"Unsere Warteliste ist lang"

Seit Sarazins Buch reden sich Politiker zum Thema Integration die Köpfe heiß. Auch in der jüngsten Stern TV Sendung wurde das Thema aufgegriffen. Nicht viel geredet, jedoch gehandelt wird bei der Integrationshilfe für ausländische Kinder und Jugendliche in Gilching. 

Kritik am mangelnden Integrationswillen seitens Menschen mit Migrationshintergrund wurde bisher eher unter den Tisch gekehrt, als dass man offen darüber diskutiert hätte. Dabei klagen Lehrer und Politiker zunehmend darüber, dass Deutsche im eigenen Land diskriminiert werden. Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien würden ihre deutschen Mitschüler beschimpfen und schikanieren, lautete das Credo in der jüngsten Stern TV Sendung mit Günther Jauch. Dass es auch anderes geht, veranschaulichte Ulrich Mumm, Rektor an einem Gymnasium in Hamburg-Altona. Damit es erst gar nicht zu Anfeindungen oder Mobbing unter Schülern verschiedener Kulturen kommt, stellte Ulrich Mumm knallharte Regeln auf: So muss auf dem Schulhof generell deutsch gesprochen werden, und der Religionsunterricht der Schule ist konfessionsübergreifend und für jeden verpflichtend. Hier wird über die verschiedenen Religionen, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten gesprochen - nur so erreiche man gegenseitiges Verständnis, sagt Mumm.  Integration mit klaren Regeln gibt es auch bei der Integrationshilfe für Kinder und Jugendliche in Gilching. Seit zehn Jahren kümmern sich Ehrenamtliche um den Nachwuchs aus Familien mit Migrationshintergrund. „Integration darf aber nicht einseitig bleiben“, weiß Vorsitzende Elke Dietrich. Deshalb wünscht sie sich etwas mehr Engagement seitens der Eltern. „Für unsere Kinder wäre es gut, wenn auch ihre Mütter die deutsche Sprache lernten. Dann könnten sie auch bei den Hausaufgaben helfen oder verstehen, wenn sich die Kinder mit ihren deutschen Freunden unterhalten.“ Dass die Integrationshilfe so manches Problem lösen muss, zeigt ein aktueller Fall. Ein türkischer Vater, der schon länger in Gilching lebt, hat seine Frau und den jüngsten Sohn nachkommen lassen. Das Problem dabei ist, dass der Junge kein Wort deutsch spricht, aber schulpflichtig ist und die 5. Klasse besucht. „Theoretisch gibt es für solche Fälle Übergangsklassen. Das funktioniert vielleicht in München. Aber die nehmen keine Landkinder an. Hier im Landkreis Starnberg gibt es kein Angebot. Im Landkreis Fürstenfeldbruck gibt es nur in Germering eine Klasse“, bedauert Dietrich. Nun werde mit Hilfe einer türkischen ehrenamtlichen Mitarbeiterin versucht, dem Jungen nach dem regulären Unterricht deutsch zu lernen und ihm bei den Hausaufgaben zu helfen. Derzeit werden bei der Integrationshilfe 50 Kinder in vier Gruppen von insgesamt 45 Ehrenamtlichen von Montag bis Donnerstag betreut. Den Hauptanteil machen Kinder aus der Türkei gefolgt vom Kosovo und Afghanistan aus. „Unsere Warteliste ist lang. Wir wollen aber individuell fördern und die Kinder nicht nur verwahren. Deshalb können wir nicht alle Kinder annehmen.“ Dietrich appelliert an junge und ältere Menschen, die Lust haben mit Kindern zu arbeiten und ein bis zwei Mal die Woche am Nachmittag Zeit haben. „Wir brauchen dringend noch mehr Helfer. Es müssen keine Lehrer sein. Voraussetzung aber ist, man muss Kinder mögen und auch Kritik vertragen.“ Nähere Informationen gibt es bei Elke Dietrich unter der Telefonnummer 08105/377992.

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