Bundesweit sei „mittlerweile jedes fünfte neu zugelassene Auto ein SUV oder Geländewagen"

Verheerendes Zwischenzeugnis für Starnberg bei energetischer Zwischenbilanz

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Es gab ein verheerendes Zwischenzeugnis für die Stadt Starnberg bei der energetischen Zwischenbilanz.

Starnberg – Der turnusmäßig alle zwei Jahre erarbeitete Klimabericht des STAgenda Arbeitskreises Energie und Klimaschutz kommt in seiner erst jetzt vorgelegten 21-seitigen Bilanz für 2017 zu dem Fazit, dass das Ziel eines energieneutralen und energieautarken Landkreises („Energiewende bis 2035“) ohne einen konsequenten und schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien nicht zu erreichen sein wird. Die ehrenamtliche STAgenda-Referentin Karin Wurzbacher, die demnächst auch die Stadt-Bilanz für den Stand 2019 vortragen wird, kritisierte mit deutlichen Worten einige mit Zahlen und Grafiken unterfütterte Verbrauchsgewohnheiten der Starnberger Bürger – vor allem bei fossilen Brennstoffen.

Der absolute Verbrauch von Erdgas habe zum Beispiel seit 2013 um 21 Prozent zugenommen, der von Heizöl im gleichen Zeitraum nur um 3,9 Prozent abgenommen, während alternative Energieträger wie Biomasse trotz Zunahme „auf niedrigem Niveau“ verblieben seien. Besonders heikel ist die energetische Starnberger Bilanz (Strom, Wärme, Verkehr) offenbar beim privaten Autoverkehr: So lag der CO2-Ausstoß der Einwohner in Starnberg 2017 mit 15,38 Milligramm CO2 pro Kopf deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 11,6 Mg. Den größten Anteil liefere hier zwar der Wärmesektor, der noch immer „nahezu vollständig auf fossile Brennstoffe zurückgreift“. Doch bundesweit sei „mittlerweile jedes fünfte neu zugelassene Auto ein SUV oder Geländewagen“. Gemäß Kraftfahrbundesamt sind bei den Neuzulassungen die immer schwereren und immer stärkeren Pkw auf dem Vormarsch – in der Kreisstadt besonders gut „sichtbar“. Und „je schwerer das Auto, je höher die Motorleistung, desto mehr Treibstoff wird verbraucht und desto höher der CO2-Ausstoß“, so Wurzbacher. Der seit Jahren durch verbesserte Wirkungsgrade eigentlich sinkende durchschnittliche Treibstoffverbrauch werde durch das Segment hochmotorisierter SUV und Geländewagen leider konterkariert, besonders in Starnberg.

Bemühungen der Stadt seien vorbildlich

Lob hatte Wurzbacher für den Strombezug der städtischen Liegenschaften, welcher „durch Energie sparende Maßnahmen stetig zurückgegangen“ sei. Auch die Eigenerzeugung von Solarstrom auf den städtischen Liegenschaften habe „von 2005 bis 2015 um etwa das 20-fache zugenommen“, so Wurzbacher und bezeichnete die Bemühungen der Stadt als „vorbildlich“. Beeinflusst wurde die 2017er-Bilanz allerdings durch den Umbau des „Seebades“, das als Großverbraucher ausgefallen sei.

„Hier herrscht großer Nachholbedarf“

Die STAgenda-Referentin empfahl in Erwartung weiter steigenden Stromverbrauchs (durch Digitalisierung und neue Technologien im Mobilitäts- und Wärmebereich), neben konsequenten Stromeinspar-Bemühungen „auch sauberen Strom zu erzeugen“, aus erneuerbaren Energie also. Moment deckt solcher Strom (zumeist aus Photovoltaik- anlagen) nur 6,3 Prozent des Stromverbrauchs in Starnberg ab: „Hier herrscht großer Nachholbedarf“, stellt Wurzbacher fest. Bundesweit lag der Anteil erneuerbarer Energien am erzeugten Strom im Jahr 2017 bei etwa 36 Prozent, 2019 bei 50 Prozent – das lässt zwar eine positive Tendenz erkennen, reicht aber nicht aus für das 2005 vom Landkreis ausgerufene Energiewende-Ziel 2035. Die Referentin sprach sich dafür aus, Stadtratsbeschlüsse künftig generell unter „Klimavorbehalt“ zu stellen, etwa beim Handlungsfeld der Wohnraumpolitik: „Der deutliche Mehrverbrauch an CO2 wurde auf die größeren Wohnflächen (Quadratmeter pro Kopf) und den deutlich vorhandenen Wohlstand in Starnberg zurückgeführt. Energie- und Kosteneinparungen sowie ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen scheint kein Anreiz zu sein, den Energiebedarf zu drosseln“, so Karin Wurzbacher ernüchtert. CSU-Stadtrat Rudolf Zirngibl drückte es so aus: Wann lerne man es in einer Stadt „mit so viel grünem Potenzial“ endlich, „nicht jedes Klo zu beheizen“?

Von mps

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