Ungeplante Hausgeburt mit sechsjähriger Helferin geht gut aus

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Herrsching – Bewusst entscheiden sich Andreas und Miriam L. gegen eine Hausgeburt – was ein typischer Fall ist von: „Es kommt immer anders als man denkt“.

Malia erblickt am 18. Juli in der Dusche eines kleinen Hauses in Herrsching das Licht dieser Welt. Und bei der Entbindung steht der Mutter die sechsjährige Erstgeborene bei. Kurz zögert Andreas L. noch, bevor er zwei Wochen vor dem angekündigten Geburtstermin die Geschäftsreise nach Berlin antritt. „In den 30 Stunden, in denen ich weg bin, wird wohl nichts passieren“, redet er sich ein und fährt los - und nur wenige Stunden später, morgens um 2.30 Uhr, reißen die hochschwangere Miriam L. Schmerzen aus dem Bett. Vorwehen, vermutet sie und setzt sich in die Badewanne. Die Gebärmutter beruhigt sich und sie legt sich wieder hin. Exakt zwei Stunden lang, denn dann geht’s wieder los. Diesmal so heftig, wie nur echte Geburtswehen sein können. Der Plan war, dass sie in diesem Fall die Freundin anruft, damit die sie ins Krankenhaus fährt. Nur hat das Handy der Freundin kein Netz und einen Plan B gibt es nicht. Miriam L. wählt die Nummer ihres Mannes. „Ich war sofort hellwach und sagte, sie solle die Kinder ins Auto packen und selber ins Krankenhaus fahren“, erinnert er sich. „Spinnst Du! Ich kann doch jetzt nicht Auto fahren“, so die Antwort zwischen den Schmerzschreien. Nervös wählt der werdende Vater die 112 und landet in der Notrufzentrale in Berlin, von wo aus er nach München und von dort nach Fürstenfeldbruck weitergeleitet wird. Unterdessen beschließt seine Frau, das Kind im Erdgeschoss in der Badewanne zu gebären – und weckt mit ihren Schreien Marlon (18 Monate) und Ella (6) auf. Also raus aus der Badewanne und hoch zum Nachwuchs. Ella beruhigt den kleinen Bruder und nimmt ihn auf den Arm, folgt der Mutter in die Dusche und beobachtet fasziniert, wie sie das Geschwister mit jeder Wehe ein bisschen weiter durch den Geburtskanal presst. „Sie ist total cool geblieben“, staunt der Vater über seine Tochter, die ihrer Mutter irgendwann beruhigend zuruft: „Es kommt schon.“ 

Cool bleibt auch die frischgebackene dreifache Mutter, die die kleine Malia nach der finalen Presswehe auffängt und in das Badetuch wickelt, das ihr Ella reicht. Wie genau die drei ins Erdgeschoss kommen, wo sie auf dem Sofa auf den Notarzt warten, weiß heute keiner mehr so wirklich. Aber unvergessen bleibt der Satz „Sie ist da“, mit dem Miriam L. – unterdessen ganz ruhig - ihrem Mann die Geburt mitteilt. Der versteht aber in der Aufregung sowas wie „Es kommt jetzt“. Entsprechend groß die Überraschung, als er kurz darauf ein Foto des Neugeborenen auf‘s Handy kriegt. „Ich hab‘ Dir doch gesagt, das Kind ist da“, begegnet Miriam L. seinem Staunen. Und: „Hier schaut’s ziemlich wild aus!“ Damit hat sie nicht zu viel versprochen, denn als Andreas L. früh morgens sein Haus erreicht, trifft ihn fast der Schlag: „Es hat ausgesehen wie im Horrorfilm: Überall war Blut.“ Die Nacht verbringt die kleine Familie im Klinikum Starnberg. Dort holt der Vater erst die beiden „Großen“ und später Frau und den jüngsten Nachwuchs ab. Ende gut, alles gut. Aber raten würde er so eine Geburt niemandem, betont er im Gespräch. Ella ihrerseits ist über diese Hausgeburt-aus-Versehen mehr als glücklich. Denn schon bei Marlons Geburt wollte sie dabei sein, durfte aber nicht. Und jetzt war sie nicht nur dabei, sondern stand ihrer Mutter im wahrsten Sinne als Hebamme zur Seite. mk

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