Ein Grüner der ersten Stunde

Ein "Urgestein": Peter Unger sitzt seit 40 Jahren im Gilchinger Gemeinderat

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Er war 1987 auch GRIBS-Gründungsmitglied (Grüne und Alternative in den Räten Bayerns) und vieles mehr. Anja Kiemle vom Gilchinger Ortsverband würdigt Peter Ungers Verdienste.

Gilching – Er gilt als politisches „Urgestein“ im Gilchinger Gemeinderat – seit 40 Jahren gehört Peter Unger diesem Gremium mittlerweile an. Der leidenschaftliche Kommunalpolitiker war 1979 Bayerns erster grüner Gemeinderat.

Die Grünen gab es vor vier Jahrzehnten in Gilching noch nicht, so saß Unger bis zur Gründung des Ortsverbands im Herbst 1979 für die „Sonstige politische Vereinigung“, so der Name der Vorläufer-Organisation, im Gemeinderat. Der Gewerkschafter und Betriebsrat trat bei der Kommunalwahl 1978 für die SPD an – und wurde gewählt. Bald jedoch überwarf er sich mit den Genossen, Unger reiste durch die Republik zu „allen möglichen grünen Versammlungen“, wie er seinen Aufbruch selbst schildert. Seine neue politische Heimat fand er in der Öko-Partei, die im Landkreis Starnberg jedoch erst noch gegründet werden musste. Was nach und nach geschah, er selbst gründete unter anderem die Ortsverbände in Gauting, Berg und Garching bei München. Im Januar 1980 wurde die Bundespartei der Grünen gegründet, ein paar Monate später der Kreisverband Starnberg. Und überall war Peter Unger mit dabei.

Bis zur Kommunalwahl 1984 war er Bayerns erster grüner Gemeinderat. Über vier Jahre lang, bei der Wahl ‘84 zog er dann „offiziell“ als Grüner in den Gemeinderat ein. Lange Zeit blieb er Einzelkämpfer in der Runde. „Anträge, die ich vor 30, 40 Jahren gestellt habe und die stets abgelehnt wurden, gehen heute ohne große Diskussion durch“, so Ungers Beobachtung zum Wandel in Politik und Gesellschaft. Vor 40 Jahren wurden Grüne als Müslifresser und Ökospinner verlacht. Das hat sich im Laufe der Jahrzehnte geändert.

Soziale Boden- und Energiepolitik sind seine Herzensangelegenheit 

Eines seiner größten politischen Highlights war für den 74-Jährigen Ende der 1980er Jahre das öffentlich machen der Knebelverträge, die Gemeinden mit den großen Energieversorgern eingegangen waren. „Dafür musste ich ein Ordnungsgeld bezahlen, die Sache hat aber bundesweit Wellen geschlagen“, erzählt er. Stein des Anstoßes war für Unger – und nach Bekanntwerden auch für viele andere –, dass sich Kommunen mit Laufzeiten von 30, 40 und 50 Jahren an einen Energieversorger binden mussten und auch nicht selbst etwa Energie erzeugen durften. Zu diesem Thema hielt Unger später Vorträge. Die soziale Bodenpolitik, ein weiteres Kernanliegen seines politischen Wirkens, beschäftigt ihn noch heute. Er möchte, dass ein Baurecht an Bedingungen, etwa das ein Teil eines Grundstücks der Gemeinde kostenfrei überlassen wird, geknüpft wird. Verfassungswidriges Handeln habe man ihn damals attestiert, so Unger. Dass sich die Wogen allmählich geglättet haben, beweist eine gemeinsame Resolution zum Thema Inklusion, die die Kreisräte Elisabeth Fuchsenberger (SPD), Harald Schwab (CSU) und Peter Unger 2016 im Kreistag auf den Weg gebracht haben. Auch im kommenden Frühjahr bei der nächsten Kommunalwahl möchte Unger es noch einmal wissen: „Ich möchte noch einmal kandidieren, für den Gemeinderat und den Kreistag. Sofern man mich aufstellt.“

Oliver Puls

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