählt wurden. „Die Plakate wurden am Freitag aber auch bei unserer 24-Stunden-Mahnwache von Samstag auf Sonntag gemacht“, sagt Nadine de March. Die 31-Jährige ist Initiatorin von „Starnberg for future“ und hat mit ihren zahlreichen Aktionen schon viel Aufmerksamkeit im Landkreis gewonnen. Die meisten der Plakate wurden von Jugendlichen gemalt, die allesamt den Klimanotstand verbildlichten: „Es war schon bemerkenswert, dass es alle so umgesetzt haben, dass unsere Umwelt bereits viel Schaden genommen hat. Man hat bei den Jugendlichen richtig gemerkt, dass da so eine Angst oder Sorge da ist“, berichtet die 31-Jährige. Am Dienstagabend wurden die gesammelten Plakate schließlich am Kanonenhaus angebracht.

Ein Plakat zeigt eine "verletzte Welt".


„Wir streben keine Klage an"

Zu der Aktion befragt, äußert sich Künstler Andreas Sarow etwas gespalten: „Ich habe ausdrücklich gesagt, dass ich das nicht unterstütze, aber auch nicht dagegen vorgehen werde. Meiner Meinung nach muss es Kunst im öffentlichen Raum aushalten, dass andere es in Beschlag nehmen und für ihre Belange nutzen.“ Eigentümer Michael Mükusch schließt sich dem Pforzheimer an: „Wir streben keine Klage an. Es ist eben eine große Pressemöglichkeit und momentan ein großes Credo für Starnberg. Die, die es aufgehängt haben, haben sich sicher überlegt, warum sie es dahin hängen.“

Warum genau denn nun das Kanonenhaus? Diese Frage beantwortet de March so: „Zum Einen haben wir uns das Haus ausgesucht, weil wahnsinnig viele Leute vorbei kommen und es da einfach sehr gut gesehen werden kann. Außerdem fanden wir, dass es von der Metapher her ganz gut passt. Das Haus zeigt eine Abwehrhaltung und den Kampf um Aufmerksamkeit.“ Was mit den Plakaten geschieht, wenn das Kanonenhaus Anfang Oktober abgerissen wird, ist noch unklar. 

Petition zur Ausrufung des Klimanotstands im Landkreis Starnberg

Mit „Starnberg for Future“ hat die Studentin in Starnberg schon einiges erreicht. Den Beschluss etwas zu tun, hat die 31-Jährige Ende Juli gefasst, nachdem im Kreistag die Ausrufung des Klimanotstands abgelehnt wurde: „Ich habe gemerkt, hier passiert einfach nichts, was ein bisschen Aufmerksamkeit bringt.“ Neben zahlreichen Veranstaltungen wie einem RamaDama auf dem Kirchplatz oder der 24 Stunden Mahnwache gibt es auf der Internetseite einen Forderungskatalog, in dem zum Beispiel Recycling-Papier in allen öffentlichen Einrichtungen sowie eine Begrünungspflicht gefordert wird. Außerdem gibt es eine Petition zur Ausrufung des Klimanotstands im Landkreis Starnberg, die von über 200 Menschen unterschrieben wurde. 

Weitere Infos gibt es unter www.starnberg4future.de.

Von Lisa Livancic

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