Unterwegs auf den Wiesen mit der Kräuterpädagogin Gisela Hafemeyer

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Frieding – Sie sind regional, biologisch und gesund, wachsen am Wegesrand, auf Wiesen oder an Bächen. Die Rede ist von Wildkräutern – und beim Pflücken sollte man sich auskennen, denn nicht selten tarnen sich giftige Doppelgänger als gesundes Kraut. Gisela Hafemeyer kennt sich da aus, steht in einem Meer aus Bärlauch und hält ein paar Blätter in die Höhe. Die Kräuterpädagogin ist umringt von 25 Interessierten, die am Samstag in Frieding dem eisigen Wind trotzen und auf der Führung „Delikatessen am Wegesrand“ suchen und verarbeiten.

Gestärkt von einem Knoblauchranken-Baguette und aufgewärmt von einem Holunderlikör folgen sie der Gartenbäuerin zwei Stunden lang durch eine blühende Wiese und hängen ihr zwei Stunden lang gebannt an den Lippen. Im Laufe des Spaziergangs mag es manch einem so ergehen wie einst Hafemeyers Schwägerin, die plötzlich erschrocken stehen blieb und ausrief: „Hör auf. Wenn Du weiterredest trau ich mich gar nicht mehr zu gehen. Ich steh ja mitten im Kräutersalat.“ Tatsächlich verwandelt sich das einheitliche Grün beim Zuhören in ein Füllhorn an Gesundem. So wird aus dem wuchernden Unkraut Löwenzahn eine Zutat im Salat, die nicht nur köstlich schmeckt, sondern eben biologisch und garantiert regional die Verdauung anregt. Allerdings ist die gelbe Pracht auch ein Barometer, anhand dessen man überdüngte Wiesen erkenne, so die Expertin. Die Weide, auf der die Gruppe heute schaut, riecht und pflückt, wird weder gedüngt noch gespritzt. Aber zurück zum Bärlauch. Der heißt nicht so, weil Bruno der Bär ihn zur Leibspeise auserkoren hat, sondern weil er von Hebammen als Wehenmittel verabreicht wurde. Bär steht also für Gebär – und wenn man daneben greift, kann es tödlich enden, ermahnt die Fachfrau. Gemeint ist etwa die Herbstzeitlose, die sich unter das Gewächs schmuggelt und dem Bärlauch zum Verwechseln ähnlich sieht. Wie aber unterscheidet man Gut von Böse? Die Faustregel ist „ein Blatt, ein Stil und es knackt, wenn man es bricht“. Weiter geht’s zu einer Pflanze mit einem angeschlagenen Ruf: die Sauerampfer. Wer davon isst, bekommt Kopfläuse, hieß es. Dabei verabreicht das Gewächs dem Feinschmecker eine hohe Dosis Vitamin C. Vitaminreich ist auch das Scharbockskraut, das seinen Namen der Mangelerkrankung „Skorbut“ verdankt, gegen das dieses Kraut sprichwörtlich gewachsen ist. Heilkräuter bei Schritt und Tritt wachsen hier. Wie der Giersch, ein Wundermittel gegen Gicht, dessen Blätter ein Kreuz bilden und wie Petersilie und gelbe Rübe schmecken. Der „Gute Heinrich“ lässt sich dünsten. Aber Vorsicht: Zu viel davon hemmt die Eisenaufnahme. Die Taubennessel wiederum ist bei Insekten beliebt – und die süßliche Blüte mundet den Anwesenden offensichtlich, denn sie bücken sich sofort nach mehr. Das Schöllkraut hilft als Paste gegen Warzen – und hat im Essen oder in den Augen nichts verloren. Und die Knoblauchranke mit ihren rundlichen Blättern passt wunderbar ins Baguette. Zum Abschluss noch ein Tipp für all diejenigen, die nicht Gefahr laufen wollen, dass Hunde zuvor ihre Notdurft auf den Kräutern verrichtet haben: Meide Rundwege und suche dort, wo der Pfad in einer Sackgasse endet. Die Anwesenden leeren jetzt den Inhalt der Körbe mit den Kostbarkeiten auf den Tisch und bereiten unter Anleitung ganz im Zeichen der Zeit gesunde, regionale, biologische und echt vegane Speisen zu. Mehr Infos über Gisela Hafemeyer in Frieding und ihre Kräuterwanderungen unter www.kraeuterstadl.de oder unter Telefon 08152/2664. mk

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