"Unschöne" Wolke an Feinstaub

Wollen kein Biomasse Kraftwerk in der Gartenstadt Gräfelfing: (v.l.) Guido Löbel, Johann Uhl, Diethard Sillert, Peter Bochskandl und Horst Römmelt. Foto: Kuhn

Mit einer Unterschriftenaktion ruft eine parteilose Gruppe von Gräfelfinger Bürgern ihre Mitbürger zum Bürgerbegehren „Kein Heizkraftwerk in Gräfelfing“ auf. Das geplante Biomasse-Heizkraftwerk in der Kiesgrube Glück stößt vor allem auf Kritik bei Diplom Chemiker Horst Römmelt und dem Kinderarzt Johann Uhl. Gemeinsam mit Franz Lang haben sie eine Unterschriftenaktion initiiert.

Römmelt hat in Deutschland den Umweltschutz maßgeblich mit aufgebaut. „Wir haben uns intensiv mit den Folgen des Biomasse-HKW auseinandergesetzt. Wir sind auch nicht irgendwer, sondern sehen uns als Experten auf unserem Gebiet.“ Seine Kritik an dem Biomasse-Heizkraftwerk bezieht sich auf drei wesentliche Gesichtpunkte: Optik, Toxität und Wirtschaftlichkeit beziehungsweise Nachhaltigkeit. Abgesehen von einer „unschönen“ Wolke an Feinstaub, sei diese an Abgasen hoch belastet und könne giftig sein, so Römmelt. „Feinstaub ist nicht zu 100 Prozent filterbar, wie auch bestimmte Gase.“ Außerdem befürchtet er, dass die Holzhackschnitzel in den benötigten Mengen in der näheren Umgebung nicht zu beschaffen sind und somit keine gesicherte Materialversorgung gegeben ist. „Das ganze Abfallholz vom Forstenrieder Park reicht nicht aus, um das Heizkraftwerk jährlich zu beheizen.“ Die Rede ist von 3.000 Tonnen Abfallholz, das Heizkraftwerk benötige aber mit 15.000 Tonnen die fünffache Menge, sagt Römmelt. Zum Thema Nachhaltigkeit kritisiert Römmelt weiter: „Was in einem Jahr an Abfallholz verheizt wird, braucht 80 Jahre zum Nachwachsen.“ Um gemeinsam ein Bürgerbegehren zu erreichen, werden die Unterschrift von neun Prozent aller Gräfelfinger Bürger benötigt. Das sind rund 1.000 Unterschriften, so Römmelt. „30 bis 40 Prozent haben wir bereits.“ Weitere Aktionen sind geplant. Alle Bürger sollen auch angeschrieben werden. Für ihn und die beiden anderen Initiatoren ist es unverständlich, dass entgegen aller Vernunft ein Biomasse Kraftwerk für Strom und Wärmeerzeugung im Ort errichtet werden muss. „Wissenschaftliche Untersuchen belegen, dass gesundheitsschädliche Abgase und Feinstaub unsere Gesundheit belastet“, unterstreicht der Mediziner Johann Uhl. Insbesondere die Nanoteilchen im Feinstaub, so Uhl, seien schlecht für die Bronchien. „Entzündungen, Allergien, Bronchitis und Asthma sind die Folgen.“ Durch den Feinstaub werden die Menschen vermehrt krankheitsanfällig, betont der Arzt. „Abgesehen von dem Lärm, der durch den Häcksler erzeugt wird, ist Gräfelfing bei östlichen Winden und bei Bodeninversionslagen voll in der Abgasfahne des Biomasse HKW“, erklärt Guido Löbel. Er bedauert, dass in Gräfelfing nie eine Wetterstation aufgebaut wurde, um die Wettersituation zu beobachten. Der Martinsrieder unterstützt die Gräfelfinger bei ihrer Aktion gemeinsam mit Diethard Sillert, ebenfalls aus Martinsried. Löbel hat sich beim Deutschen Wetteramt über die Inversionswetterlage im Würmtal informiert. „Wir müssen in circa 80 Prozent aller Nächte pro Jahr mit Bodeninversionslagen rechnen. Bei starken westlichen Winden ist hauptsächlich Martinsried betroffen. Bei Ost- und Inversionswetterlagen der größte Teil der Gräfelfinger Bürger, inklusive Schule und Kindergärten“, betont Löbel. Römmelt, Uhl wie auch Lang setzen als einzige Alternative auf erneuerbare emissionsfreie Energien aus dem Boden und der Sonne. „Schließlich gibt es in Gräfelfing auch die Möglichkeit des Anschlusses an das Fernwärmenetz der Stadtwerke München. Entweder in Martinsried oder in Freiham.“ Die Stadtwerke München produzieren ziemlich saubere Energie, unter anderem mit Windkraft- und Wasserkraftenergie, so Uhl. Die Initiatoren hoffen, dass sie mit dieser Unterschriftenaktion und weiteren Aktivitäten schlagartig weiterkommen. Auch die JU Gräfelfing äußerte Bedenken gegen das HKW. „Wir haben uns sehr früh gegen die Errichtung eines Holzschnitzelhackwerks eingesetzt“, sagt Andreas Römmelt. Der JU Ortsvorsitzende ist vor allem, um die Holzversorgung besorgt. Auch wenn die Firma Glück „predigt vom sicheren Rohstoff Holz, der mehr nachwächst, als er verheizt wird“. Eher pessimistisch äußern sich die zuständigen Forstbetriebe. Die bezweifeln, dass Holz für alle bestehenden Kraftwerke reicht. Die Holzpreise sind alleine in diesem Jahr um 30 Prozent gestiegen. „Weitere Kostenexplosionen sind nur eine Frage der Zeit“, befürchtet Andreas Römmelt. Das Biomassewerk benötigt knapp 15.000 Tonnen an Holz. Eine ausgewachsene Fichte wiegt etwa zwei Tonnen. Wenn zehn Prozent des Holzes als Abfall gelten, so benötigt ein Biomassekraftwerk dieser Größe jährlich den Holzabfall von 75.000 Fichten. Berücksichtigt man die Wiederaufforstung von 80 Jahren, benötigt ein HKW dieser Größe für eine „wahre“ Klimaneutralität eine Waldfläche von 200 Quadratkilometern, erklärt Römmelt jr.. „Außerdem können wir nicht ausschließen, dass in naher Zukunft nicht nur die versprochenen Holzabfälle verfeuert werden, sondern auch hochwertiges Waldholz.“ Die Junge Union stellt sich gegen einen Raubbau am Ökosystem Wald.

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