Biergärten wieder offen - Wirte haften bei Verstößen

Unverständnis für Zapfenstreich bei den Wirten im Landkreis 

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Biergartenbesuche sind ab sofort wieder erlaubt. Allerdings müssen sich Gäste auf längere Wartezeiten und ein paar Formalitäten einstellen, bevor die frische Maß getrunken werden kann.

Landkreis – Seit Anfang dieser Woche haben im Landkreis Starnberg wieder die Biergärten geöffnet. Die kühle Maß, der leckere Steckerlfisch oder der cremige Obazda können heuer allerdings nicht wie gewohnt genossen werden. Strenge Hygienekonzepte und eine begrenzte Tischauswahl machen den Biergartenbesuch zu einem kleinen Abenteuer. Wirte aus dem Landkreis erzählen, wie sie die ersten Tage erlebt und wie sie sich auf die Wiedereröffnung vorbereitet haben.

Der Start in die Biergartensaison 2020 ist „super angelaufen“, berichtet Heinz Preiß vom Brückenwirt in Percha. Zu Beginn der Woche sei der erwartete Boom zwar noch ausgeblieben, dennoch zeigt sich Preiß optimistisch,was die kommenden Wochen angeht. Erfreut ist der Wirt aus Percha auch über das Verhalten seiner Gäste. „Die Leute sind sehr vernünftig“. Die Bewirtung laufe zwar derzeit etwas umständlicher, aber die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter habe oberste Priorität, sagt Preiß. Um den erforderlichen Abstand zwischen den Gästen gewährleisten zu können, musste Preiß allerdings das Sitzplatzkontingent im Biergarten deutlich reduzieren. Gleiches gilt auch für das Andechser Bräustüberl. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie umfasste der gastronomische Außenbereich der Pilgergaststätte 1100 Sitzgelegenheiten. Nun stehen den Besuchern des heiligen Bergs nur noch 350 Plätze zur Verfügung, wo sie sich die Andechser Schmankerl schmecken lassen können. Zufrieden zeigt sich Martin Glaab, Pressesprecher des Kloster Andechs, über das Gästeverhalten. „Was uns auffällt ist, dass wir es mit verständnisvollen Gästen zu tun haben“. Für ein höheres Besucheraufkommen haben die Verantwortlichen in Andechs ein Konzept erarbeitet, das bereits an Christi Himmelfahrt zur Anwendung kommt. Rund um das Klosterbräustüberl werden zusätzliche Sitzangebote mit eigenem Schank- und Essensausgabebereich angeboten. Für den haben die Verantwortlichen aus Andechs auch mehr Personal eingestellt. Dieses ist unter anderem für die Registrierung ankommender Gäste zuständig. Der von der bayerischen Staatsregierung festgelegte Hygieneplan sieht vor, dass jeder Biergartenbesucher seine Kontaktdaten hinterlassen muss. Dies soll einer besseren Nachverfolgung seitens der Gesundheitsbehörden im Falle von nachgewiesenen Corona-Infektionen bei Gästen und Personal dienen.

In Andechs muss man den Ausweis vorzeigen

Neu ist, dass sich Biergartenbesucher im Landkreis ihren Tisch nicht mehr selbstständig aussuchen dürfen. In Andechs müssen Gäste zum Datenabgleich grundsätzlich ihren Ausweis vorzeigen. Erst dann dürfen sie am zugewiesenen Tisch Platz nehmen. Auf dem Weg dorthin muss der Mund-und Nasenschutz getragen werden. Um einen Andrang auf die freien Plätze im Außenbereich zu vermeiden, kommt es in Andechs auch zu kurzfristigen Schließungen der gastronomischen Außenbereiche für neu ankommende Gäste. Ähnlich wie auf dem Oktoberfest heißt es dann „vorübergehend geschlossen“. Diese Maßnahme diene der Sicherheit der Gäste und dem Personal, sagt Glaab. Auch in der Kreisstadt selber vermelden die Gastronomen eine relativ hohe Akzeptanz der neuen Hygienevorschriften. „Viele sehen es ein“, sagt Mileta Bulatovic, Geschäftsführer in des Wirtshauses Tutzinger Hof in Starnberg. Trotz des reduzierten Platzangebotes in der Starnberger Gaststätte seien derzeit die Vorbereitungen für den Biergartenbetrieb „personal-und zeitintensiver“. 

Polizei: Wirte sind für Einhaltung der Regeln verantwortlich

Das Besteck muss eigens in Servietten eingewickelt werden und auch die Tische und Sitze müssen für jeden Gast vorab desinfiziert werden. Brückenwirtbetreiber Preiß verzichtet momentan auf Salz- und Pfefferstreuer auf den Tischen, um so die Hygienestandards für alle Gäste gewährleisten zu können. Denn bei Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Regelungen drohen den Gastronomen saftige Strafen. „Grundsätzlich sind die Wirte dafür verantwortlich, dass die Hygienevorschriften passen“, erklärt Karl Höpfl von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Derzeit gibt es noch keine Beschwerden über etwaige Missachtungen bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen in den Biergärten, so Höpfl. Vor allem am Vatertag und am Wochenende werden verstärkte Kontrollen stattfinden. Der Fokus liegt hierbei besonders auf den Badebereichen im Landkreis. Generell kann die Starnberger Polizei nur Verstöße zur Anzeige bringen. Die Sanktionierung obliegt den jeweiligen Bußgeldbehörden.

"Verstehe das Ganze nicht"

Auf Unverständnis bei den Wirten stößt derweil die Regelung, dass Biergärten nur bis 20 Uhr geöffnet sein dürfen. „Ich verstehe das Ganze nicht“, meint Bulatovic vom Wirtshaus im Tutzinger Hof. Für Heinz Preiß vom Brückenwirt macht die Vorschrift keinen Sinn, vor allem vor dem Hintergrund, dass ab nächster Woche die Innengastronomie bis 22 Uhr offen sein darf. Derzeit machen beide Gastronomen ihre Gäste nach 20 Uhr aufmerksam, dass Sperrstunde ist. Wenn ab kommender Woche allerdings die Bewirtung im Innern wieder möglich ist, befürchten Preiß und Bulatovic, dass viele Biergartler nach 20 Uhr einfach in die Wirtschaften strömen werden. Preiß hat sich für diesen Ernstfall schon ein kleines Konzept zurecht gelegt. „Wenn voll ist ist voll“. Kino-Betreiber Matthias Helwig lässt sich dagegen mit der Belebung der Gastronomie in Gauting bis zum 4. Juni Zeit, um „zeitnaher zur Kino-Eröffnung zu liegen“.

Für die Wirte im Landkreis kommt die Öffnung der Gastronomie keine Sekunde zu spät. Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes mahnt trotz aller Euphorie zur Vernunft. Die Einhaltung der Abstandsregeln habe jetzt Vorrang, so Inselkammer. Ob sich das Aufsperren gelohnt hat, werden die Gastronomen in Starnberg und Umgebung allerdings erst in einigen Wochen mit Gewissheit sagen können.

Von Florian Ladurner

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