Verein Brücke Starnberg legt Jahresbericht für 2016 vor

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Landkreis – Was die Starnberger Suchtberatungsstelle Condrobs bereits im Mai in ihrer Bilanz für 2016 festgestellt hatte, bestätigte nun auch der Verein „Brücke Starnberg“ in seinem Fazit für das vergangene Jahr:

das Klientel mit Canabisprodukten beziehungsweise die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (BTMG) sind im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Ziemlich konstant blieb hingegegen die Gesamtzahl: Insgesamt 257 junge Menschen wurden von der Brücke betreut, davon 199 (77 Prozent) männlich und 58 (23 Prozent) weiblich. Der Großteil der Jugendlichen waren Schüler (62 Prozent), 16 Prozent absolvierten eine Ausbildung. Als einer der ersten auf Landkreisebene hat sich der Verein „Brücke Starnberg“ 1980 gegründet und ist eine Einrichtung der Jugendhilfe. „Wir arbeiten mit straffällig gewordenen Jugendlichen, die nach Weisung eines des Gerichts beziehungsweise der Staatsanwaltschaft zu uns kommen“, erklärt Sozialpädagogin Corinna Büge, die zusammen mit ihren Kollegen Bernadette Ley und Richard Wutte das Brücke-Team bildet. Wutte ist Nachfolger von Wolfgang Ohmayer, der nach über 31 Jahren bei der Brücke Ende des Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Das Angebot der Brücke ist breit gefächert und umfasst unterschiedliche pädagogische Maßnahmen: Psycho-Soziale Beratung (29 Mal in 2016), Betreuungsweisungen (13), Täter-Opfer-Ausgleich (9), Alkohol- beziehungsweise Drogenberatung (27), Naturschutz-Aktionen (12), Leseweisungen (7), Update-Projekt (4), Begleitung von Arbeitsweisungen (208) und Überwachung von Screenings (84). „Die Jugendlichen kommen dabei quer aus allen Gesellschaftsschichten“, so Brücke-Vorsitzender Gerd Weger. Vielen der jungen Menschen gehe das vertrauensvolle Gespräch ab „und unsere Mitarbeiter nehmen sich die Zeit dafür; manchmal eineinhalb bis zwei Stunden“, so Weger. Das Brücke-Team versucht dabei auch, präventiv zu arbeiten. Im Jugendstrafrecht steht die Entwicklungsförderung der jungen Menschen im Vordergrund. „Die Richter urteilen im Sinne der Jugendlichen“, erklärt Corinna Büge. Und in den Beratungen sei eine sehr individuelle Vorgehensweise sinnvoll, um eine vertrauensvolle Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, auf deren Grundlage Themen wie eine berufliche Orientierung, Probleme in der Schule oder auch im privaten Umfeld, Schuldenregulierung und der Umgang mit Genuss- oder Suchtmitteln behandelt werden können. Büge und ihre Kollegen haben allerdings festgestellt, dass die Betreuung der Jugendlichen aus pädagogischer Sicht immer schwieriger wird. Eine der Ursachen sei der Anstieg der Betäubungsmitteldelikte. So ist hier Zahl von 39 in 2014 auf 53 Fälle im vergangenen Jahr angestiegen, wobei die Zahl derer, die in Gesprächs- und Betreuungsweisungen angeben, ein Problem im Suchtbereich zu haben, noch viel größer sei. „Viele berichten, bereits mit etwa 13 Jahren mit dem Konsum zu beginnen“, so Büge. „Diese Jugendlichen sind unserer Erfahrung nach, trotz einer guten Bindung an den Betreuer, oft schwerer motivierbar, haben weniger Zukunftspläne, brechen häufiger die Schule oder Ausbildung ab und haben öfter psychische Beeinträchtigungen als Jugendliche, die keine Suchtmittel konsumieren.“ Ein weiterer Schwerpunkt der Brücke ist von Beginn an, die Vermittlung der Jugendlichen an soziale, öffentliche und kommunale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kindergärten, Altenheime oder Betriebshöfe, in denen sie unter Anleitung die ihnen auferlegten Arbeitsstunden ableisten können. „Wir begleiten ihre Arbeit in den Stellen im Hintergrund und beraten bei auftretenden Problemen“, so Büge. „Einige Jugendliche tun sich schwer, die anfallenden Aufgaben gut zu erledigen, 85 Prozent schafften es jedoch, ihre Stunden bei der ersten Stelle abzuleisten.“ Zusammen leisteten die Jugendlichen im vergangenen Jahr 6.187 Stunden gemeinnützige Arbeit, wobei die durchschnittlich angeordnete Stundenzahl pro Person bei 30 Stunden liegt. Derzeit können die Jugendlichen ihre sozialen Arbeitsstunden in etwa 60 Einrichtungen im Landkreis ableisten. sb

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