MS Utting

Die letzte Fahrt wird teuer

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Stegen – Die MS Utting geht in München vor Anker: Das 1950 gebaute Passagierschiff kaufte ein Münchner Veranstalter. Ersetzt wird das Schiff im Sommer durch eine größere Version.

Auf die Utting war 65 Jahre lang Verlass, jahrein, jahraus trug sie treu ihre Passiere kreuz und quer über den Ammersee. Im April 2016 kündigte die Bayerische Seenschifffahrt an, dass das 34 Meter lange und knapp acht Meter breite Dampfschiff wird in Rente gehen. Das heißt: Weil noch kein Käufer für das Schiff in Sicht war, stand sogar das Wort „Verschrotten“ im Raum. So weit kam es dann doch nicht, denn es fanden sich drei Interessenten, von denen das Münchner Unternehmen Bahnwärter Kulturstätten GmbH im Dezember den Zuschlag bekam – und mit dem neuen Besitzer hat fortan die Kleinkunst Münchens im Bauch des ausgemusterten Dampfers eine neue Heimat gefunden. Die 2015 gegründete Veranstaltungs-GmbH hat sich zur Aufgabe gemacht, brachliegende Flächen über wenige Monate mit Kultur zu füllen. Der Kauf der Utting als Kulturraum kostete Geschäftsführer Daniel Hahn jedoch „einige schlaflose Nächte“. Nicht nur der Ankauf, sondern auch der Transport seien eine Rieseninvestition. Alleine um den Dampfer transportfähig zu machen, arbeiten seit fünf Wochen bis zu fünf Mitarbeiter des Veranstalters daran, das Oberdeck abzutragen, damit das Boot nicht mit Unterführungen oder Brücken kollidiert. In rund zwei Monaten wird das zerlegte Schiff mit zwei Schwertransportern auf die Straße gebracht. „Für den Transport müssen ganze Ampelanlagen ausgegraben werden“, schilderte Daniel Hahn. Weil die Verlegung so teuer ist, bemüht sich Hahn aktuell darum, dass die neue Spielstätte längerfristig im Raum München einen Hafen findet. Angetan von der anspruchsvollen Handwerkskunst im Salon ist der 26-Jährige glücklich über die Kaufentscheidung. Verbunden mit einer Gastronomie könnten hier Lesungen, Konzerte, Flohmärkte oder Theateraufführungen stattfinden. Die rund 5,3 Millionen Euro teure Nachfolgerin steht derweil noch in Niederkassel in der Werft. Das 50 Meter lange und neun Meter breite Gefährt kann bis zu 500 Fahrgäste befördern. Das sind einhundert mehr als die Vorgängerin – und genauso viele, wie auf der großen Schwester, der RMS Herrsching, Platz finden. „Ein Raddampfer wird es nicht“, betonte Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Aus Platzgründen, denn die Schaufelräder laufen in einem Radkasten, der wiederum den Innenraum verkleinert. Zum Saisonauftakt schafft es der Neuzugang allerdings nicht aufs Wasser. „Den Linienverkehr können wir mit den drei anderen Flottenschiffen aufrecht erhalten“, so Grießer, aber die Sonderfahrten fallen bis zur Taufe der neuen MS Utting am 7. Juli wortwörtlich ins Wasser. Pünktlich zur Hauptsaison können dann wieder Hochzeiten, Geburtstage oder Jubiläen auf dem Ammersee gefeiert werden. Dafür ist die zukünftige MS Utting mit dem größten, zusammenhängenden Salon der Flotte für rund 150 Gäste laut Grießer besonders geeignet. Und selbstverständlich dreht das Schiff auch fortan im Linienverkehr seine Runden. Mehr über den Veranstalter unter www.bahnwaerterthiel.de und www.wannda.de.mk

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