Mut zur "unschönen" Entscheidung

Bis auf SPD und AIG standen die Gräfelfinger Fraktionen und Gruppierungen geschlossen hinter dem Mobilfunkkonzept. Mit nur drei Gegenstimmen wurde das Konzept in der jüngsten Ratssitzung beschlossen. Damit steht das Standortkonzept für die beiden Mobilfunkgroßanlagen am Neunerberg und auf dem TSV-Gelände. Die Sendeanlagen in der Freihamer- und Bahnhofstraße beziehungsweise am Jahnplatz können nach und nach rückgebaut werden, teilte Bürgermeister Christoph Göbel mit.

Hans Furbach (AIG) kritisierte scharf das Konzept. Warum es keine Alternative zu dem Mobilfunkkonzept gebe, das eigentlich ein Standortkonzept sei, erklärte Jürgen Lüsch (CSU). „Das Konzept bringt eine dramatische Reduzierung der Strahlenbelastung auf ein Sechstel der bisherigen Belastung. Wie geben der Gesundheit Vorrang.“ Er betonte weiter, dass es keine Alternativen zu den Standorten am Neunerberg und auf dem TSV-Gelände gebe. „Eine Alternative im Wald gibt es nicht, es sei denn man geht jetzt in den Wald zum Telefonieren.“ „Wir können dem Konzept nur zustimmen“, so Lüsch. Sonst bestehe überhaupt keine Beschränkung seitens der Gemeinde. Masten wie „Wildwuchs im Wald“ wären die Folge. Dies sei dank der Bauleitplanung aber nicht möglich. Dass eine Immissionsminimierung ohne optische Beeinträchtigung nicht gehe, stellte Frank Sommer (Grüne) klar. Ausschlaggebend ist, dass mit den beiden neuen Standorten die Strahlenbelastung im Ort erheblich abnimmt, bei gleichzeitiger verbesserter Netzversorgung. Zu diesem Konzept führte ein langer Diskussionsweg, „bei dem wir immer sachlich geblieben sind und in alle Richtungen offen“, unterstrich Sommer. Umso mehr kritisiert er, dass immer wieder Behauptungen aufgestellt werden, es gebe andere Lösungen. „Wer heute andere Lösungen hat, soll sie jetzt auf den Tisch legen“, forderte Thomas Heidenreich (CSU). Dem Konzept stimmte die AIG und SPD nicht zu. Allen voran Hans Furbach. „Bürger haben Angst vor Masten. Telefonieren wollen alle, Masten keiner.“ Für den AIG-Gemeinderat sind die beiden 40 Meter hohen Großmasten die billigste Lösung. Er unterstellt Sommer sogar, dass wirtschaftliche Interessen mit im Spiel seien. Seine Argumentation stieß auf große Ablehnung im Gremium. Göbel bezeichnete seine Beschuldigungen als absolut verwerflich und an der Grenze des rechtlich zulässigen. Weiter schlug Furbach vor mit den Mobilfunkbetreibern direkt zu verhandeln. Seiner Meinung nach sollte der Punkt vertagt werden, um alles genau zu prüfen. Politik muss entscheiden, konterte Göbel, und nicht immer noch mehr Gutachten in Auftrag geben. Weitere Untersuchungen waren für Frauke Schwaiblmair dagegen kein Thema. Für die Grünen-Politikerin ist die gesundheitliche Frage entscheidend. Der wesentliche Punkt ist die „Minimierung der Strahlenbelastung“. So sah es auch Petra Schaber (IGG). „Wir haben uns sehr bewusst mit der Thematik auseinander gesetzt. Jetzt wird hier dermaßen emotional reagiert. Wir können Handys auch nicht verbieten.“ Die laufende Diskussion um das Standortkonzept fand sie des Gremiums gar nicht würdig. Günter Roll (BVGL) verteidigte das ausgereifte Konzept. Zwar seien die Masten alles andere als schön, „aber wenn ich Sichtverbindung habe, ist die Strahlung am geringsten“. Dies spricht auch für die große Höhe der Masten mit 40 Metern. „Was hindert uns daran, die Masten wieder abzubauen, wenn es die Technik erlaubt.“ Für Kollege Florian Renner gab es auch keinen Grund dem Konzept zu misstrauen. Für ihn ist es in jeder Hinsicht, das beste was für Gräfelfing möglich ist. Den Standort am Neunerberg dagegen sah Manfred Dirndorfer (SPD) kritisch an. Was angrenzende Gemeinden betriffe, sollte man vorsichtig sein. „Statt am Neunerberg soll der Mast auf das Rathaus gesetzt werden.“ Am Ende der langen Diskussion fasste Göbel zusammen, dass es nicht die Frage ist, ob es einen anderen Standort im Außenbereich gibt, sondern ausschließlich die Frage, ob die Gemeinde rechtskräftig darüber entscheiden kann wo Mobilfunkmasten stehen. „Sonst sprießen Masten aus dem Boden, die erheblich gesundheitsbeeinträchtigend sind. Man muss auch den Mut haben eine Entscheidung zu treffen, auch wenn sie nicht schön ist.“

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